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Wirtschaft
31.08.2012

Durch die anstehenden Auftritte der Notenbankchefs Ben Bernanke und Mario Draghi sind Marktbewegungen zu erwarten. Dabei gibt es allerdings Enttäuschungspotenzial, da einige Entscheidungen erst später getroffen werden dürften.

Vom EZB-Präsidenten Mario Draghi erwarten die Volkswirte der HSH Nordbank derzeit noch keine konkrete Entscheidung über Staatsanleihekäufe. (Foto: picture alliance / dpa)

Für die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am 6. September erwarten die Volkswirte der HSH Nordbank noch keine Entscheidungen über konkrete Staatsanleihekäufe. Denn die EZB habe klar darauf hingewiesen, dass solche Interventionen lediglich ergänzend zu Hilfen durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) stattfänden und somit unter der Bedingung eines vereinbarten Reformprogramms stünden. Somit könnte EZB-Präsident Mario Draghi entweder allgemein die Modalitäten von Anleiheankäufen konkretisieren, bspw. hinsichtlich Laufzeit, Interventionsgrenzen und Sterilisierung sowie des Gläubigerstatus der EZB (Stichwort Seniorität). Möglicherweise warte die EZB aber auch die Bundesverfassungsgerichtsentscheidung am 12. September zum ESM ab, bevor sie konkreter werde. „Weitere Stützungsmaßnahmen könnte sie jedoch im Bereich der sonstigen unkonventionellen Maßnahmen ankündigen“, so Analystin Kathrin Clasen. Vorstellbar seien neue Langfristtender, eine Lockerung der Sicherheitenanforderungen oder die Vergabe von Notenbankliquidität zur Verwendung für die Kreditvergabe, wie es seit kurzem die Bank of England praktiziere. Eine erneute Leitzinssenkung hingegen hält Clasen für unwahrscheinlich, zumal der Einkaufsmanagerindex für die Eurozone immerhin eine marginale Besserung der Stimmung anzeige. Die Rendite zehnjähriger Bunds dürfte seitwärts bis leicht aufwärts tendieren.

Zehnjährige Treasuries könnten in den nächsten Tagen nach Erwartung der HSH Volkswirte wieder etwas höher im Bereich von 1,70 Prozent rentieren, wenn Fed-Vorsitzender Ben Bernanke die Hoffnung einiger Marktteilnehmer enttäuscht und am 31. August in Jackson Hole noch nicht explizit weitere Lockerungsmaßnahmen ankündigt. „Vielmehr dürfte dies frühestens auf der Fed-Sitzung am 13. September der Fall sein“, meint Clasen. Zwar wiesen die in den letzten Wochen veröffentlichten Daten wie das Beige Book nicht die erwünschte Beschleunigung der Konjunkturbelebung aus, zeigten aber auch weder Rezessions- noch Deflationsgefahren für die US-Wirtschaft. Bernanke dürfte sich daher zunächst darauf beschränken, die seit der letzten Notenbanksitzung erhöhte Bereitschaft der Fed zur Lockerung zu bestätigen sowie ggf. die der Fed zur Verfügung stehenden Instrumente zu erläutern.

Nach Ansicht der HSH-Volkswirte hat EUR/USD kurzfristig nur dann noch Luft nach oben, wenn Fed-Vorsitzender Ben Bernanke sich am Freitag in Jackson Hole klar für eine weitere Lockerung ausspricht. Da die Analysten dies jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht erwarten, rechnen sie zwischenzeitlich mit einer leichten Festigung des US-Dollar auf Werte etwas unterhalb der Marke von 1,25.