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Wirtschaft
09.08.2012

Autor: Daniel Wetzel

Die Unterstützung für das "nationale Gemeinschaftswerk" bröckelt: Die deutsche Bevölkerung zeigt einer Umfrage zufolge immer weniger Akzeptanz für höhere Strompreise und neue Leitungsmasten.

Die Deutschen stehen Maßnahmen zur Energiewende in Deutschland kritischer gegenüber als noch vor einem Jahr. Auch die Bereitschaft, höhere Energiekosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien zu akzeptieren, nimmt ab. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens GfK, das der "Welt" exklusiv vorliegt.

Der Umfrage zufolge hat die Akzeptanz von Maßnahmen für die Energiewende bei den Deutschen in der letzten Zeit abgenommen. Kurz nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima waren noch 76 Prozent der Deutschen bereit, neue Stromleitungen in ihrer unmittelbaren Umgebung zu akzeptieren, um den Ausbau der erneuerbaren Energie zu fördern und aus der Kernenergie auszusteigen.

Ein Jahr danach ist dieser Anteil auf 69 Prozent gesunken. Ein ähnlich rückläufiger Trend zeigt sich auch bei der Errichtung von Windanlagen. Nur noch knapp zwei Drittel der Deutschen würden neue Anlagen in ihrer Nachbarschaft tolerieren. Vor zwölf Monaten lag der Anteil noch über 70 Prozent.

Junge sind eher bereit, für Umweltschutz zu zahlen

Je nach Alter und persönlicher Lebenssituation werden die genannten Maßnahmen jedoch recht unterschiedlich bewertet, heißt es im Ergebnis der GfK-Umfrage weiter: "Dabei stehen vor allem ältere Menschen der Energiewende und den damit verbundenen Um- und Ausbaumaßnahmen kritisch gegenüber."

Jugendliche und Studenten hingegen befürworten den Neubau von Stromleitungen oder Windanlagen in unmittelbarer Nachbarschaft am stärksten.

Deutsche immer weniger bereit, mehr für Strom zu zahlen

In Zeiten zunehmender Konjunkturängste sinkt auch die Bereitschaft der Deutschen, sich freiwillig an den Kosten für die Energiewende zu beteiligen.

Knapp die Hälfte ist für den verstärkten Ausbau der Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien – auch wenn dadurch die eigenen Energiekosten steigen. Vor zwölf Monaten lag der Anteil mit 60 Prozent jedoch deutlich höher.

Jüngere Menschen würden eher mehr zahlen

Nach Altersgruppen sortiert, ergeben sich unterschiedliche Meinungsbilder: Weniger als 40 Prozent der Rentner mit geringem Einkommen sind bereit, Ausbaukosten für erneuerbare Energien durch erhöhte Strompreise zu tragen.

Dagegen sprechen sich 63 Prozent der Jugendlichen und Studenten, die in der Regel ebenfalls über ein geringes Einkommen verfügen, dafür aus.

Rückkehr zur Atomkraft ist ausgeschlossen

Eine Rückkehr zur Atomkraft als zentralen und "günstigen" Baustein des Energiesystems in Deutschland ist jedoch für die deutliche Mehrheit der Bürger ausgeschlossen. Wie schon vor einem Jahr sind über 80 Prozent der Meinung, dass die Nutzung von Kernkraftanlagen, selbst mit modernster Betriebstechnologie, nicht verantwortbar ist.

Hauptgrund ist die nach wie vor gefährliche Entsorgung des Atommülls. Jeder siebte Deutsche ist weiterhin davon überzeugt, dass die erneuerbaren Energien die Kernkraft komplett ersetzen können.

GfK ermittelt seit 2011 Umweltbewusstsein

Die GfK ermittelt seit August 2011 mit dem GfK Global Green Index das Umweltbewusstsein in zentralen Dimensionen in Deutschland. Neben generellen Einstellungen wird auch beleuchtet, ob und in welchem Ausmaß Verbraucher bereit sind, anfallende Kosten für umweltbewusstes Verhalten zu tragen.

Die Einzelergebnisse wurden zu sieben Subindizes verdichtet, die entsprechend ihrer Bedeutung für die Verbraucher zum GfK Global Green Index zusammengefasst werden.