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Wirtschaft
12.09.2012

„Was haben Nutella, Dr. Oetker, Storck und Singapore Airlines gemeinsam?“, fragt das Wirtschaftsmagazin Capital und gibt die Antwort: „Sie beziehen Milch, Käse und Butter von einer Bremer Großmolkerei, die kaum einer kennt, die in ihrer Branche aber zum Global Player heranreift.“ Das Deutsche Milchkontor (DMK) habe einen weiten Weg in die Globalisierung beschritten – aus Orten wie Altentreptow, Nordhackstedt und Strückhausen nach Schanghai, Kinshasa oder Santiago de Chile. So wie andere deutsche Mittelständler auch, deren Umsätze im Ausland mittlerweile stärker wachsen als das Geschäft im Inland.

Kühe in Nordfriesland: Das Deutsche Milchkontor mit Sitz in Bremen liefert unter anderem Butter an Singapore Airlines. (Foto: picture-alliance / DUMONT Bildarchiv)

Noch erwarten die meisten deutschen Unternehmen für das Gesamtjahr 2012 eher steigende Umsätze. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) auf Basis einer Umfrage unter führenden Branchenverbänden. Allerdings müssten die Konzerne künftig mit geringeren Zuwachsraten rechnen. Grund für die getrübten Aussichten seien sinkende Exporte in die südeuropäischen Schuldenländer und nach China. So habe zum Beispiel der Maschinenbaukonzern Gea zuletzt das Ausbleiben weiterer Großaufträge in China registriert. „Dafür erleben wir, dass plötzlich vermehrt Aufträge aus Regionen kommen, in denen wir vorher nicht so präsent waren“, sagt ein Sprecher des Unternehmens. Die Fähigkeit, auch als Mittelständler rund um den Globus liefern zu können, gepaart mit dem guten Ruf der Anlagen „Made in Germany“, helfe den Maschinenbauern jetzt, so die FAZ.

Marktführer am Milchmarkt

Auf Wachstum im Ausland setzt auch ein Marktführer in der Molkereibranche: DMK mit Sitz in Bremen setzt rund 4,6 Milliarden Euro im Jahr um, berichtet Capital. Solche Global Player gibt es in der deutschen Molkereibranche nach Einschätzung des Wirtschaftsmagazins bislang kaum. Mittlerweile verarbeite DMK ein Viertel der hierzulande produzierten Milch. Müller, die Nummer zwei am Markt, bringe es nur auf ein Zehntel. „Die hiesigen Molkereien haben sich nach der Wende vor allem auf die Belieferung der neuen Bundesländer konzentriert und das internationale Geschäft vernachlässigt“, so der Bericht. „Für den deutschen Markt allein kann man nicht mehr wirtschaften“, begründet Andreas Wiese, Milchbauer aus Kleefeld bei Oldenburg, den Globalisierungstrend in der Branche. Rund 1,5 Millionen Euro hat er kürzlich angelegt in einen neuen Melkstall für 600 Tiere. Eine Summe, die er laut Capital „nie investiert hätte, würde er nicht an weltweite Absatzmärkte glauben“.

Deutscher Mittelstand ist international orientiert

„Wir sind heute eine Gesellschaft, die verstanden hat, dass sie sich den Herausforderungen von Globalisierung und demografischer Entwicklung stellen muss“, schreibt Exbundeskanzler Gerhard Schröder in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. Seiner Meinung nach verfügt Deutschland über eine mittelständische Wirtschaftsstruktur, die besonders international orientiert ist. „Die 1.400 Weltmarktführer in wichtigen Nischen sind ein Beleg dafür“, argumentiert Schröder. „Die heutige wirtschaftliche Stärke Deutschlands hat mit den Reformen der Agenda 2010 zu tun, aber nicht nur mit ihnen.“ Als weitere Faktoren nennt Schröder die mittlerweile schlankeren Strukturen und die höhere Flexibilität der Unternehmen in Deutschland. Trotzdem seien weitere Reformen notwendig, etwa mit einer neuen Agenda 2020.

Neue Impulse für „anhaltendes Wachstum und Wohlstand“ in den kommenden Jahren hat die Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein in einem Strategiepapier zusammengefasst. „Zukunftsstandort Schleswig-Holstein 2030. Handeln, wachsen, leben“, heißt das Dokument, das der Politik einen Kompass für die Zukunft an die Hand geben soll, so die Lübecker Nachrichten (LN). Die hervorragenden Voraussetzungen Schleswig-Holsteins müssten weiterentwickelt werden. Das Land müsse seine Chancen und Potenziale nutzen, um im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen zu können, heißt es laut LN in dem Papier.

Auch ein Mittelweg führt zum Ziel

Statt politischer Reformen brauche die deutsche Wirtschaft gute Manager und qualifizierte Mitarbeiter, steht hingegen in einer Kolumne des Handelsblatts. Die typisch deutsche Erfolgsmischung bestehe aus vielen Bestandteilen – „unter anderem aus der engen Verbindung von Mechatronik und Elektronik, von handwerklicher Präzision und intelligenter Planung, von knochentrockener Kostenrechnung und einem gewissen Respekt für die Mitarbeiter“. Der deutsche Weg sei ein Mittelweg und oft genug führe der viel sicherer nach Rom als ausgefallene, abenteuerliche Pfade.

„Wenig sexy, aber wirkungsvoll“, überschreibt das Handelsblatt einen Artikel zum Mittelstandsbarometer der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Danach kalkulieren die meisten Mittelständler derzeit vorsichtiger, sie diversifizieren ihre Risiken und überlegen, wie und wo sie Umsatzeinbrüche in den Euro-Krisenländern ausgleichen können. Zwar beurteilten zurzeit noch 92 Prozent der Unternehmer ihre aktuelle Geschäftslage als positiv. 45 Prozent rechneten aber damit, dass sich die Lage in Deutschland verschlechtern wird. „Die Unternehmen täten gut daran, sich für eine schwierige zweite Jahreshälfte zu wappnen“, so das Handelsblatt.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate August und September (beobachteter Zeitraum: 16. August bis 11. September 2012) wurden insgesamt elf Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Handelsblatt, Capital, Lübecker Nachrichten.