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Pressefokus
21.05.2013

„In der Firma steckt oft viel Privatvermögen“, sagt Bernhard Simon, Chef des Logistikunternehmens Dachser. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) erklärt er, wie sein Unternehmen an zusätzliches Kapital kommt.

Modell eines Dachser-LKW

Modell eines Dachser-LKWs: Das Logistikunternehmen setzt auch in Zukunft auf eine hohe Eigenkapitalquote. (Foto: picture alliance / ZB)

Dachser habe „immer sehr gute Erfahrungen“ mit Banken gemacht, so Bernhard Simon. Ein Grund sei die vergleichsweise hohe Eigenkapitalquote des Logistikers von 40 Prozent: „Erst kürzlich haben wir als Geschäftsführung mit dem Verwaltungsrat beschlossen, dass wir diese Quote im Durchschnitt auf jeden Fall halten wollen.“ Eine solide Bilanz, gute Rendite und transparente Kommunikation seien die beste Versicherung, mit Kreditwünschen nicht im Regen stehen gelassen zu werden, sagt Simon zur SZ. Im deutschen Mittelstand seien die Eigenkapitalquoten signifikant gestiegen – immer mehr Firmen „besinnen sich auf die guten, alten Kaufmannstugenden“, meint Simon. In der gesamten deutschen Wirtschaft sollen sich die Finanzierungsbedingungen entspannt haben. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) hervor, von der die Rhein-Zeitung berichtet. Danach zeigten sich 85 Prozent der Unternehmen zufrieden mit dem Zugang zu Fremdkapital. Für einzelne Branchen stellten sich die Finanzierungschancen allerdings unterschiedlich dar. So bewerteten nur noch 78 Prozent der Handelsunternehmen ihre Finanzierungssituation als befriedigend – ein Wert, der laut Rhein-Zeitung deutlich unter dem Durchschnitt aller Wirtschaftszweige in der Bundesrepublik liegt.

Unternehmen sollten Finanzen früher planen

Um mögliche Finanzierungslücken rechtzeitig aufzudecken und an Kredite zu kommen, ist eine solide Finanzplanung nötig, so die Schlussfolgerung eines weiteren Artikels in der SZ. In der Praxis werde eine solche Planung aber oft vernachlässigt. „Im Mittelstand ist die Finanzplanung kein übergeordnetes Thema, sondern lediglich eine Art Abfallprodukt der allgemeinen Unternehmensplanung“, sagt Dr. Patrick Ulrich, Projektleiter am Mittelstandsinstitut der Universität Bamberg. Der Studie „Finanzierung im Mittelstand“ zufolge, die Ulrich gemeinsam mit der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte erstellt hat, werde die Finanzplanung in deutschen Firmen erst dann ein Thema, wenn die Themen Produktion, Personal und Investitionen abgearbeitet seien. Dabei wäre es besser, finanzielle Aspekte bereits in die Planung einzubeziehen: „Die Entscheidung über einen Ankauf von Maschinen oder Waren kann heute nur unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Finanzierung getroffen werden“, erklärt Björn Stubinger, Leiter Corporate Finance der Beratungsgesellschaft Rödl & Partner. „Finanzmanagement birgt Optimierungspotenziale“, berichtet der Industrieanzeiger mit Blick auf dieselbe Studie und nennt als weiteres Ergebnis: Mittelständler würden bisher kaum oder nur wenig Gebrauch von Finanzierungsalternativen machen. Die Firmen setzten überwiegend auf Innenfinanzierung und langfristige Kredite. Diese sollten laut Jürgen Reker, Partner bei Deloitte, auf Passgenauigkeit mit den strategischen Unternehmens- und Finanzierungszielen überprüft und gegebenenfalls nachjustiert werden.

Passgenaue Finanzierungen

Zum Bankkredit gibt es viele Alternativen. Von den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Finanzierungsformen und darüber, welche zu Mittelständlern passen, berichtet die WirtschaftsWoche. Bei Unternehmen längst etabliert sei das Leasing von Maschinen. Den Vorteil dieser Finanzierung erklärt Martin Vosseler, Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Leasingunternehmen: „Leasingverträge tauchen als laufende Kosten nur in der Gewinn- und Verlustrechnung des Unternehmens auf, nicht aber in der Bilanz.“ Somit bleibe die Eigenkapitalquote unangetastet, was wiederum die Chance erhöhe, an neue Bankkredite zu kommen. Für schnelle Liquidität eignet sich laut WirtschaftsWoche auch das Factoring. Dabei verkauften Unternehmen ihre Forderung gegenüber einem Kunden an einen sogenannten Factorer. Dieser bezahle das Unternehmen sofort und treibe anschließend die Rechnungen bei den Kunden ein. Vor allem Handelsunternehmen, Dienstleister und Maschinenbauer nutzen diese Finanzierungsalternative, so die WirtschaftsWoche. 2012 sei die Zahl der Factoringnutzer in Deutschland auf 17.100 gestiegen – 17 Prozent mehr als im Vorjahr.

Zu Kreditalternativen informiert auch ein Handelsblatt-Special – zum Beispiel über die sogenannten Borrowing-Base-Finanzierungen. „Das sind Betriebsmittelkredite, bei denen das Umlaufvermögen, also Vorräte und Kundenforderungen, als Sicherheit dienen“, berichtet die Zeitung und zitiert Michael Toll, Manager Financial Engineering bei der Commerzbank: „Das Besondere an diesem Finanzinstrument ist, dass es sich dem Betriebsmittelbedarf des Unternehmens anpasst.“ Die besicherten Betriebsmittelkredite seien für Unternehmen interessant, bei denen Wachstum und große Umsatzschwankungen zum Geschäft gehörten.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate April und Mai (beobachteter Zeitraum: 19. April 2013 bis 17. Mai 2013) wurden insgesamt sechs Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Handelsblatt, Industrieanzeiger, Rhein-Zeitung, Süddeutsche Zeitung, WirtschaftsWoche.

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