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Pressefokus Mittelstand
09.11.2012

Die norddeutsche Wirtschaft präsentiert sich unterm Strich in guter Verfassung, berichten die Kieler Nachrichten. Das laufende Jahr bewerteten die Unternehmen in Schleswig-Holstein und Hamburg überwiegend positiv. Für 2013 seien die Aussichten aber deutlich eingetrübt. In ganz Deutschland sieht die Prognose ähnlich aus: Die Phase der Erholung nach der Finanzkrise gehe nun zu Ende, meint Claus Niegsch, Volkswirt der DZ-Bank, gegenüber der Börsen-Zeitung.

Mobiltelefone von BenQ-Siemens

Mobiltelefone von BenQ-Siemens wurden bis 2006 in Kamp-Lintfort produziert. Immer mehr Unternehmen verlagern Ihre Produktion aber nach Asien, weil die Personalkosten in Deutschland zu hoch sind. (Foto: picture-alliance/dpa/dpaweb)

Speziell auf das Konsumklima geht das handelsjournal ein: „Wie das Wetter, kühlt auch die Stimmung im deutschen Einzelhandel ab.“ Hingegen ist der Chef des Einzelhandelskonzerns Edeka, Markus Mosa, mit seinen Zahlen derzeit „nicht unzufrieden“, wie er im Interview mit dem Focus sagt. Aber wer zufrieden sei, werde auch schnell bequem, so Mosa. „Wir haben das Ziel […], etwa 400 neue Märkte im Jahr zu eröffnen. Demgegenüber stehen aber viele kleinere Läden, die wir schließen, weil sie nicht mehr zeitgemäß sind.“ Eine Expansion ins Ausland plant der Edeka-Chef nicht.

Unternehmer erleben eine Renaissance

Langfristiges, gesundes Wachstum versus schnelle Gewinne – entdecken Führungskräfte und Eigentümer die Vorzüge der neuen Langsamkeit? Diese Frage stellt das Industriemagazin und lässt unter anderem Johann Risak zu Wort kommen, den „Parade-Industriesanierer Österreichs“. Seiner Meinung nach können Unternehmer nur dann zukunftsorientiert agieren, wenn sie die grundlegend erforderlichen Aufgaben lösen. Die gerne als „unsexy“ diskreditierten konservativen Strategien eigentümergeführter Unternehmen erlebten jetzt eine Renaissance, so das Magazin. „Nicht zuletzt, seit klar wird, dass es vor allem der Mittelstand ist, dem Länder wie Deutschland ihre Resilienz verdanken.“ Für eine neue Leistungskultur im deutschen Mittelstand plädiert Thomas Sattelberger, Personalprofi und Exvorstandsmitglied der Deutschen Telekom. „Wir müssen handeln“, schreibt Sattelberger in einem Gastbeitrag für das manager magazin. „Erstens defensiv mit Ordnungspolitik […], mit Normierungen […] und mit Ächtung von unakzeptablem Managerverhalten; zweitens offensiv mit einer anderen Personal- und Kulturpolitik, einer neuen Form der Führung.“

Produktionsprozesse permanent verbessern

Wie die Unternehmen der Zukunft aussehen sollten, erklärt der Wirtschaftsminister Schleswig-Holsteins, Reinhard Meyer, im Interview mit den Lübecker Nachrichten. „Betriebe, die sich flexibel und innovativ den Veränderungen in unserer Gesellschaft stellen und so ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern.“ Markt- und Branchenveränderungen sollten sie als Chance sehen, neue Produkt-, Service- und Geschäftsmodelle zu entwickeln und entsprechend zu investieren. Konkret wird die Idee in einem Artikel der Zeitschrift brand eins zum Standort Deutschland und der nächsten industriellen Revolution. „Warum werden in Deutschland keine Handys mehr gefertigt?“, fragt Detlef Zühlke, Professor für Produktautomatisierung an der Technischen Universität Kaiserslautern. „Weil der Lebenszyklus der Produkte immer kürzer geworden ist.“ Für den Hersteller habe das zur Folge, dass er den Produktionsprozess nicht längerfristig automatisieren könne, sondern stattdessen auf den flexiblen Menschen angewiesen sei. Doch weil die Personalkosten in Deutschland hoch seien, werde in Asien produziert. Zühlke zieht daraus den Schluss: „Wir brauchen in Deutschland eine völlig andere Automatisierungstechnik.“ Die Fabrik von morgen müsse extrem flexibel sein. Und nur wenn es den Unternehmen gelänge, permanent ihre Produktionstechnik zu verbessern, könne Deutschland sich im harten Wettbewerb mit Niedriglohnländern behaupten.

Die dritte industrielle Revolution proklamieren die Kommissare der Europäischen Union (EU) Günther Oettinger und Antonio Tajani, meldet unter anderem der Wirtschaftskurier. Ihr Ziel soll es sein, den Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der EU-Wertschöpfung von derzeit 16 Prozent bis 2020 auf mindestens 20 Prozent zu erhöhen. Dabei setzt die EU-Kommission insbesondere auf den gewerblichen Mittelstand. Kleine und mittlere Unternehmen würden unter anderem mit Förderkrediten der Europäischen Investitionsbank unterstützt.

Kleinere Unternehmen sollten kooperieren

Zwei Drittel der deutschen Mittelständler produzieren Industriegüter, die in der ganzen Welt Abnehmer finden, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. „Sie sind in den vergangenen Jahren dynamisch gewachsen, haben sehr viele Arbeitsplätze geschaffen und konnten in ganz erheblichem Maße dazu beitragen, dass die Wirtschaftskrise Deutschland bisher nur touchierte, aber nicht mitriss.“ Von immenser Bedeutung für die deutsche Wirtschaft seien die Märkte in Asien oder Südamerika, bemerkt Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) gegenüber der Financial Times Deutschland (FTD). Wenn kleine und mittlere Firmen auch künftig bei großen Infrastrukturprojekten Aufträge erhalten wollten, müssten sie sich mehr als bisher verbünden – notfalls auch mit der Konkurrenz, so Rösler. Tatsächlich täten sich mittelständische Firmen schwer damit, für einzelne Projekte im Ausland mit Mitbewerbern zu kooperieren, schreibt die FTD weiter. „Aber wir müssen leider feststellen, dass gerade die Ausschreibungen für die großen Infrastrukturprojekte in diesen Ländern mehr und mehr auf große Konzerne zugeschnitten sind“, sagt Rösler. „Der deutsche Mittelstand gerät dabei, so hervorragend seine Produkte und Dienstleistungen auch sind, ins Hintertreffen.“

Zur Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate Oktober und November (beobachteter Zeitraum: 15. Oktober bis 8. November 2012) wurden insgesamt 22 Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Börsen-Zeitung, Financial Times Deutschland, Kieler Nachrichten, Lübecker Nachrichten, Focus, manager magazin, brand eins, Industriemagazin, handelsjournal und Wirtschaftskurier.