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Wirtschaft

US-Notenbank geht unnötigerweise voll ins Risiko

20.09.2012

Unbegrenzte Liquiditätszufuhr durch amerikanische Zentralbank erhöht Wachstumsrisiken - die Preisblase bei US-Treasuries wird gefährlicher.

Zieht alle Register: US-Notenbankchef Ben Bernanke leitet weitere Schritte zur aggressiven Lockerung der Geldpolitik ein. (Foto: picture alliance / dpa)

Die US-Notenbank hat weitere Schritte zur aggressiven Lockerung der Geldpolitik angekündigt. Sie wird staatlich garantierte verbriefte Hypothekenkredite im monatlichen Volumen von 40 Milliarden US-Dollar kaufen, ohne zeitliche Begrenzung. Die amerikanische Zentralbank wird diese Maßnahmen so lange fortsetzen, bis sich die Lage am Arbeitsmarkt „signifikant“ gebessert hat.

„Dauern diese Maßnahmen beispielsweise zwei Jahre an, würde es zu einer Liquiditätszufuhr von rund 1.000 Milliarden US-Dollar kommen, also eine Erhöhung der Liquidität um etwa ein Drittel“, stellt Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt von der HSH Nordbank fest. Dies berge erhebliche Stabilitätsrisiken für die globalen Finanzmärkte und könne sich im Übrigen als kontraproduktiv für die US-Wirtschaft erweisen. „Die Politik kann zu deutlich höheren Ölpreisen führen, weil die Anleger mangels Alternativen verstärkt in Rohstoffe investieren könnten. Damit aber würden die Benzin- und Heizölpreise weiter steigen mit der Folge einer sinkenden Konsumnachfrage und eines rückläufigen Wirtschaftswachstums“, so de la Rubia.

Sorge bereitet den HSH-Volkswirten auch, dass für die US-Regierung keinerlei Anreiz besteht, ihren Haushalt zu konsolidieren, da die Zinslast in diesem Umfeld kaum steigt. Und schließlich bleibe vollkommen unklar, wie verhindert werden soll, dass Inflation sich über kurz oder lang verselbständigt – die Kapazitätsauslastung in der Industrie ist bereits fast auf Vorkrisenniveau.

Die US-Staatsanleiherenditen sind in den ersten Tagen nach der Ankündigung von der erneuten aggressiven geldpolitischen Lockerung zwar deutlich angestiegen. De la Rubia hält den Markt für US-Treasuries dennoch für deutlich überbewertet. In ihrer Prognose geht die HSH Nordbank davon aus, dass die Überbewertung sich in Form weiter steigender Renditen allmählich abbauen wird. Allerdings ist das Risiko vorhanden, dass die Preisblase bei Treasuries platzt und die Renditen sehr abrupt in die Höhe klettern.