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18.06.2013

Die meisten deutschen Mittelständler müssen sich derzeit um ihre Kreditversorgung wenig Sorgen machen. „Es ist unglaublich sexy, mit dem Mittelstand Geschäfte zu machen“, zitiert das Handelsblatt die Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger. Dass sich die Situation für den Mittelstand durch Basel III ändern könnte, glaubt sie nicht.

Redner auf der Hauptversammlung des spanischen Telekommunikationskonzerns Telefónica Ende Mai. Südeuropa in der Kreditklemme.

Hauptversammlung des spanischen Telekommunikationskonzerns Telefónica Ende Mai: Anders als Deutschlands Mittelständler drohen viele südeuropäische Unternehmen unter ihrer Schuldenlast zu ersticken. (Foto: picture alliance / dpa)

Im Rahmen der Finanzmarktregulierung werde aktuell an „150 Stellschrauben gedreht“, resümiert die Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger. Dennoch habe man in Europa dafür gesorgt, dass die Kapitalkosten der Banken für Kredite an kleine Mittelständler nicht gestiegen seien. Nur bei der Vergabe langfristiger Kredite zögerten die Banken, schreibt das Handelsblatt und verweist auf eine Aussage des Commerzbank-Chefs Martin Blessing. Nach seiner Auffassung werden langfristige Kredite künftig einen kleineren Anteil an der Bankbilanz ausmachen als bisher. Wie viel Kapital eine Bank für einen Kredit brauche, hänge nämlich mehr denn je von ihrer Bonität ab – und die könne schwanken.

Anschubhilfe für Südeuropas Mittelständler

In vielen südeuropäischen Ländern blockiert unterdessen eine gewaltige Schuldenlast die Unternehmen, so das manager magazin. Nicht die Staatsverschuldung, sondern die enormen Firmenverbindlichkeiten erstickten das Wirtschaftswachstum. Jeder verdiente Euro werde für den Schuldenabbau benötigt – für Investitionen sei kaum Luft. „Die Verschuldung der Unternehmen in der europäischen Peripherie ist schlicht nicht mehr tragbar“, warnt José Viñals, Cheffinanzberater beim Internationalen Währungsfonds. Während sich globale Konzerne wie das Telekommunikationsunternehmen Telefónica oder der Stahlriese Arcelor vergleichsweise günstig an den internationalen Finanzmärkten refinanzieren könnten, hätten kleinere südeuropäische Firmen diese Option nicht. Sie seien auf die lokalen Banken angewiesen, die teils hohe Risikoaufschläge verlangten. „Deshalb steht der Mittelstand in Spanien, Portugal, Italien oder Irland sehr viel schlechter da, als es eigentlich sein müsste“, sagt José Manuel Campa, Professor an der Business School IESE in Barcelona, dem manager magazin.

Die Lage in den Ländern des Südens alarmiert auch die Europäische Zentralbank (EZB). Dem Handelsblatt zufolge prüft die EZB verschiedene unkonventionelle Maßnahmen zur Bekämpfung der dortigen Kreditklemme. Zur Debatte stünden unter anderem Strafzinsen, also negative Einlagenzinsen für Banken, die ihre überschüssige Liquidität bei der Zentralbank parkten, anstatt das Geld den Unternehmen zu leihen. Darüber hinaus wäre auch eine Wiederbelebung des Marktes für forderungsbesicherte Wertpapiere denkbar, wobei die EZB den Banken verbriefte Kredite abkaufen würde. Beide Optionen seien jedoch in der Öffentlichkeit und unter Experten umstritten. Auch EZB-Präsident Mario Draghi verweist laut Handelsblatt auf die vielen „unerwünschten Nebeneffekte“ dieser „komplexen Maßnahmen“.

Die Förderbank der deutschen Wirtschaft, KfW, leistet bereits konkrete Unterstützung, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ). Sie stelle dem spanischen Schwesterinstitut ICO einen sogenannten Globalkredit von 800 Millionen Euro zur Verfügung. Nun sollten auch weitere südeuropäische Länder von einer Anschubfinanzierung profitieren. „Portugal und Griechenland sind an vergleichbaren Maßnahmen interessiert“, bestätigt laut SZ das Finanzministerium. „Voraussetzung ist ein mit der KfW vergleichbares staatliches oder staatlich gestütztes Finanzierungsinstrument.“

Mittelstandsanleihen sind lukrativ, aber riskant

„Allein der Name zählt“, titelt das Wirtschaftsmagazin Capital und berichtet über den Boom bei Unternehmensanleihen. Mehr als 70 deutsche Mittelständler hätten sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren an einem der Handelsplätze für Anleihen Geld besorgt. Darunter Modefirmen wie René Lezard oder Eterna, aber auch der Schnapsfabrikant Berentzen. Inzwischen umfasse das neue Segment fast 3,4 Milliarden Euro. Allerdings hätten erste Unternehmenspleiten dem Markt zugesetzt. „Mittelstandsanleihen zahlen zwar hohe Zinsen, sind dafür aber auch Hochrisikopapiere“, sagt Thomas Morgenstern, Geschäftsführer von Scope Ratings. Die Annahme „hoher Zins gleich hohes Risiko“ gilt beim Mittelstand aber nur bedingt, so die Zeitschrift weiter. Anleihen bekannter Marken würden sich leichter verkaufen als Papiere von unbekannten Unternehmen. So zahle zum Beispiel die Fluglinie Air Berlin trotz ihrer Schuldenlast vergleichsweise wenig Zinsen.

Auch das Handelsblatt beschäftigt sich mit der Qualität von Mittelstandsanleihen. Die Zeitung stellt den „Prime Standard“ der Frankfurter Börse vor, der im vergangenen Oktober startete. Dieses Segment ziele auf größere und renommierte Unternehmen ab. „Mit dem Prime Standard wollen wir die Unternehmensanleihen schon bei der Zeichnung der breiten Masse institutioneller Anleger zugänglich machen“, erklärt Alexander von Preysing, der bei der Deutschen Börse die Emittenten betreut. Und dennoch heißt „Prime“ nicht immer „Prime“, gibt das Handelsblatt zu bedenken. Das Spektrum reiche von soliden Mittelständlern bis zu solchen, die zwar mit hohen Zinsen lockten, aber auch hohe Verbindlichkeiten vor sich her schöben. Am lukrativen Markt für Unternehmensanleihen will künftig die Konkurrenz kräftig mitmischen, so die Zeitung weiter. Bereits im April startete die Deutsche Bank ihr BondPortal und auch die Stuttgarter Börse plane ein Qualitätssegment.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate Mai und Juni (beobachteter Zeitraum: 17. Mai  bis 14. Juni 2013) wurden insgesamt sechs Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Handelsblatt, manager magazin, Süddeutsche Zeitung und Capital.