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Wirtschaft
31.08.2012

Die jüngsten Zahlen der Europäischen Zentralbank zeigen: Die Kredite an Firmen und Privathaushalte in der Eurozone fließen nach wie vor nur spärlich. Im Vergleich zum Vorjahr legte die Vergabe von Darlehen nur um 0,1 Prozent zu. Die Daten dürften der EZB weitere Argumente für eine Senkung des Leitzinses liefern, berichtet das Handelsblatt.

Glaubt, dass der niedrigere Leitzins kaum in der Realwirtschaft ankommt: EZB-Direktor Jörg Asmussen. (Foto: picture alliance / dpa)

„Der leichte Anstieg kann nicht überdecken, dass es beim Kreditprozess weiterhin massiv hakt“, zitiert das Handelsblatt den Postbank-Ökonomen Heinrich Bayer. Dieser sieht die aktuellen Zahlen der EZB zur Kreditvergabe mit Sorge. Und auch EZB-Direktor Jörg Asmussen klagt der Wirtschaftszeitung zufolge darüber, dass der niedrigere Leitzins „uneinheitlich oder zum Teil sogar überhaupt nicht in der Realwirtschaft ankommt“.

Dagegen vergeben die Landesbanken zurzeit deutlich mehr Kredite, berichtet die Financial Times Deutschland. Das Blatt beruft sich auf die neuesten Daten der Bundesbank. Demnach stieg das Kreditvolumen an Unternehmen und Selbstständige in den zwölf Monaten bis Juni 2012 um netto über 500 Millionen Euro. Somit hätten die Institute erstmals seit Mitte 2009 innerhalb eines Jahres wieder mehr Darlehen an Unternehmen vergeben.

Banken befürchten Verteuerung der Unternehmensfinanzierung

Gerade unter den Landes- und Genossenschaftsbanken regt sich Widerstand gegen die Bankenregulierung Basel III, meldet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Durch die strengeren Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften könnten Banken ihre Kreditvergabe an Firmen einschränken, so die Befürchtung. „Mich treibt hier die Sorge um, dass jetzt Richtungsentscheidungen getroffen werden, die zum Nachteil der Regionalbanken und damit der mittelständischen Wirtschaft in Deutschland sein werden“, zitiert dpa den Präsidenten des Genossenschaftsverbands Bayern, Stephan Götzl. Konkret rechne er mit einer Verteuerung der Unternehmensfinanzierung. Die Zeitschrift Banken+Partner beschäftigt sich in einem Onlineartikel ebenfalls mit Basel III und dessen Folgen. „Die neuen Basel-III-Richtlinien zur Kreditvergabe wirken sich negativ auf die Unternehmensfinanzierung aus. Doch genau dieser Bereich stellt einen wichtigen Bestandteil des Geschäftsmodells der Banken dar“, gibt darin Cécile André, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants, zu bedenken.

Mittelständler auf Einkaufstour

Im Geschäftsmodell deutscher Mittelständler dürften Fusionen und Übernahmen einen immer wichtigeren Bestandteil einnehmen, schreibt die Wochenzeitung VDI nachrichten und führt eine entsprechende Studie der Beratungsgesellschaft Deloitte an. Demzufolge sehen mittelständische Unternehmen Übernahmen und Fusionen als notwendig an, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Bei der entsprechenden Finanzierung von Übernahmen würden 60 Prozent der befragten Firmen auf Eigenkapital setzen, bei 40 Prozent komme Fremdkapital zum Zuge. Die Wochenzeitung lässt in ihrem Artikel aber auch skeptische Stimmen zu Wort kommen: So bezweifelt Andreas Bausch, Professor für Unternehmensführung und Organisation an der Justus-Liebig-Universität Gießen, den Erfolg von M&A-Maßnahmen: „Wachstumsziele können zwar viel schneller durch Akquisitionen erreicht werden, aber Schnelligkeit erkauft man sich dabei durch hohe Risiken.“ Generell sehe Bausch internes oder kooperatives Wachstum für Mittelständler als die bessere Alternative.

Deutscher Beteiligungsmarkt mit drastischen Einbußen

Der deutsche Markt für Unternehmensbeteiligungen ist im zweiten Quartal 2012 dramatisch zurückgegangen, meldet die Börsen-Zeitung. Die Private-Equity-Investitionen seien von April bis Ende Juni mit 594 Millionen Euro um gut ein Drittel unter dem Wert des vorausgegangenen Quartals geblieben. „In unsicheren wirtschaftlichen Zeiten sind Investoren vorsichtig und halten sich mit neuen Engagements zurück“, erklärt Matthias Kues gegenüber der Börsen-Zeitung. Der Vorstandschef des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaft sieht jedoch Potenzial nach oben: Für das zweite Halbjahr erwarte er eine „deutliche Verbesserung“. Schließlich bestünde bei Unternehmen anhaltender Bedarf an Eigenkapital, der nicht durch Börsengänge oder eigene Mittel gestillt werden könne, so Kues weiter.

Zur Methode

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie damit eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen in der aktuellen Berichterstattung. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung in der Unternehmensfinanzierung zulassen. Besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen.

Im vorliegenden Pressefokus für den Monat August (beobachteter Zeitraum: 3. bis 29. August 2012) wurden insgesamt zehn Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet Banken+Partner, Börsen-Zeitung, dpa, Financial Times Deutschland, Handelsblatt, VDI nachrichten.