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Pressefokus
03.05.2013

Die deutsche Wirtschaft dürfte im Jahr 2013 einen Außenhandelsüberschuss von 212 Milliarden Euro erzielen – und damit weniger zum Wirtschaftswachstum beitragen als in den vergangenen Jahren. Zu einer bundesweiten Wachstumsbremse könnte das Parteiprogramm der Grünen werden.

Jürgen Trittin

Auf dem Grünen-Parteitag: Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt wollen Unternehmer mit höheren Steuern belasten. (Foto: picture alliance / dpa)

„Vom konjunkturellen Frühling ist im Außenhandel noch nichts zu spüren“, sagt Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). Er erwartet, so ein Bericht der Tageszeitung Die WELT, dass Geschäfte deutscher Unternehmen mit dem Ausland in diesem Jahr nur um drei statt wie erwartet um fünf Prozent zulegen. Verantwortlich für das überraschend schwache Exportgeschäft sei ganz besonders die Eurokrise. Das scheint auch im Norden Deutschlands der Fall zu sein: „Die Eurokrise und Sorgen um ihre finanzielle Zukunftsabsicherung bremsen niedersächsische Mittelständler bei Wachstumsinvestitionen aus“, berichtet die Neue Presse aus Hannover. Und die Kieler Nachrichten zitieren aus einer Commerzbank-Studie, nach der vier von fünf mittelständische Unternehmen in Schleswig-Holstein ihre Internationalisierungspläne wegen der schwachen Konjunktur im Euroraum zurückstellen.

Mittelstand kann im Ausland punkten

Außerhalb Europas jedoch können sich Investitionen lohnen, meint Thomas Harms, Wirtschaftsexperte der Unternehmensberatung Ernst & Young. „Die meisten Unternehmen in Deutschland verzeichnen Umsatzzuwächse – dem nach wie vor starken Export ins außereuropäische Ausland sei Dank“, sagte er gegenüber dem Magazin FOCUS-Money. Insgesamt machten die 100 größten Unternehmen in Deutschland durchschnittlich 60 Prozent ihrer Umsätze in der Fremde, so das Magazin. Neben Dax-Kolossen wie Daimler, BMW, Volkswagen, Siemens, Bayer und BASF wagten sich auch immer mehr Mittelständler nach Übersee. In den USA beispielsweise erhofften sie sich neben Kostenvorteilen auch einen direkten Zugang zum amerikanischen Markt. Deutsche Firmen könnten im Ausland außerdem mit dem Label „Made in Germany“ punkten. Laut FOCUS-Money ein „Gütesiegel erster Klasse, das mit der dahinterstehenden Qualität der Produkte wesentlich zum Exporterfolg deutscher Produkte beiträgt“.

Deutsche Ingenieurskunst ist im Ausland gefragt, berichtet auch das Magazin ZEIT Campus. „Im Maschinenbau etwa gibt es viele Mittelständler, die für eine Spezialmaschine Weltmarktführer sind. Die machen 80 bis 90 Prozent ihres Umsatzes im Ausland“, sagt Dirk Holtbrügger, Professor für Internationales Management an der Universität Erlangen-Nürnberg. Für den Kosmetik- und Arzneimittelhersteller Dr. Wolff beispielsweise ist Asien ein wichtiger Markt, so die Süddeutsche Zeitung. Der Firmenchef Eduard Dörrenberg sehe dort die größten Wachstumschancen. Hauptumsatzbringer für das mehr als 100 Jahre alte Unternehmen mit Sitz in Bielefeld ist die Haarpflegemarke Alpecin. Ab September sollen die auch künftig ausschließlich in Bielefeld hergestellten Produkte in Asien verkauft werden.

Steuerdebatte vor der Bundestagswahl

„Ein Gespenst geht um im Mittelstand“, titelt das Handelsblatt anlässlich der Berliner Familienunternehmer-Tage. Die große Unsicherheit über eine Vermögenssteuer – geplant von der Partei Die Grünen – bremse Investitionen, gefährde Arbeitsplätze und schmälere das künftige Eigenkapital. Das Wahlprogramm der beiden Spitzenkandidaten Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckhardt lese sich wie ein Generalangriff auf den Mittelstand, so das Handelsblatt in einem weiteren Bericht: höherer Spitzensteuersatz, Vermögensabgabe, steigende Erbschaftssteuern. Die Wirtschaft sei entsetzt. „Familienunternehmen sind offenbar das neue Feindbild der Grünen“, sagt Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Die Pläne würden eine Steuerbelastung von bis zu 80 Prozent für Erträge von Mittelständlern bedeuten. „Eine solche Umverteilung auf Kosten der Wirtschaft und der Leistungsträger ist schädlich“, meint Ulrich Dietz, Gründer der IT-Firma GFT gegenüber dem Handelsblatt. Und laut Christine Scheel, der früheren grünen Vorsitzenden des Bundesfinanzausschusses, würden gerade Mittelständler, die Eigenkapital gebildet haben, geschwächt. Weil „im Zusammenspiel mit der Vermögensabgabe und höherer Einkommensteuer auf jeden Fall weniger für Investitionen bleibt“.

Ab einem Jahresbruttoeinkommen von 60.000 Euro soll der Spitzensteuersatz nach den Plänen der Grünen von 42 auf 45 Prozent steigen, berichtet die Berliner Zeitung. Auch soll eine auf zehn Jahre befristete Vermögensabgabe Reiche mit 1,5 Prozent belasten und dem Staat 100 Milliarden Euro einbringen. Zusätzlich soll das Erbschaftssteueraufkommen auf 8,6 Milliarden Euro im Jahr verdoppelt und das Ehegattensplitting abgeschmolzen werden. „Wir wollen die Entlastung von Millionen statt der Entlastung von Millionären“, argumentiert Jürgen Trittin auf dem Parteitag der Grünen. Der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, warnt hingegen vor übertriebenen Steuererhöhungen und einer zu hohen Belastung des Mittelstands. Daniel Wesener, Grünen-Chef in der Bundeshauptstadt, sagt dazu in einem Interview mit der Berliner Morgenpost: „Die Debatte um unser Steuerkonzept ist eine Phantomdiskussion. Fakt ist, dass wir über 90 Prozent der Einkommensteuerzahler entlasten wollen. Zusätzlich belastet werden nur diejenigen, die man mit Fug und Recht als Superreiche bezeichnen kann.“ Das seien keine armen Leute oder die Mittelschicht, sondern ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung. Die Grünen wollten auch ausdrücklich keine Substanzbesteuerung von Unternehmen, sondern sähen bei Betriebsvermögen einen hohen Freibetrag vor.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat April (beobachteter Zeitraum: 5. April bis 2. Mai 2013) wurden insgesamt zehn Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Berliner Morgenpost, Berliner Zeitung, Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung, Die WELT, Kieler Nachrichten, Neue Presse, ZEIT Campus, FOCUS-Money.