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26.03.2013

Der Chefvolkswirt der HSH Nordbank, Dr. Cyrus de la Rubia, erläutert im Gespräch mit UP° Nord die Auswirkungen des Rettungspakets auf Zypern und Europa.

Die Bank of Cyprus wird Kundeneinlagen von über 100.000 Euro zur Rekapitalisierung heranziehen. (Foto: picture alliance / dpa)

In Zypern ist der Staatsbankrott abgewendet. Der ESM (Europäische Stabilitätsmechanismus) stellt Zypern zehn Milliarden Euro zur Verfügung, sieben Milliarden Euro müssen von Zypern selbst aufgebracht werden. Gleichzeitig wird der Finanzsektor dramatisch verkleinert. Die zweitgrößte Bank Zyperns, die Laiki-Bank (rund 20 Milliarden Euro Einlagen per Ende 2011) wird abgewickelt. Die Einlagen unter 100.000 Euro werden an die Bank of Cyprus übertragen und müssen keinerlei Verluste tragen.

Die größte Bank Zyperns, Bank of Cyprus (rund 30 Milliarden Euro Einlagen per Ende 2011) wird die Einlagen von über 100.000 Euro für eine Rekapitalisierung des Instituts heranziehen. Einlagen unter 100.000 Euro bleiben unberührt. Wie groß der Verlust für die Betroffenen Anleger ausfallen wird, hängt vom Kapitalbedarf ab, es könnten aber bis zu 40 Prozent werden.

Was bedeutet das Rettungspaket für Zypern?
Cyrus de la Rubia: Zypern hatte die Wahl zwischen zwei Übeln. Ein Austritt aus der Eurozone hätte Zypern in eine gravierende und nachhaltige Depression geführt. Die jetzt gefundene Lösung dürfte zu einer schweren Rezession führen.

Das heißt, die zyprische Wirtschaft wird schrumpfen.
De la Rubia: Ja, und zwar deutlich. Die massive Restrukturierung des Bankensektors wird mit einer Kreditklemme für Unternehmen vor Ort einhergehen. Wohlhabende Ausländer werden ihr Erspartes künftig in anderen Ländern anlegen. Damit werden auch der Tourismussektor und der Einzelhandel dramatische Einbußen verzeichnen. Der Absturz im Bausektor dürfte sich beschleunigen. Gut möglich, dass Zypern vor diesem Hintergrund noch weitere Hilfsgelder benötigt.

Wie lang wird es dauern, bis sich Zypern wieder erholt hat?
De la Rubia: Zypern hat relativ moderne Verwaltungsstrukturen und wird mittel- bis langfristig wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Das dürfte aber ein paar Jahre dauern, ohne aber das alte Einkommensniveau zu erreichen.

Welche Auswirkungen hat die Zypern-Krise auf Deutschland?
De la Rubia: Bislang keine großen. Zypern hat 800.000 Einwohner und ein Jahres-BIP, das Deutschland in weniger als drei Tagen erwirtschaftet.

Aber der Bankensektor war aufgebläht.
De la Rubia: Stimmt, die Finanzbranche war im Vergleich zum Staatshaushalt sehr groß, aber im europäischen Vergleich sprechen wir über keine sehr bedeutenden Zahlen: Der Bankensektor hatte zuletzt eine Bilanzsumme von 130 Milliarden Euro, was etwa 0,4 Prozent des Bankensektors der Eurozone entspricht.

Dr. Cyrus de la Rubia

Zur Person: Dr. Cyrus de la Rubia ist Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

Also alles halb so schlimm?
De la Rubia: Es gibt keinen Grund, die Lage zu dramatisieren. Aber immun ist die Eurozone gegenüber den Ereignissen in Zypern nicht. Am stärksten betroffen dürfte Griechenland sein. Laut Bank für Internationale Zusammenarbeit hatten griechische Finanzinstitute per Ende September 2012 Kredite von insgesamt 16,4 Milliarden Euro an zyprische Banken ausgereicht. In den nächsten Wochen dürfte sich herausstellen, in welchem Ausmaß für die griechischen Banken neuer Rekapitalisierungsbedarf entsteht. Das könnte die Frage aufwerfen, inwieweit das für Griechenland geschnürte Rettungspaket ausreicht.

Was können deutsche Anleger aus der Krise lernen?
De la Rubia: Zweierlei: Der Einlagensicherungsfonds von 100.000 Euro hat Bestand – trotz der unglücklichen Diskussionen darüber. Und: Die Jagd nach Rendite lohnt sich nicht.

Die aktuellen Zinsprognosen finden Sie in den Rententrends März.