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Pressefokus Mittelstand
08.04.2013

Jeder zweite Chinese findet deutsche Firmen arrogant, berichtet das Handelsblatt. Einer Umfrage der Unternehmensberatung Staufen AG zufolge meinen 84 Prozent der chinesischen Kunden, deutsche Anbieter sollten im Service besser werden. Die Asiaten schätzen unsere Tugenden, sagt hingegen Heinrich von Pierer, langjähriger Chef des Technologiekonzerns Siemens.

Auf der Mercedes-Benz Fashionshow in Peking

Auf der Mercedes-Benz Fashionshow in Peking: Für Chinas wachsende Mittelschicht sind deutsche Produkte ein teures Statussymbol. (Foto: picture alliance / dpa)

Zwei Drittel der von Staufen befragten Chinesen halten deutsche Produkte außerdem für zu teuer, so das Handelsblatt. Und nur knapp jeder Zweite in der Volksrepublik attestiere deutschen Anbietern ein modernes Image. „Diese Zahlen sollten deutschen Unternehmen zu denken geben“, sagt Markus Franz, Geschäftsführer der Staufen AG in Shanghai. „Es gilt für die Firmen, stärker als bisher auf die Bedürfnisse der chinesischen Kunden Rücksicht zu nehmen.“ Konkret heiße das beispielsweise für Maschinenbauer: „Ihre Kunden benötigen oft nicht Premium-Produkte höchster deutscher Ingenieurskunst, sondern Maschinen, die zielgenau ihren Bedürfnissen entsprechen.“ „Das sind häufig moderne Fertigungsanlagen in Basisausstattung, die etwas günstiger in der Anschaffung, vor allem aber leichter von den chinesischen Mitarbeitern zu bedienen und zu warten sind.“

Deutschland ist als Arbeitsort unbeliebt

Heinrich von Pierer hat keine Bange um den Ruf der deutschen Industrie in ganz Asien. „Die Asiaten schätzen unsere deutschen Tugenden, wie Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, technische Brillanz, Qualität und anderes mehr“, sagt er im Interview mit der Bayerischen Rundschau. Wenn Chinesen an Deutschland dächten, dann falle den meisten die deutsche Ingenieurkunst ein, so der Tagesspiegel. Doch Deutschland als Arbeitsort, das käme für chinesische Akademiker kaum infrage. Nach Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung waren unter den 25.000 hoch qualifizierten Einwanderern, die 2011 von außerhalb der Europäischen Union (EU) sowie der europäischen Freihandelszone EFTA nach Deutschland kamen, lediglich rund 2.000 chinesische Staatsbürger. Dabei sollten wegen des Fachkräftemangels in Deutschland auch chinesische Akademiker in Betracht kommen, wenn es um unbesetzte Stellen zum Beispiel im Ingenieurwesen ginge.

Beim Automobilzulieferer Webasto sind immer wieder auch chinesische Mitarbeiter im Betrieb, berichtet der Vorstandsvorsitzende Holger Engelmann im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. „Ziel ist, eine gute internationale Mischung hinzubekommen, um ein gemeinsames Verständnis für das Produkt […] zu entwickeln“, so Engelmann.

Das Land der ungenutzten Ideen

Bloßes Ideensammeln reicht nicht, um innovativ zu sein, stellt das Onlinemedium des manager magazins fest. Eine umfassende Erhebung des Instituts für Technologie- und Innovationsmanagement der Philipps-Universität Marburg habe ergeben, dass die überwiegende Mehrheit der befragten Unternehmen zwar einen systematischen Umgang mit den Ideen ihrer Mitarbeiter pflegt. Viele Potenziale würden aber nicht ausgeschöpft. So reduzierten die meisten Unternehmen das Ideenmanagement auf das passive Sammeln von Vorschlägen. Beim Großteil der Unternehmen fehle die Kopplung an Systeme zum Managen von Innovationen, Qualität oder Wissen. „Dieses Ergebnis überrascht“, sagt Michael Stephan, Professor für Technologie- und Innovationsmanagement in Marburg. Schließlich sei die Einrichtung solcher Schnittstellen mit geringem Mehraufwand realisierbar, der Nutzen hingegen groß.

