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Wirtschaft
14.09.2012

Nach der EZB hat nun auch die US-Notenbank Fed nahezu alle prinzipiellen Beschränkungen für den Kauf von Anleihen beiseite geräumt. "Diese erneute Lockerung der Geldpolitik birgt erhebliche Risiken", kommentiert Sintje Boie aus dem Research der HSH Nordbank, den für viele Marktteilnehmer in dieser Tragweite überraschenden Schritt der US-Währungshüter. 

Die US-Notenbank Federal Reserve lockert ihre Geldpolitik erneut. (Foto: picture alliance / Photoshot)

Die Fed hat auf ihrer Zinssitzung vom 12./13. September ihre Geldpolitik erneut gelockert, indem sie den Ankauf von hypothekenbesicherten Anleihen (MBS) im Volumen von 40 Milliarden US-Dollar pro Monat angekündigt hat. Im Gegensatz zu den bisherigen Ankaufprogrammen gibt es dieses Mal keinen festgelegten Endzeitpunkt für die Käufe. Diese werden so lange fortgesetzt, bis sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt substanziell verbessert hat. "Damit stellt das Programm eine signifikante Beschleunigung der geldpolitischen Expansion dar, mit der wir so nicht gerechnet haben", so Sintje Boie aus dem volkswirtschaftlichen Research der HSH Nordbank. "Dies birgt erhebliche Risiken." Bleibt eine nachhaltige Erholung auf dem Arbeitsmarkt aus, können die Anleihekäufe zudem ausgeweitet werden. Neben der wenig überzeugenden Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt führt die Fed ihre Sorge vor einer mittelfristig zu geringen Teuerungsrate als Grund für ihre Entscheidung heran. Darüber hinaus verlängerten die Notenbanker ihre Nullzinspolitik bis Mitte 2015.

Die Gemeinschaftswährung hat zuletzt einen deutlichen Aufwertungskurs gegenüber dem US-Dollar eingeschlagen. Dafür hat zunächst einmal die Ankündigung der EZB gesorgt, unter bestimmten Bedingungen Anleihekäufe aus der Euro-Peripherie am Sekundärmarkt zu tätigen. Dies wurde von den Marktteilnehmern als klares Bekenntnis der EZB zur Währungsunion aufgefasst, womit das Vertrauen der Investoren in den Euro wieder zugenommen hat.

Aber auch die gestiegenen Erwartungen auf erneute Anleihekäufe der Fed sowie die tatsächliche Ankündigung dessen und die grundsätzliche Billigung des ESM durch das Bundesverfassungsgericht haben den Euro beflügelt. "Ausgehend von den aktuellen Niveaus ist durchaus mit Rückschlagspotenzial für die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar zu rechnen, da im Rahmen der Schuldenkrise noch viele Unwägbarkeiten verbleiben", schreibt Sintje Boie. "Das Bekenntnis der EZB zur Währungsunion sollte aber nachhaltig höhere Niveaus für den Euro möglich gemacht haben."

Mit dem freundlicheren Finanzmarktumfeld angesichts der von der EZB anvisierten Anleihekäufe und des insgesamt positiven Votums des Bundesverfassungsgerichts zum ESM mussten sowohl Treasuries als auch Bundesanleihen Federn lassen. Auftrieb erhielten dagegen die Staatsanleihen aus den Peripherie-Ländern. Die Zinsentscheidung der Fed hinterließ dagegen kaum Spuren auf dem Rentenmarkt.