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03.05.2013

Die EZB hat den Leitzins wie erwartet gesenkt. Mario Draghi scheint aber mit seinem Latein am Ende zu sein. Bund-Renditen sinken liquiditätsgetrieben weiter.

EZB-Präsident Mario Draghi

EZB-Präsident Mario Draghi scheint mit seinem Latein am Ende zu sein. (Foto:picture alliance / dpa)

EZB-Chef Mario Draghi hat geliefert, was die Märkte erwartet haben: Eine Leitzinssenkung um 25 Basispunkte auf 0,5%. Auch weitere Zinssenkungen schloss Draghi nicht aus. Dass dies einen negativen Einlagenzins mit unbeabsichtigten Konsequenzen zur Folge haben könnte, sei ihm bewusst. Dennoch werde darüber diskutiert. Richtigerweise betonte der Notenbankchef, dass es an den Regierungen sei, bei den Reformen nicht nachzulassen und die Austeritätspläne mehr in Richtung Ausgabenkürzungen und weniger in Richtung Steuererhöhungen zu denken. Insgesamt konnte Draghi kaum verbergen, dass er mehr oder weniger mit seinem Latein am Ende ist, meint Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

In den vergangenen Tagen sanken die Renditen der Bunds im zehnjährigen Bereich zeitweise unter 1,20%. Aus Sicht von de la Rubia ist es eine Kombination von klassischen Argumenten und globaler Liquidität, die sich ihren Weg in alle Assetklassen bahnt. Die niedrigere Inflation und die schwachen Wachstumsdaten aus Europa, USA und Asien sind die Auslöser für die erneute Rallye der Staatsanleihen. Da spielt die Zinssenkung durch die EZB nur eine Nebenrolle. Das derzeitige Bund-Renditeniveau, das vor einem Jahr noch mit Panik gleichgesetzt worden wäre, hängt nach Meinung von de la Rubia vor allem mit dem Liquiditätsballon zusammen, der allein von der Fed und der japanischen Notenbank jeden Monat um 160 Mrd. USD aufgepumpt wird. Jeder weiß, dass die Hülle dieses Ballons nicht unendlich dehnbar ist.

Schwache vorlaufende Indikatoren schüren Spekulationen auf Zinssenkung der EZB. Auch in den USA stockt der Konjunkturmotor. Weder die Renditen der zehnjährigen Bunds noch der US-Treasuries haben momentan größeres Anstiegspotenzial.

Die konjunkturelle Lage in der Eurozone hat sich weiter eingetrübt. Die insgesamt überraschend schwachen PMI’s und der rückläufige Ifo-Geschäftsklimaindex machen die Hoffnung zu Nichte, dass es noch im Frühjahr zu einer Belebung der Wirtschaft kommen wird. Dennoch ist die Nachfrage nach den Anleihen der Peripherieanleihen ungebrochen. Angesichts der überreichlichen Liquidität (aus Japan) wird momentan über die Vielzahl von Problemen der Eurozone hinweggesehen, wie die Verfehlung der Schuldenziele. Im diesem Umfeld sind die Renditen der Bundesanleihen auf ihrem niedrigen Zinsniveau knapp über 1,2% geblieben. Das Highlight der kommenden Feiertagswoche ist die EZB-Sitzung am Donnerstag. Die gesunkenen vorlaufenden Indikatoren haben die Spekulationen auf eine Senkung des Leitzinses geschürt. Darüber hinaus mehren sich auch innerhalb der EZB die Befürworter eines Zinsschrittes, ggf. um 25 Basispunkte auf 0,5%. Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank, geht allerdings von keiner weiteren Zinssenkung aus. Sie wäre aus seiner Sicht wenig hilfreich, weil sie die Lage in den Peripherieländern nicht verbessern würde. Deren Hauptproblem ist die Versorgung der Unternehmen mit Krediten. Hier sind die Politiker gefragt und nicht die Notenbanker. In diesem Umfeld wird es die Rendite der zehnjährigen Bunds schwer haben, sich nach oben abzusetzen.

In den USA stockt ebenfalls der Konjunkturmotor. Viel wird davon abhängen, ob der Haushaltsstreit bald beigelegt wird. Ansonsten werden die automatischen Ausgabenkürzungen dazu beitragen, der Konjunktur noch mehr Wind aus den Segeln zu nehmen. Infolgedessen rechnet HSH Nordbank Analyst Stefan Gäde in den nächsten Wochen kaum mit steigenden Treasury-Renditen.