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13.06.2013

Das Global Economic Symposium (GES) ist 2008 gegründet worden und hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Mal im Jahr Persönlichkeiten aus aller Welt zusammenzubringen, um wissensbasiert nach Lösungen für wirtschaftliche und gesellschaftliche Probleme zu suchen. Am 1. und 2. Oktober 2013 wird das GES in Kiel stattfinden. Familienunternehmer Reinhard Cordes verwies darauf, dass die GES keine „Schicki-Micki“-Veranstaltung ist wie das Wirtschaftselitetreffen in Davos, sondern einen lösungsorientierten Ansatz verfolgt. Die Redaktion der Mittelstandsinitiative der HSH Nordbank ‚Unternehmer Positionen Nord‘ war auf der zweiten Auftaktveranstaltung in Bremen in der Havanna Lounge des Börsenhofs für Sie erneut dabei.

GES Bremen

Diskutierten mit Leidenschaft (v.l.n.r.): Dr. Volker H. Redder, Reinhard Cordes, Prof. Dennis J. Snower, Christoph Sodemann, Christoph Raitelhuber, Dr. Thomas Ostendorf (Foto: Winnie Schmitz)

Stellen Sie sich eine Gesellschaft vor, in der Diebstahl keiner Strafe unterliegt. Viele Menschen würden sich mit der Zeit mit diesem Zustand möglicherweise arrangieren, manche mit Sicherheitsfirmen oder anderen Geschäftsideen Profit daraus schlagen. Führt man dann eine Strafe für Diebstahl ein, wären vermutlich Proteste zu erwarten und die Durchsetzbarkeit würde angezweifelt. Sollte man daher auf diese Maßnahme verzichten?

Mit dieser rhetorischen Frage konfrontierte Dennis Snower, Präsident des IfW, die Besucher der zweiten GES-Auftaktveranstaltung in Bremen, als es um die Frage ging, wie sinnvoll Regeln und Sanktionen für die Haushaltspolitik von Euro-Mitgliedsstaaten sind.

Krise der Fiskalpolitik, der Finanzwirtschaft und der Geldpolitik

Die Eurokrise hat bei der Podiumsdiskussion, an der neben Snower auch Geschäftsführer Reinhard Cordes von der Frerichs Glas GmbH, Vorstand Christoph Raithelhuber vom Bankhaus Neelmeyer und Chefvolkswirt Thomas Ostendorf von der Oldenburgischen Landesbank teilnahmen, erneut einen breiten Raum eingenommen. Aber auch die Themen Energiewende und Vermögenssteuer wurden leidenschaftlich diskutiert.

Durch Wetter und die angeregte Diskussion erhöhte Temperaturen – passend zur Havanna Lounge – legte Snower seine Sichtweise zur Eurokrise dar: Diese sei eine Krise der Fiskalpolitik, der Finanzwirtschaft und der Geldpolitik. Entsprechend müsse an diesen Stellen angesetzt werden. In der Fiskalpolitik setzt der Präsident des IfW auf Regeln, der Bankensektor müsse durch mehr Eigenkapital und eine Bankenunion gestärkt werden und die Geldpolitik müsse aus den Fehlern der Vergangenheit (Stichwort: zu lange zu niedrige Zinsen) lernen.

Hurra, wir leben noch

Der Chefvolkswirt der Oldenburgischen Landesbank, Ostendorf, verwies auf die Fortschritte bei der Lösung der Eurokrise. Schwarzmaler wie FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, die nach dem Ausbruch der Finanzmarktkrise den Zusammenbruch des gesamten Wirtschaftssystems vorhergesagt hätten, könne man mit Verweis auf die derzeit gute Lage in Deutschland Lügen strafen. Es sei insofern unnötig gewesen, sich Goldbarren und Lebensmittelkonserven in den Keller zu legen. Die Katastrophe sei ausgeblieben.

