SUCHE

12.10.2012

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Weltwirtschaft sich unterdurchschnittlich entwickeln wird, schätzt der IWF sechs Mal höher ein als das Gegenteil. Die Risiken sind so deutlich sichtbar, dass sich kaum Gründe für mehr Optimismus finden lassen.

Christine Lagarde, Managing Director des Internationalen Währungsfonds, spricht auf dem Jahrestreffen 2012 der Weltbank in Tokio. (Foto: picture alliance / dpa)

Der internationale Währungsfonds (IWF) betont in seinem jüngsten weltwirt-schaftlichen Ausblick die Abwärtsrisiken für das globale Wachstum. Die Chancen stünden eins zu sechs, dass die Eurozone, die USA und Japan im nächsten Jahr in die Stagnation bzw. Rezession zurückrutschen.

Das Welt-BIP würde in diesem Fall nur noch mit einer Rate von rund 2 Prozent expandieren statt der eigentlich erwarteten 3,6 Prozent. Als wichtigste Risiken identifiziert der IWF eine Eskalation der Euro-Schukdenkrise sowie die fiskalische Klippe in den USA. Letztere umschreibt das Problem, dass zum Ende des Jahres zahlreiche Steuererleichterungen auslaufen und automatische Ausgabenbremsen greifen, die sich auf etwa 4 Prozent des US-BIPs summieren.

In diesem Zusammenhang macht sich der Fonds auch Sorgen, der Kongress könne der neu zu wählenden US-Regierung eine Erhöhung des Schuldenlimits verweigern. Umgekehrt gehört zu den Annahmen des IWF-Basisszenarios, dass die oben genannten Risiken nicht realisiert werden.

Die Eurozone wird gemäß den Modellen des Fonds im Jahr 2013 stagnieren (IWF: 0,2 Prozent, HSH Nordbank: 0,5 Prozent), wobei Deutschland mit 0,9 Prozent ein etwas kräftigeres Wachstum aufweisen sollte (HSH Prognose: 0,8 Prozent). Wenig Optimismus versprühen auch die Prognosen für das US-Wachstum, das nach IWF-Angaben bei 2,1 Prozent liegen wird (HSH-Prognose: 1,8 Prozent). Etwas optimistischer scheint man in Bezug auf China zu sein, dessen Wachstumsrate sich im nächsten Jahr auf 8,2 Prozent beschleunigen soll (Schätzung 2012: 7,8 Prozent).

Abgesehen davon, dass sämtliche Wachstumsprognosen des IWF nicht frei von politischer Einflußnahme sein dürften, ist dies für China ganz besonders zu vermuten. Unserer Ansicht nach wird das Wirtschaftswachstum im Land der Mitte auch im kommenden Jahr mit 7,5 Prozent unter der diesjährigen Expansionsrate liegen. In diesem Umfeld wird der Welthandel nur moderat wachsen: Rund 4 Prozent Handelszuwachs ist für 2013 zu erwarten (real), nachdem in diesem Jahr schätzungsweise ein magerer Zuwachs von 3,2 Prozent zu verzeichnen sein wird. Insgesamt zeichnet der IWF ein recht verhaltenes Bild, dem wir von den Grundtendenzen her folgen.