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22.03.2013

Der deutsche Mittelstand steht derzeit solide da. Kleine und mittlere Firmen sind gut finanziert, berichtet das Handelsblatt. Nur der Maschinenbau kann trotz guter Umsätze nicht ganz mithalten.

Mitarbeiter schraubt an einer Maschine

Die Eigenkapitalquote der deutschen Maschinenbauer liegt bei durchschnittlich 30 Prozent. (Foto: picture-alliance / dpa)

Banken müssen wegen Basel III künftig mehr Eigenkapital für Kredite vorhalten, was wiederum höhere Kosten verursachen kann, so das Handelsblatt. „Teurer wird es vor allem für Unternehmen mit schlechtem Rating, unbesicherte Kredite und Kredite mit längeren Laufzeiten“, sagt Rüdiger Rass, Bereichsleiter Mittelstandsfinanzierung der Commerzbank.

Solide Eigenkapitaldecke

Die VDI nachrichten berichten dagegen, dass die deutschen Mittelständler in den vergangenen Jahren nicht nur gut verdient hätten, sie setzten ihre Gewinne auch für die eigene Unabhängigkeit ein. Inzwischen verfüge speziell das verarbeitende Gewerbe über eine solide Basis an Eigenmitteln. Nur der Maschinenbau könne trotz guter Umsatzzahlen nicht ganz mithalten. So habe die Deutsche Bundesbank ermittelt, dass die Eigenkapitalquote der größten deutschen Industriebranche durchschnittlich bei knapp unter 30 Prozent liege. „Das ist im Zehnjahresvergleich ein deutlicher Anstieg“, sagt Josef Trischler, Mitglied der Hauptgeschäftsführung im Maschinen- und Anlagenbauverband VDMA. Wohler wäre ihm jedoch, hätten alle Maschinenbauer die 30er-Marke in der Bilanz geschafft.

Regulierung mit Augenmaß

Mittelständler befürchten, dass ihr Geschäft durch die stärkere Regulierung der Banken belastet wird, berichtet der Tagesspiegel. „Die Banken sind für uns zu einem Risiko geworden“, sagt Ralf Brunkow, bei Nordzucker für die Unternehmensfinanzierung verantwortlich. „Regulierung mit Augenmaß betreiben“, überschreibt die Börsen-Zeitung einen Gastbeitrag von Christian Brand, Präsident des Bundesverbands Öffentlicher Banken (VÖB). Die unter der Bezeichnung Basel III bekannten neuen Eigenkapitalregeln seien in der Sache aber nachvollziehbar.

Eine „Riesengefahr für Unternehmen“ sei vielmehr die geplante Einführung eines Trennbankensystems in Europa, sagt Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbands deutscher Banken und Vorstandssprecher der HSBC Trinkaus & Burkhardt AG. Im Interview mit der Rheinischen Post führt er aus, Hausbankenprinzip und Kreditfinanzierung seien akut gefährdet. „Das ist für die deutsche Wirtschaft eine Riesengefahr, weil die Unternehmen bisher zu 90 Prozent auf Kreditfinanzierung angewiesen sind.“ Neben dem traditionellen Kredit sollten Mittelständler zugleich auch alternative Finanzierungsinstrumente wie beispielsweise Leasing oder Factoring nutzen, rät Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft, im Handelsblatt. Das verringere die Abhängigkeit von der Entwicklung auf den Finanzmärkten. Kleine und mittlere Unternehmen könnten zudem Kostensteigerungen in anderen Bereichen, etwa für Energie und Rohstoffe, ausgleichen.

Alternativen für frisches Kapital

Auch das Wirtschaftsmagazin brand eins berichtet über neue Finanzierungsmöglichkeiten für Mittelständler. Als Beispiel dient ein Hersteller von Schließsystemen, die Firma Beloxx in Wuppertal. Ausgerechnet als Chef Matthias Blunck Aufträge für eine Million Euro von Würth und KarstadtQuelle akquiriert hätte, habe er Material, Produktion und Löhne nicht vorfinanzieren können, berichtet brand eins. Die Lösung war eine Genussrechtsanleihe. Dies sei zwar die teurere Form der Finanzierung, dafür aber aufs Eigenkapital anrechenbar. Firmenchef Blunck muss dafür keine Sicherheiten stellen, haftet auch nicht mit seinem Privatvermögen, bezahlt eine Bearbeitungsgebühr von gut drei Prozent und bekommt eine halbe Million Euro. „Genug, um einen Großeinkauf zu machen und die ersten Aufträge zu bedienen“, sagt Blunck. „Alles Weitere kann ich dann hoffentlich aus meinen Erlösen finanzieren.“

Das Magazin brand eins zitiert auch aus der jüngsten Kreditmarktstudie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young: „Die Unternehmen sind viel zu pessimistisch, was die Strategie der Banken betrifft. Das könnte gefährlich werden, wenn sie – aus Angst, keinen Kredit zu bekommen – wichtige Investitionen verschieben.“ Für die Studie befragt wurden Vorstände und Geschäftsführer von 120 Banken und 550 Firmen. Besonders augenfällig sei, dass knapp ein Viertel der Unternehmen die Kündigung von Kreditlinien erwarte, aber nur drei Prozent der Geldhäuser dies tatsächlich einplanten. Mehr als 40 Prozent der Firmen rechneten damit, keine neuen Darlehen zu bekommen – aber nur 18 Prozent der Banken teilten diese Einschätzung.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat Februar (beobachteter Zeitraum: 21. Februar 2012 bis 21. März 2013) wurden insgesamt sieben Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Börsen-Zeitung, Handelsblatt, Rheinische Post, Tagesspiegel, brand eins, VDI nachrichten.