Gedämpfte Stimmung bei Unternehmern

Reinhard Cordes von der Frerichs GmbH war da etwas vorsichtiger. Die Stimmung bei den Unternehmern sei gedämpft. Investitionsentscheidungen stünden auf „on hold“. Diese spürbare Zurückhaltung hänge allerdings auch mit der Bundestagswahl und der drohenden höheren Besteuerung von Vermögen und Gewinnen zusammen. Laut einer jüngst durchgeführten Umfrage unter Familienunternehmern wollten 37% der Befragten ihre Investitionen um die Hälfte zurückfahren.

In diesem Zusammenhang verwies Cordes auf eine Kampagne, die nunmehr von dem Verband der Familienunternehmer gegen die Besteuerung von Vermögen gestartet worden ist. Auf allen Kanälen sei man jetzt aktiv. In dieser Frage herrschte unter den Diskutanten nahezu Konsens: Substanzbesteuerung behindert Investitionen und damit auch das Wirtschaftswachstum. Angesichts der demografischen Probleme und dem notwendigen Schuldenabbau könne sich Deutschland das nicht leisten.

Vermögenssteuer verschärft Konflikt zwischen arm und reich

Interessanterweise vertrat Christoph Reithelhuber vom Bankhaus Neelmeyer eine andere Ansicht: Er habe in der Schweiz gelebt und dort eine relativ hohe Vermögenssteuer gezahlt. Das habe er durchaus gerne getan, denn die Gesamtsteuerbelastung sei aufgrund der niedrigen Einkommenssteuersätze immer noch moderat ausgefallen. Letztlich komme es auf die gesamte Steuerbelastung an.

Snower verwies noch auf einen anderen Aspekt: So erwarte er, dass die Einführung einer Vermögenssteuer die Probleme des sozialen Zusammenhalts eher verschärfe als abmildere. Der Konflikt zwischen Reich und Arm werde durch diese Steuer besonders betont. Auf einem anderen Blatt stünden dann noch die Probleme der Mehrfachbesteuerung, die Ausweichbewegungen sowie die Verwaltungsausgaben

Familienunternehmer bietet Lösungsbeitrag für Energiewende an

Einen Konsens gab es auch bei dem grundsätzlichen Ziel, verstärkt Strom von konventionellen auf erneuerbare Quellen umzustellen. Über den Weg dahin konnte man sich aber nicht einigen. Herr Cordes stellte fest, dass bei seinem Treffen mit Umweltminister Peter Altmeier sogar dieser keine genaue Vorstellung davon habe, wie das Ziel erreicht werden könne, bis zum Jahr 2020 den Anteil der erneuerbaren Energien von derzeit 25 Prozent auf 35 Prozent zu erhöhen. Snower hatte drei Lösungsansätze zu bieten: den massiven Ausbau der Netze, Investitionen in intelligente die Effizienz erhöhende Netze sowie gleichzeitig die Rahmenbedingungen für dezentrale Stromerzeugung fördern.

Hier schaltete sich Herr Cordes“ in die Diskussion ein. Er wolle wahrhaftig keine Werbung für sein Unternehmen machen, aber er werde auf dem GES am 1. und 2. Oktober eine Produktinnovation präsentieren. Und zwar sei ihm vor einem Jahr eine Technologie vorgestellt worden, um Fenster zu produzieren, die Energie erzeugen und dabei 70% weniger Silizium benötigten als herkömmliche Photovoltaik-Anlagen. Brasilien interessiere sich beispielsweise sehr stark für diese Möglichkeit, da auf diese Weise Schulen auf dem Land dezentral mit Energie versorgt und die Klimaanlagen betrieben werden könnten. Studien hätten ergeben, dass die Kinder bei Temperaturen von häufig über 40°C erheblich geringere Bildungschancen haben als Kinder, die bei „normalen“ Temperaturen Unterricht haben. Für die GES ist dies ein wunderbares Beispiel dafür, wie lokale Probleme mit Hilfe eines international tätigen Unternehmens gelöst werden können. Wir sind gespannt auf die Lösungen für die gesellschaftlichen Aufgaben, die Anfang Oktober beim GES in Kiel angeboten werden.