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28.09.2012

Deutschland sei bislang noch eine „Insel der Seligen“, was die Verfügbarkeit von Krediten anbelange, meint der Frankfurter Professor Thomas Heidorn gegenüber dem Handelsblatt. Doch andere wie Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, sehen die derzeitige Ruhe an der Kreditfront mit Skepsis. Für die Experten, die derweil in der Zeitschrift Finance zu Wort kommen, steht fest: Der investitionsstarke deutsche Mittelstand sollte sich bei Unternehmenszukäufen gen Süden orientieren. In Spanien und Italien seien langjährige Wettbewerber teilweise zu Ausverkaufspreisen zu haben.

Südseeinsel

Keine Kreditklemme in Sicht: Deutschland sei bisher eine „Insel der Seligen“, was die Verfügbarkeit von Krediten anbelange, meint der Frankfurter Professor Thomas Heidorn. (Foto: picture alliance / Sakis Papadopoulos / Robert Hardin)

„Von Kreditklemme weit und breit keine Spur“, titelt das Handelsblatt Ende September und bezeichnet die Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft als „weiterhin problemlos“. Das Blatt stützt sich auf Zahlen der staatlichen Förderbank KfW, nach denen das Kreditneugeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen im dritten Quartal 2012 leicht expandieren dürfte. In einem weiteren Artikel führt das Handelsblatt Thomas Heidorn an, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance & Management. Heidorn zufolge ist Deutschland bislang eine „Insel der Seligen“, was die Verfügbarkeit von Krediten anbelange. Doch auch der Blick auf die ifo-Kredithürde stimmt optimistisch: Im August schätzten nur 21,2 Prozent der befragten Unternehmen die Kreditvergabebereitschaft der Banken als restriktiv ein. Dies sei ein historisch niedriger Wert, so die Zeitung weiter.

Banken verschärfen Richtlinien für die Kreditvergabe

Aber so manch einer hält die Ruhe am Kreditmarkt für trügerisch, meldet das Handelsblatt. Wie zum Beispiel Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie: „Wir haben keine Kreditklemme, das stimmt. Aber ich weiß nicht, ob das eine gute Nachricht ist, denn das liegt ja auch an der geringen Nachfrage.“ Wegen der trüben Konjunkturaussichten würden viele Firmen ihre Investitionspläne verschieben oder ganz auf Eis legen.

Eine von der Zeitung aufgeführte Umfrage der Deutschen Bundesbank zeigt zudem: Erstmals seit zwei Jahren hat eine knappe Mehrheit der befragten Institute ihre Richtlinien für die Kreditvergabe verschärft. Dies gelte vor allem für langfristige Kredite und bei Unternehmen mit schlechter Bonität.

Wie Mittelständler ihr Rating verbessern können

Das Handelsblatt widmet sich daher in einem ausführlichen Artikel der Frage, wie Mittelständler ihr Rating und somit ihre Kreditwürdigkeit verbessern können. Einer aktuellen Studie der Deutschen Bank zufolge erwarten immerhin acht von zehn Mittelständlern aufgrund der Bankenregulierung Basel III verschärfte Anforderungen an ihr Rating.

Markus Becker-Melching, Mitglied der Geschäftsführung beim Bundesverband deutscher Banken, rät Mittelständlern dazu, nichts zu überstürzen, sich aber strategisch auf die neue Situation einzustellen. Und Mittelstandsberater Achim Schulz aus München nennt der Zeitung gegenüber einige konkrete Stellschrauben, an denen Unternehmen drehen können. So sollten beispielsweise Investitionen nicht zu schnell und ambitioniert abgeschrieben werden, um die Ertragskraft möglichst hoch zu halten. Auch könnten Mittelständler ihren Eigenkapitalpuffer stetig ausbauen und auf diese Weise für ein besseres Rating sorgen. Und schließlich seien ein leistungsfähiges Rechnungs- und Mahnwesen unverzichtbar, um möglichst viele Mittel freizusetzen, so Schulz.

Kaufpreise für südeuropäische Unternehmen sinken

Die investitionsfreudigen deutschen Mittelständler sollten ihre liquiden Mittel nutzen, um über Unternehmenszukäufe aus dem südeuropäischen Raum nachzudenken, meint Hans Bethge in der Zeitschrift Finance. Der Managing Partner der Beratungsfirma Angermann M&A International sieht aufgrund sinkender Kaufpreise insbesondere in Italien und Spanien Chancen für deutsche Unternehmen.

Große Marken wie der im Frühjahr an den Volkswagen-Konzern verkaufte italienische Motorradhersteller Ducati gebe es zwar auch in der Krise nicht zum Schnäppchenpreis. „Aber es gibt sie immerhin“, so Bethge. Stefan Brandes, Partner des Beratungsunternehmens Rödl & Partner in Italien, bestätigt gegenüber Finance: „Wir haben viel Kontakt zu Mittelständlern, die jetzt an Unternehmen in Italien herantreten, bevorzugt an Geschäftspartner oder Konkurrenten aus der eigenen Branche.“

Doch über allen M&A-Deals in Südeuropa schwebt das Risiko eines Euro-Austritts, berichtet die Zeitschrift weiter. Kritisch sei die Lage vor allem in Spanien. M&A-Deals fänden häufig nur innerhalb des Landes statt, im Topsegment bewege sich derzeit kaum etwas. Der Wuppertaler Nutzfahrzeugausstatter Happich berichtet Finance gegenüber, er habe bei der Übernahme eines spanischen Zulieferers „mitunter fast panische“ Verkäufer erlebt.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat September (beobachteter Zeitraum: 1. bis 27. September 2012) wurden insgesamt zehn Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet Handelsblatt, Finance.