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Serienteil 3
11.06.2013

Wenn die Vermögensaufteilung grundsätzlich festgelegt ist, erfolgt die Entscheidung, welche Banken und Vermögensverwalter beauftragt werden.

Anlageergebnis optimieren: Unternehmerfamilien sollten ihre Vermögensverwalter vor Vertragsaufgabe genau prüfen, empfiehlt Stephan Buchwald von der Strategieberatung Kontora. (Foto: picture alliance / JOKER)

Für die Vermögensverwaltung nach einem Unternehmensverkauf kann entweder allen Anlagespezialisten die gleiche Asset-Struktur vorgegeben werden, oder es werden Mandate für einzelne Anlageklassen vergeben. Größere Vermögen  sind im Vorteil, da durch die Vergabe mehrerer Mandate je Anlageklasse mit unterschiedlichen Anlagestilen ein zusätzlicher Diversifizierungsfaktor erreicht wird.

Die Auswahl sollte  in einem strukturierten Prozess stattfinden. Als Schlüsselfaktoren haben wir in der Praxis die "5 P" identifiziert:

  1. Personen
    Eignung, Integrität, fachliche und  charakterliche Befähigung, verständliche Darstellung  der  Tätigkeiten
  2. Produkte
    Überprüfung der  Anlageinstrumente u. a. hinsichtlich Risiko, Interessensgleichheit, Kostenstruktur, Liquidität
  3. Prozesse
    Eignung der administrativen Infrastruktur hinsichtlich  Stabilität und Disziplin im Anlageprozess, Grad der Abhängigkeit von einzelnen Personen
  4. Preise
  5. Überprüfung des Vergütungsmodells auf Markt-Usancen, Fairness, Transparenz und Interessensgleichheit mit Vermögensinhaber
  6. Performance
  7. Überprüfung historischer Anlageergebnisse u. a. hinsichtlich Kontinuität, Risiken und Prognosesicherheit

    Die Unternehmerfamilie sollte die Manager vor Auftragsvergabe genau prüfen. Dies ist bei Banken und Vermögensverwaltern schwierig, weil die Präsentation meist von geschulten Relationship-Managern durchgeführt wird. Der Vermögensinhaber sollte darum auf der Teilnahme  des zu beauftragenden Portfoliomanagers bestehen.

    Die Tücke jeder "Rennliste"

    Ein häufiger Fehler ist die Suche nach dem einen Spitzenmanager, der konstant den Markt outperformt. Die Auswahl nach "Rennlisten"  reduziert die Kriterien jedoch auf die Performance der Vergangenheit, was zu Enttäuschungen führen kann. Ziel sollte es  sein, Verwalter zu wählen, die mit ihrer Anlagesystematik, Risikobeherrschung und Kostenstruktur zu den  beständig guten Verwaltern gehören.

    Gleichzeitig ist die Einrichtung eines laufenden Controllings sowie die Durchführung regelmäßiger Anlagemeetings zu empfehlen. Voraussetzung einer effizienten Vermögenssteuerung ist eine leistungsstarke Erfassungs-, Controlling- und Reportingstruktur. Täglich müssen konsolidierte Bestands-, Risiko- und Renditeanalysen möglich sein, inklusive Liquiditätsdarstellungen und –plänen.

    Gute Dokumentation erlaubt aktive Steuerung

    Eine verständliche Leistungsbeurteilung der einzelnen Manager im  laufenden Vergleich mit Benchmarks und Wettbewerbern unterstützt den Vermögenden, sein Portfolio bei Bedarf aktiv zu steuern. Mit Hilfe eines solchen Management Information Systems können regelmäßige Anlagesitzungen der Familie stattfinden. Die Augenhöhe mit den  Managern ist hergestellt und  Zielvereinbarungs- und Beurteilungsgespräche werden auf einer sachlichen Ebene geführt. Statistische Erhebungen von Multi Family Offices zeigen, dass eine enge Führung der Verwalter versteckte Kosten reduziert und  die Performance verbessert.

    Die festgelegte Struktur des Portfolios wird sich durch Marktbewegungen von der  Soll-Struktur entfernen. In regelmäßigen Abständen sollte daher eine aktive Bereinigung stattfinden. Dadurch wird das Portfolio wieder auf die anfängliche strategische Asset Allocation ausgerichtet. Die Hauptziele dieser Strategie sind Risikomanagement und antizyklisches Investieren. So wird bei gleich bleibenden Chancen die Volatilität der Entwicklung eines Portfolios reduziert.

    Stephan Buchwald
    Geschäftsführender Gesellschafter
    Kontora Family Office GmbH 

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