Auch die Innovationskraft differiere stark zwischen den Ländern Europas, berichtet die Frankfurter Rundschau. Seit Ausbruch der Wirtschafts- und Finanzkrise weise die EU ein immer deutlicheres Nord-Süd-Gefälle auf. Im neuen Innovationsleistungsindex, den die EU-Kommission jüngst vorstellte, führten Schweden, Deutschland, Dänemark, Finnland und die Niederlande die Liste der innovativsten EU-Länder an. In Deutschland habe sich vor allem die Zusammenarbeit zwischen innovativen Mittelständlern verbessert, stellt das Handelsblatt zu dem Thema fest und zitiert Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP): „Dieser Spitzenplatz zeigt, dass unsere Unternehmen auf dem richtigen Weg sind.“ Griechenland, Zypern, Spanien, Portugal und Italien belegen laut dem Bericht der Frankfurter Rundschau die hintersten Plätze. Der allmähliche Aufholprozess der Südländer, der in den Jahren vor 2008 verzeichnet worden war, habe damit ein Ende gefunden, so die Frankfurter Rundschau. Dafür konnte die EU den Innovationsabstand zu den USA und Japan seit 2008 insgesamt halbieren.

Mitarbeiter an die Firma binden

Unternehmen schaffen wenig Anreize für treue Mitarbeiter, titelt ZEIT Online auf Basis des HR-Reports 2012/2013, den das Institut für Beschäftigung und Employability im Auftrag des Personaldienstleisters Hay AG erstellte. Geschäftsführer behaupteten zwar gern, die Bindung der Mitarbeiter ans Unternehmen sei ihnen wichtig. Doch tatsächlich täten sie bislang wenig dafür, so ZEIT Online. Diese Kluft zwischen Anspruch und Handeln zeige, so die Autoren des HR-Reports, „dass Unternehmen noch einen hohen Nachholbedarf […] haben.“ Man könne dies allerdings auch dadurch erklären, dass der tatsächliche Handlungsdruck eben noch längst nicht so groß sei, wie das alltägliche Gerede vom Fachkräftemangel suggeriere. Von der Kritik der Autoren ausgenommen sind laut ZEIT Online die flexiblen Arbeitszeitmodelle – deren Stellenwert entspreche nahezu dem Grad der Umsetzung.

Das Interesse an Betriebsrenten fällt dagegen gering aus. Die VDI nachrichten berichten aus der Studie „Betriebliche Altersversorgung im Mittelstand“, dass die Zahl der Beschäftigten mit Betriebsrenten binnen Jahresfrist auf 40,5 Prozent gefallen sei. Besser sehe es in den Chefetagen aus. Im mittleren Management liege der Anteil künftiger Betriebsrentner bei 50 Prozent, im Topmanagement gar bei 62,9 Prozent. Laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist das Betriebssparen eine Alternative zur Betriebsrente. Dabei wird dem Mitarbeiter für das Alter nur die Auszahlung des angesparten Geldes einschließlich einer Garantieverzinsung versprochen. „Alle Dubiositäten der Versicherungslösungen fallen nicht an“, sagt Achim Schreiber, Vorsitzender der Geschäftsführung der Blanco GmbH & Co. KG, eines Herstellers für Küchenspülen, der das Modell seinen Mitarbeitern anbietet. Bei der Ansparlösung sei es egal, wie alt der Mitarbeiter sei oder welchen Geschlechts, wie sich die Sterbewahrscheinlichkeit ändere, wie sich das Zinsniveau oder die Löhne und Gehälter entwickelten. Für den Finanzgeschäftsführer von Blanco, Rüdiger Böhle, ist die damit verbundene Planbarkeit der Geldabflüsse ein großer Vorteil des betriebsinternen Systems.

Finanzierung von Betriebsrenten kommt unter Druck

Die Pensionssysteme des deutschen Mittelstands leiden unter der angespannten Lage auf den Kapitalmärkten, berichtet das Handelsblatt. Berechnungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) zufolge belaufen sich die Pensionsverpflichtungen des Mittelstands auf 24 Milliarden Euro – Tendenz seit Jahren steigend. Nun führe die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank in den kommenden 15 Jahren bei kleinen und mittleren Unternehmen zu einer Deckungslücke von 4,1 Milliarden Euro. Für die Firmen wird das zu einer immer größeren Last, so das Handelsblatt. Denn diese Deckungslücke müsse aus künftigen Gewinnen finanziert werden. „Dies [ergibt] 1,3 Milliarden Euro weniger an Investitionsspielraum beim deutschen Mittelstand“, so die DIHK-Experten.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate März und April (beobachteter Zeitraum: 9. März bis 4. April 2013) wurden insgesamt elf Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung, Der Tagesspiegel, Bayerische Rundschau, ZEIT Online, manager magazin, VDI nachrichten.