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Pressefokus
23.11.2012

Unternehmen können die Euro- und Finanzkrise aus eigener Kraft überstehen. Beispielsweise durch höhere Rentabilität und mehr Eigenkapital, so ein Bericht des Handelsblatts. Doch der Blick in die Zukunft werde düsterer: Nur noch knapp die Hälfte der Unternehmen könnten gute Noten für die zukünftige Geschäftslage vergeben.

Der Präsident des Bundesverbands der Industrie, Hans-Peter Keitel, gestikuliert am Rednerpult.

Der Präsident des Bundesverbands der Industrie, Hans-Peter Keitel, spricht auf der Jahrestagung seines Verbands in Berlin. (Foto: Maurizio Gambarini dpa)

Die Kreditkonditionen in Europa werden härter. Das geht aus dem jüngsten „Bank Lending Survey“ der Europäischen Zentralbank hervor, berichtet das Nachrichtenportal Der Treasurer. Im dritten Quartal 2012 sollen sich die Konditionen für Unternehmen um 15 Prozent verschlechtert haben, nachdem sie im zweiten Quartal bereits um zehn Prozent angezogen hatten. „Für das vierte Quartal erwarten die meisten Kreditinstitute eine weitere Verschärfung“, so Der Treasurer. Hauptgrund für die Entwicklung seien die schlechten Aussichten für die Gesamtwirtschaft.

Planungssicherheit für Unternehmen schwindet

Neben den Konjunkturerwartungen belastet auch die Euroschuldenkrise die Geschäftsaussichten: Rund 60 Prozent der vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) befragten Betriebe berichten von einem „negativen Einfluss auf ihr Geschäft“, so die Nachrichtenagentur Reuters. Fast drei Viertel der Firmen klagten auch über schwindende Planungssicherheit wegen der Krise. Eine Kreditklemme gebe es aber nicht. „Die Banken stehen den Familienunternehmen als Finanzierungspartner zur Seite“, erklärt der BDI.

Ein Drittel der deutschen Mittelständler könne allerdings die Auswirkungen der Eurokrise auf die eigene Firma nicht beurteilen. So lautet eine Einschätzung der staatlichen KfW, über die die Börsen-Zeitung berichtet. Für eine weitere Verschärfung der Krise sei der deutsche Mittelstand nicht gewappnet. „Lediglich ein Prozent der Mittelständler hat konkrete Maßnahmen getroffen, um sich darauf vorzubereiten“, sagt KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. „Die schwache Konjunktur trifft jetzt auch den Mittelstand.“

Die Eigenkapitalquote steigt

„Die Widerstandsfähigkeit des Mittelstands gegenüber konjunkturellen Belastungen hat sich […] abermals erhöht“, meint hingegen Andreas Martin, Vorstandsmitglied des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), im Handelsblatt. Die Eigenkapitalausstattung des deutschen Mittelstands habe sich 2011 erneut verbessert. Die durchschnittliche Eigenkapitalquote mittelständischer Firmenkunden sei auf 22,6 Prozent gestiegen – ein Plus von 2,4 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Allerdings scheine sich die Finanzierung grundlegend zu verändern, so das Blatt. Der Meinung ist auch Prof. Dr. Max Otte von der Universität Graz. Auf einer Veranstaltung der Universität Augsburg, von der das Wirtschaftsportal B4B Schwaben berichtet, sagte Otte: Aufgrund der Kredite, die in die sogenannten Krisenstaaten geflossen seien, fehle den Kapitalexportländern das Geld für Investitionen. Dies spüre vor allem auch der Mittelstand, da Unternehmen schwerer an Kredite kämen. Es habe in der Geschichte schon einige Finanz- und Staatskrisen gegeben. Man müsse nun aber die richtigen Maßnahmen ergreifen, um den Wirtschaftsraum Europa wieder konkurrenzfähig zu machen.

Eine solche Maßnahme könnten die Ausnahmeregeln für Unternehmenskredite sein, von der das Handelsblatt berichtet. Parlamentarier der Europäischen Union hätten angeregt, dass Banken für Mittelstandskredite einen Rabatt bekommen könnten, wird Hans-Joachim Massenberg, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bankenverbands BdB, zitiert. Für Kredite von maximal 1,5 Millionen Euro, die an Mittelständler mit höchstens 50 Millionen Euro Umsatz ausgereicht werden, sollen Banken einen Abschlag erhalten. Im Gegenzug sollen die Institute das so gesparte Kapital nutzen, um neue Mittelstandskredite zu vergeben. Ein weiterer Vorschlag, wie die Vergabe von Krediten an Unternehmen unterstützt werden könnte, kommt von Richard Werner, Professor für Bankwesen an der Universität Southampton. „Wenn man die Kapitalanforderungen für verschiedene Arten von Geschäften nach dem Gesichtspunkt der gesamtwirtschaftlichen Nützlichkeit differenzierte, könnten sie immerhin eine positive Lenkungswirkung entfalten“, erklärt Werner im Handelsblatt.

Versicherungen drängen ins Kreditgeschäft

Von einem „Strukturbruch im Finanzgewerbe“ berichtet die Financial Times Deutschland (FTD). Nach Ansicht der Bundesbank sollen die niedrigen Zinsen den europäischen Finanzmarkt dauerhaft verändern. Es könnte zu einer neuen Konkurrenz zwischen Banken und Versicherungen kommen, so die FTD. Etwa bei der Finanzierung von Infrastrukturprojekten oder Immobilien sowie im Firmenkundengeschäft: Laut Bundesbank hätten Versicherer knapp 56 Milliarden Euro als Immobilienkredite verliehen. Weitere 9,5 Milliarden Euro oder 0,8 Prozent der Anlagen sollen auf Unternehmenskredite entfallen. „Wir haben nichts dagegen, dass Versicherer in neue Geschäftsfelder vordringen. Wichtig ist, dass sie ein richtiges Risikomanagement dafür aufbauen“, sagt der für Finanzstabilität zuständige Bundesbankvorstand Andreas Dombret. Das Vorrücken der Versicherer verschärfe in jedem Fall den Wettbewerb und setze die Margen weiter unter Druck.

Nach Ansicht von Roland Kirchhof, Vorstand des Business Angels Netzwerk Deutschland, wird noch zu wenig getan, um notwendiges Eigenkapital für den Nachwuchs zu mobilisieren. „Wir leben noch von der Wirtschaft des 20. Jahrhunderts und versäumen es, die Wirtschaft des 21. Jahrhunderts aufzubauen“, wird Kirchhof vom Handelsblatt zitiert. Vor allem die steuerlichen Rahmenbedingungen hätten sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. Nun plane der Bundesrat auch noch, Streubesitzanteile an Kapitalgesellschaften von unter zehn Prozent zu besteuern. Dies kann sich auch nach Ansicht von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) nachteilig auf die Unternehmensfinanzierung auswirken.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat November (beobachteter Zeitraum: 29. Oktober bis 22. November 2012) wurden insgesamt neun Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Börsen-Zeitung, Handelsblatt, Financial Times Deutschland, Reuters, Der Treasurer, B4B Schwaben.

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