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Wirtschaft
20.08.2012

Deutsche Unternehmen können zurzeit von der Krise profitieren – weil der schwache Euro Exporte in Länder außerhalb des Euroraums günstiger macht. Laut dem Magazin impulse sollten Mittelständler aber auch für ein mögliches Auseinanderbrechen der Währungsunion gewappnet sein. Wie zum Beispiel Paulaner: Der Geschäftsführer der Brauerei, Stefan Schmale, bereitet sich gedanklich bereits auf die Rückkehr zu Drachme, D-Mark und Peseta vor.

Maibaum Paulaner

Die Münchner Brauerei Paulaner hat beim Bierexport in den Süden Europas aus Sicherheitsgründen auf Barzahlung umgestellt. (Foto: picture alliance / R. Goldmann)

Für Deutschlands Exportbranche kommt der schwächelnde Euro zur rechten Zeit. Diese Meinung vertritt Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), in einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters Weil der Euro im Vergleich zu anderen Währungen nachgebe, würden Produkte aus der Bundesrepublik auf den Wachstumsmärkten in Asien, den Golfstaaten, Lateinamerika und in den USA billiger. „Das gibt neue Impulse“, meint Treier. Allerdings mehrten sich auch Hinweise darauf, so Reuters, dass Europas größte Wirtschaftsmacht in der zweiten Jahreshälfte 2012 in einen Abwärtsstrudel geraten könnte. Erste Warnsignale gebe es bereits: Die deutschen Unternehmen investierten im Frühjahr das zweite Quartal in Folge weniger in Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungsgüter.

Bier nur gegen Barzahlung

Wegen der Eurokrise habe die Brauerei Paulaner beim Bierexport in den Süden Europas auf Barzahlung umgestellt, berichtet impulse. Denn der kaufmännische Geschäftsführer des Münchner Betriebs, Stefan Schmale, glaube, dass jede Rechnung, die seine Kunden noch nicht bezahlt hätten, zum Problem werden könnte. „Jeder Unternehmer, der viel exportiert, hat im Fall eines Euro-Crashs ein Problem“, bestätigt Peter Englisch, Mittelstandsexperte und Partner bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young, die Einschätzung von Schmale. Er empfiehlt, jetzt Verträge zu prüfen, Finanzierungen zu sichern sowie Gefahren in den Produktions- und Absatzmärkten abzuwägen. „Exporteure sollten zumindest wissen, wo mögliche Risiken lauern“, sagt Englisch. Beim Export in Krisenstaaten drohe vor allem eine Gefahr: Kunden könnten plötzlich nicht mehr in Euro, sondern in einer neuen Landeswährung zahlen. „Gläubiger sollten daher grundsätzlich versuchen durchzusetzen, dass die Schuldwährung die Währung ist, die in Deutschland gilt“, rät Peter Etzbach von der Kölner Anwaltskanzlei Oppenhoff & Partner im Magazin impulse. In den meisten Verträgen sei die Währungsfrage gar nicht thematisiert. Kontrakte in englischer Sprache würden den Euro oft als „europäische Einheitswährung“ umschreiben.

Deutsche Unternehmer lässt nicht nur die Währungsfrage bei Investitionen im europäischen Ausland zweifeln. So müssten zum Beispiel Fotovoltaikhersteller, die in Griechenland investieren wollten, bei unzähligen Stellen Anträge stellen. Das sagt Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) im Interview mit dem Focus. Gegenüber dem Magazin gibt Rösler auch Auskunft zum aktuellen Stand beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG): „Wir werden bis 2022 aus der Atomkraft aussteigen, daran rüttelt niemand. Aber wir müssen auf dem Weg dahin immer wieder überprüfen, ob Arbeitsplätze gefährdet sind und ob Energie bezahlbar bleibt.“

Kritik am EEG wird lauter

Die milliardenschweren Zuschläge zur Förderung der Energiewende in Deutschland erregen zunehmend Widerstand: So fasst die Deutsche Presseagentur (dpa) die Nachrichtenlage zu diesem Thema zusammen. EU-Energiekommissar Günther Oettinger kritisiere die Förderung als mitverantwortlich für die derzeit hohen Strompreise. Das könne so nicht weitergehen, weil sonst Verbraucher überfordert seien und die Wirtschaft geschädigt werde. Wenn im Herbst die neue Umlage für die erneuerbaren Energien festgelegt werde, müsse „noch einmal über eine Deckelung“ geredet werden, fordert Oettinger.

Gegen diese auf den Strompreis aufgeschlagene Zahlung will sich die deutsche Textilbranche jetzt schon zur Wehr setzen. Laut Gesamtverband der Textil- und Modeindustrie belasten die hohen Energiekosten gerade kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland. Der Verband beruft sich auf ein Gutachten des Verfassungsrechtlers Gerrit Manssen, wonach die im EEG festgesetzte Umlage eine unzulässige Subvention und damit verfassungswidrig sei. Sollten sich die Textilfirmen durchsetzen, könnte das derzeitige System zur Finanzierung des Ausbaus von Solar- und Windenergie vor dem Aus stehen, ordnet die Nachrichtenagentur die Verbandsbeschwerde ein. Strom aus erneuerbaren Energien müsse bezahlbar bleiben, gleichzeitig soll aber auch die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Unternehmen erhalten werden. Diese Position vertritt Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) in einem Bericht des SPIEGEL. Dabei arbeite jedes Bundesland an seiner eigenen Energiewende, kritisiert das manager magazin. In dem Ausmaß, in dem die Strompreise zurzeit stiegen, sinke die Akzeptanz gegenüber dem  Großprojekt. Wenn nicht bald eine griffige Strategie gefunden werde, könnten Energieversorgung, -sicherheit und -preise aus dem Ruder laufen, warnt der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Hans Heinrich Driftmann, bereits Mitte Mai 2012. Bis heute sei jedoch nicht klar, schreibt das Magazin ProFirma, ob die Unternehmen mit Umweltminister Peter Altmaier wieder Vertrauen in die Energiewende fassten.

Unternehmen müssen Energie sparen

Mangelt es auch am Vertrauen in die Energiewende – beim Energiesparen ist der deutsche Mittelstand bereits hoch engagiert. Das berichtet die Genossenschaftliche Allgemeine Zeitung auf Basis einer Umfrage des Mittelstandsverbunds ZGV. Danach hielten 60 Prozent der befragten Unternehmen die Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz für „sehr wichtig“ und hätten entsprechende Investitionspläne. Diese müssten aber durch verlässliche und planbare politische Rahmenbedingungen flankiert werden. Fest stehe, so die Deutsche Energie-Agentur GmbH (Dena), dass die Strompreise in den kommenden zwei Jahren steigen würden. Nun hätten es die Unternehmen selbst in der Hand, ihre Kosten nachhaltig zu senken, wird der Dena-Vorsitzende Stephan Kohler zitiert. Große Betriebe könnten ihren Energieeinsatz durch ein unternehmensweites Energiemanagement detailliert erfassen und systematisch lenken, so Kohler. Kleine und mittlere Unternehmen, denen hierfür oft die Mittel fehlten, könnten zunächst ein Energiecontrolling durchführen und dann einen Energieberater zurate ziehen.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Mittelstand“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für die Monate Juli und August (beobachteter Zeitraum: 16. Juli bis 15. August 2012) wurden insgesamt 16 Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Reuters, Deutsche Presseagentur, DER SPIEGEL, Focus, manager magazin, impulse, ProFirma, Genossenschaftliche Allgemeine Zeitung.

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