SUCHE

Wirtschaft
12.10.2012

Eine große und moderne Volkswirtschaft kann nach Meinung von Bundesumweltminister Peter Altmaier nur florieren, wenn sie umwelt- und ressourcenschonend arbeitet. Deutschlands Industrieunternehmen hätten auch längst begriffen, so das Magazin Entsorga, dass Umwelt- und Ressourcenschutz zum entscheidenden Standortfaktor im internationalen Wettbewerb geworden seien. Auf Unternehmerseite bestehen bei dem Thema allerdings noch Unsicherheiten – vor allem hinsichtlich der Umlage zur Förderung von Erneuerbaren Energien (EEG) und den dadurch steigenden Strompreisen.

Bundesumweltminister Peter Altmaier

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) muss beim EEG nachbessern. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Energiewende kommt bei den Menschen an, berichtet das Handelsblatt. Allerdings auf dem unbequemsten aller Wege. Das Handelsjournal stellt dazu fest: Erstmals seit Frühjahr 2010 sind die Unternehmen in der Mehrheit, die die Lage als schlecht einschätzen. „Besonders die steigenden Kosten für Haushaltsenergie und Kraftstoffe lassen den Verbrauchern weniger Geld für den Konsum und drücken zusätzlich über die Betriebskosten auf die Margen der Händler“, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE) Stefan Genth. Er fordert daher, die zusätzlichen Belastungen bei der Energiewende fair zu verteilen: Es könne nicht sein, dass die Kosten auf die Verbraucher und den Mittelstand abgewälzt würden, während die Industrie von Ausnahmen und Vergünstigungen profitiere.

Strompreise dürfen nicht aus dem Ruder laufen

„Das ist eine Existenzfrage“, sagt Oliver Bell, Vorstandsmitglied des Aluminiumkonzerns Norsk Hydro, der Main-Post. „Die Strompreise in Deutschland sind die zweithöchsten in Europa.“ Sie dürften nicht aus dem Ruder laufen. Stromintensive Unternehmen seien zwar weitgehend von der EEG-Umlage befreit. Aber ohne diese Begrenzung würden zahlreiche Unternehmen vom Markt gefegt, sagt die Hauptgeschäftsführerin des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), Annette Loske, gegenüber der Zeitung. „Der eigentliche Preistreiber ist der Staat“, meint der Chef der Handelsgruppe Edeka, Markus Mosa, zur Lebensmittel Zeitung. Er sei mit seiner Empörung nicht allein, insbesondere im Handel errege die Umlage die Gemüter, so das Blatt. „Aus unserer Sicht ist es nicht wünschenswert, dass die Kosten für die Energiewende von immer weniger Schultern getragen werden“, sagt auch Olaf Schulze, Geschäftsführer von Metro Properties Energy Management. Seiner Meinung nach könnten bei der Befreiung von der Umlage weitere Branchen, darunter auch der Handel, berücksichtigt werden.

EEG ist ein „absurd anmutendes Regelwerk“

Die für einzelne Großunternehmen geltenden Ausnahmen treiben die Stromkosten der anderen in die Höhe, meint auch das Magazin impulse und sieht die Ursache in einem „absurd anmutenden Regelwerk“, dessen Auswüchse schon heute deutlich seien. „2010 waren 800 Betriebe von der Umlage befreit, 2011 schon 979.“ In diesem Jahr explodierten die Zahlen: Bis Juni 2012 sollen 2.023 Firmen mit 3.172 Werken eine Befreiung beantragt haben. Das Bundesministerium rechne bis Jahresende mit Anträgen für 5.000 Betriebe. „Energieeinkauf ist eigentlich ganz simpel, aber der Rest ist kompliziert geworden“, sagt dazu Daniel Rhein, dessen Unternehmen RheCo eine Software für die Beschaffung von Strom und Gas entwickelt hat. „Ob das Gießkannenprinzip der richtige Weg ist, ab einer bestimmten Verbrauchsgrenze von der EEG-Umlage zu befreien, darf man bezweifeln“, lautet ein Kommentar im Magazin Entsorga. Dass viele Unternehmen, die ihre Umlage zahlen müssen, nun darüber lamentieren, sei unredlich. Wer das Ende der Subventionen für erneuerbare Energien fordere, solle über die Subventionierung von Kohle- und Kernenergie nachdenken, über die Klimafolgeschäden oder über die nicht absehbaren Entsorgungskosten für Atommüll.

Unterstützung für Unternehmen beim Energiesparen

Zur Steigerung der Energieeffizienz erhalten Unternehmen eine gezielte Förderung, schreibt Prof. Dr. Manfred Schmitz-Kaiser, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der L-Bank, in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Mit dem Programm „Energieeffizienzfinanzierung – Mittelstand“ sollen sich verschiedene Investitionen finanzieren lassen. Das Spektrum reicht laut Schmitz-Kaiser von Ersatzinvestitionen bis hin zu Investitionen in neue Anlagen. Um künftig Energiekosten zu sparen, bieten auch Stadtwerke und Sparkassen ihren Geschäftskunden neuerdings einen „Gewerbecheck Energie“ an, berichtet der Wirtschaftskurier. Unternehmen bekommen der Zeitung zufolge eine internetbasierte und kostenlose Analyse ihres Energieverbrauchs und Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten. Kleine bis mittelständische Firmen sollen mit dem Tool Einsparpotenziale und branchenspezifische Energiekennzahlen selbst ermitteln können und sähen so, wo sie im Vergleich zum Branchendurchschnitt stehen.

Für die Durchführung ihrer Energieeffizienzprojekte nutzen nur rund 50 Prozent der Mittelständler Fördermittel, stellt der selbstständige Unternehmensberater Rudolf Spitzmüller im Magazin Markt und Mittelstand fest. Dafür gebe es mehrere Gründe, so das Magazin: Zu kompliziert, zu aufwendig, zu langwierig, sagten vor allem kleinere Unternehmer. Auf die Mittelstandsinitiative Energiewende macht der Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig im Kurier am Sonntag aufmerksam: Die Kooperation des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) wolle Unternehmen fachliche Ansprechpartner vor Ort zur Verfügung stellen, die branchenspezifische Beratungs- und Investitionsangebote zur Energieeinsparung vermitteln. Derzeit werde eine Servicestelle geplant, um die Firmen schnell und unkompliziert zu informieren.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund sowie norddeutsche Regionalzeitungen aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate September und Oktober (beobachteter Zeitraum: 12. September bis 11. Oktober 2012) wurden insgesamt 20 Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaftskurier, Kurier am Sonntag, Main-Post, impulse, Markt und Mittelstand, Lebensmittel Zeitung, Handelsjournal, Entsorga Magazin.