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22.02.2013
Cortège – Umzug der Fasnachtsgesellschaften: Wegen Basel III könnten dem Mittelstand künftig pro Jahr zehn Milliarden Euro in der Kreditversorgung fehlen. (Foto: picture alliance / dpa)

Cortège – Umzug der Fasnachtsgesellschaften: Wegen Basel III könnten dem Mittelstand künftig pro Jahr zehn Milliarden Euro in der Kreditversorgung fehlen. (Foto: picture alliance / dpa)

„Kapitalpuffer drohen Banken zu ersticken“, titelt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Mit Basel III müsse der Finanzsektor ein Regulierungspaket in noch nie da gewesenem Umfang bewältigen. Und damit nicht genug, schreibt Christian Brand, Präsident des Bundesverbands Öffentlicher Banken, in einem Namensartikel für die FAZ.

Ergänzend zu den Empfehlungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht möchte die Europäische Union einen sogenannten Kapitalpuffer einführen, um langfristige systemische Risiken zu mindern, so Brand. In der Konsequenz wären die Institute zu einem Abbau des Kreditgeschäfts gezwungen. Es müsse nun eine vertretbare Balance zwischen Stabilitätsaspekten und Geschäftsmöglichkeiten gefunden werden, meint Brand. Eine spezielle deutsche Diskussion über europäische Vorschriften – unter anderem über Basel III – wollen 17 Europaabgeordnete in Brüssel anstoßen, berichten die Westfälischen Nachrichten. Die Abgeordneten haben einen parlamentarischen Kreis für Belange des Mittelstands, den PKM Europe, gegründet. Sie wollen für Europa werben, Kontakte pflegen, Informationen austauschen und sich gegenseitig auf Fallstricke in Brüsseler Plänen für mittelständische Unternehmen in Deutschland hinweisen.

Finanzierungsmix mit Unternehmenszielen abgleichen

Im Mittelstand könnten zehn Milliarden Euro Kapital fehlen, wenn Banken aufgrund verschärften Eigenkapitalvorschriften nach Basel III ihr Kreditvolumen nur um ein Prozent reduzieren müssten. Das rechnet Jürgen Leschke, Banker und Fondsgründer, in der FAZ vor. Daher sollten in Deutschland sowohl die Unternehmen als auch die potenziellen Geldgeber umdenken: Statt nur den klassischen Bankkredit zu suchen, sei es an der Zeit, dass alternative Finanzierungsformen eine größere Rolle einnähmen. Mittelständler machten aber bisher kaum oder nur wenig Gebrauch von Finanzierungsalternativen, berichtet AssCompact, ein Fachmagazin für Risiko- und Kapitalmanagement. Besonders im Fördermittelbereich und bei Unternehmensanleihen zeigten sich „gute Alternativen“, so AssCompact.

Zu viele Geldquellen verderben die Strategie

Einer Einschätzung der Investmentgesellschaft PIMCO zufolge, verschulden sich viele Unternehmen zurzeit in besorgniserregendem Maß. „Dem vielen Geld könnte bald die Zeit ausgehen“, schreibt Bill Groß von PIMCO in einem Gastbeitrag für Euro am Sontag. Bei einem Kreditwachstum von mehreren Billionen Euro pro Jahr könne das reale Wirtschaftswachstum nicht mehr Schritt halten. Mittlerweile fließe daher mehr Geld in Zinszahlungen als in Investitionen.

Ein Unternehmen, das mit Fremdkapital zurzeit verstärkt Firmen kauft und neue Geschäftsbereiche aufbaut, ist laut der Wochenzeitung Euro am Sonntag die KTG Agrar AG. So platzierte das Landwirtschaftsunternehmen kürzlich eine Kapitalerhöhung von 8,5 Millionen Euro und stockte eine bestehende Anleihe um 70 Millionen Euro auf. Gleichzeitig zapfte KTG Agrar den Kapitalmarkt durch den Börsengang der Biogastochter KTG Energie an. Zum Finanzierungskonzept gehörten außerdem vier Anleihen mit einem Volumen von insgesamt 290 Millionen Euro. Auffällig sei jedoch, so die Wochenzeitung, dass die Zinslast von KTG Agrar nun schneller als das Betriebsergebnis steige. Das deute darauf hin, dass die Investitionen ihre Zinsen nicht verdienten – „sicherlich kein gesundes Verhältnis“, meint Euro am Sonntag.

Kombination aus Chance und Sicherheit

Ein Favorit vieler Anlageexperten seien Wandelanleihen, berichtet Euro am Sonntag in einem weiteren Artikel. Die Produkte kombinierten die Chancen des Aktienmarkts mit der Sicherheit von Anleihen. „Investoren kaufen mit einer Wandelanleihe eben nicht nur die fest, aber vergleichsweise niedrig verzinste Schuldverschreibung eines Unternehmens, sondern auch die Option, die Anleihe innerhalb einer bestimmten Frist zu einem festgelegten Verhältnis in Aktien des Emittenten zu tauschen“, erklärt die Wirtschafts- und Finanzzeitung. Als Emittenten kämen die üblichen Verdächtigen infrage, sagt Kurt Fisch, Gründer von Fisch Asset Management: „Unternehmen mit großem Wachstum und viele Unternehmen, die sich in einem Turnaround befinden.“

Schuldscheine boomen

Bei Unternehmen wie bei Investoren beliebt ist auch der Schuldschein, so das Magazin impulse. So besorgten sich etwa der Prüfkonzern Dekra, der Maschinenbauer GEA, aber auch Porsche auf diese Weise frisches Geld. „Zusammen mit vielen Mittelständlern emittierten diese Unternehmen 2012 Schuldscheindarlehen im Wert von insgesamt knapp 14 Milliarden Euro, das ist fast dreimal so viel wie 2010“, berichtet impulse. „Mit einem Schuldscheindarlehen vermeiden wir eine zu große Abhängigkeit von Kernbanken in der Unternehmensfinanzierung“, sagt Gerd Peters, Geschäftsführer Finanzen beim Logistikspezialisten Hoyer.

Für Mittelständler, die zu klein sind, um Anleihen auszugeben, empfiehlt die WirtschaftsWoche, Crowdfunding, also die Schwarmfinanzierung, oder auch Genussrechte. Letztere sind eine Kombination aus Aktien und Anleihen. Das Modell lohne sich auch für Unternehmen, die bloß sechsstellige Summen einsammeln wollten. „Mindestens 400.000 Euro sollten es aber schon sein“, so Gerhard Bach, Geschäftsführer der Unternehmensberatung ChefCoach. Sonst seien die Kosten des Unternehmens unverhältnismäßig hoch. Genussrechte seien vor allem für Unternehmen mit stabilem Geschäftsmodell geeignet, die regional bekannt seien oder über einen treuen Kundenkreis verfügten. Sonst sei es schwierig, genug Interessenten anzulocken.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat Februar (beobachteter Zeitraum: 28. Januar 2012 bis 20. Februar 2013) wurden insgesamt neun Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Westfälische Nachrichten, WirtschaftsWoche, impulse, Euro am Sonntag und AssCompact.