SUCHE

Serienteil 2

Professionalisierung der familiären Geldverwaltung

23.05.2013

Sind die Ziele der Anlagepolitik definiert, beginnt die Praxisphase der Verwaltung von Familienvermögen. Vielfach treten dabei Fehler auf, die mit vergleichsweise einfachen Regeln zu vermeiden sind.

Schienen

Weichenstellung: Wie Berater und ihre Kunden vertrauensvoll zusammenarbeiten, hängt von vielen Faktoren ab. (Foto: picture alliance / Wolfram Steinberg)

Sind eine geeignete Infrastruktur für die familiäre Vermögensverwaltung und die organisatorischen Grundlagen geschaffen, steht die Entscheidung über konkrete Investitionen an. Ein disziplinierter Anlageprozess unter den Aspekten Rendite, Sicherheit, Liquidität und Steuern wird geplant.
Die Gestaltung der Vermögensbetreuung sollte auf keinen Fall ausschließlich externen Beratern übertragen werden. Nur wenn der Vermögende die Planung selbst mit erarbeitet, vermeidet er Lehrgeld.

Als Ausgangsbasis wird eine Erfassung und Darstellung der IST-Situation durchgeführt. Die Bestandsaufnahme erfasst alle Vermögenswerte, Verbindlichkeiten sowie Eventualforderungen (z.B. Bürgschaften) . Eine präzise Definition der Risikoneigung ist dem Kunden zu empfehlen. Die von Finanzdienstleistern vorgenommene Einordnung in Mustergruppen (konservativ, moderat risikobewusst, risikoaffin) ist zu grob gerastert und sollte vermieden werden.

Keine Anlagepolitik ohne "Notgroschen"

Um die  Risikoneigung für einen Vermögensinhaber „erlebbarer“ zu machen, ist die Teilung des Vermögens in mehrere ideelle Bestandteile hilfreich. So kann eine definierte Summe als „Notgroschen“ dienen. Dieses Vermögen wird konservativ investiert.

Eine weitere denkbare Variante sind Portfolien mit aggressiven Renditezielen für unternehmerische Beteiligungen. Die Anlagepolitik dieser gedanklich abgetrennten Bestandteile unterscheidet sich im Regelfall deutlich. Zusammengefasst ergeben sie  eine individuell zugeschnittene Vermögensstruktur.

Die Festlegung der Asset Allocation, der Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen, ist der nächste Schritt. Ziel ist, durch Kombination unterschiedlicher Anlagekategorien das Portfolio so zu diversifizieren, dass dieses ein niedrigeres Risiko aufweist als die Einzelanlagen. Wissenschaftliche Studien  belegen, dass der wichtigste Einflussfaktor für die Performance die strategische Asset Allocation ist. Einzeltitelauswahl und Timing machen nur ca. acht Prozent des Anlageerfolgs aus. Die Wahl der Anlagestrategie ist daher entscheidend für einen langfristigen Erfolg.

Fungibilität beim Risiko-Mix bedenken

Eine Streuung auf verschiedene Anlageklassen nützt wenig, wenn die Wertentwicklung dieser Klassen tendenziell gleichlaufend ist. Viele Vermögensverwalter haben ein eingeschränktes Anlageuniversum und investieren in Anlageklassen wie Aktien, Renten, Liquidität sowie derivative Finanzinstrumente. Die gewünschte Risikominimierung wird dadurch kaum erreicht. Erst durch die Investition in börsenferne Anlageklassen, die weniger reguliert und teilweise illiquide sind sowie hohe Mindestinvestitionen erfordern, kann eine effektive Risikostreuung erreicht werden. Beispiele sind: landwirtschaftliche Flächen, Private Equity, Wasserrechte, Energie- und Infrastrukturinvestments, Immobilienerstellungsprojekte, Patente oder Rohstoffe.

Der nicht zu unterschätzende Nachteil der fehlenden Fungibilität dieser Anlageklassen kann bei respektablen Vermögensgrößen durch eine leistungsfähige Liquiditätssteuerung, eine ausreichende Investitionsquote in liquide Assets und den generationsübergreifenden Anlagehorizont ausgeglichen werden.

Berücksichtigt der Vermögensinhaber diese Faktoren, kann eine strategische Verteilung  des Vermögens auf die unterschiedlichen Anlageklassen vorgenommen werden. Meist kann nicht in alle Anlageklassen zu einem beliebigen Zeitpunkt X investiert werden. Der Aufbau eines Portfolios benötigt Zeit, um die  angestrebte  Qualität zu erreichen. Stehen die Struktur und Verteilung des Vermögens fest, ist der steuerlich und rechtlich optimale Rahmen zu finden.

Stephan Buchwald
Geschäftsführender Gesellschafter
Kontora Family Office GmbH

Lesen Sie am 7. Juni im dritten Teil unserer Serie "Vermögen nach dem Firmenverkauf verwalten": Mandatierung von Vermögensmanagern.

Nach oben