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Wirtschaft

Die Innovationsdynamik deutscher Unternehmen ist ungebrochen hoch

23.07.2012

Das ist – kurz gefasst – die Botschaft des aktuellen Innovationsreports des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Der Report basiert auf einer repräsentativen Umfrage, welche die 80 bundesdeutschen Industrie- und Handelskammern bei rund 1.100 „innovationstätigen Unternehmen“ diverser Branchen durchgeführt haben. Von der Basis kamen aber auch kritische Anmerkungen.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und der Vorstandsvorsitzende der Agentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, beteiligen sich an Werbeaktionen gegen den Fachkräftemangel. (Foto: picture alliance)

Die Kernaussagen des Reports, den der DIHK seit 2007 regelmäßig vorlegt, fallen insgesamt erneut positiv aus und zeigen, dass die meisten innovationsaffinen Unternehmen Deutschlands weiterhin optimistisch in die geschäftliche Zukunft blicken. Gleichzeitig sind aber Zeichen für eine Eintrübung der Stimmung unübersehbar. So gaben bei der aktuellen Umfrage zwar immer noch knapp 51 Prozent der Betriebe an, dass sie ihre Innovationsanstrengungen im laufenden Jahr erhöhen wollen. 46 Prozent planen keine Veränderungen und etwa drei Prozent gehen davon aus, dass sie ihre Innovationsaktivitäten zurückfahren oder sogar ganz streichen müssen. Beim letzten Innovationsreport 2010 hingegen gaben noch fast 60 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Innovationsbudgets aufstocken wollten und lediglich knapp 39 Prozent planten, diese Budgets auf gleichem Niveau zu halten.

Eine genaue Betrachtung der aktuellen Befragungsergebnisse fördert eine Reihe verschiedener Probleme zutage. Um die Innovationsfähigkeit der deutschen Betriebe zu erhalten beziehungsweise zu stärken, konnten hierauf basierend vier Handlungsfelder identifiziert werden, die aus Sicht der Unternehmen zügig angegangen werden müssen.

Vier Handlungsfelder zur Innovationsförderung:

  • Zentrales Thema ist und bleibt der Ausbau der Fachkräftebasis. Gut 57 Prozent der Unternehmen berichten von akuten Einschränkungen ihres Innovationspotenzials, weil Spezialistinnen und Spezialisten fehlen. Knapp 56 Prozent der Betriebe fordern insbesondere von der Politik wirksame Maßnahmen – beispielsweise bei der Zuwanderung.

  • Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) spitzt sich darüber hinaus die Lage bei der Finanzierung von Innovationen zu. Nur noch neun Prozent der Firmen bewerten die Möglichkeiten einer externen Finanzierung im Vergleich zum Vorjahr als besser, 57 Prozent berichten von gleich bleibenden, 35 Prozent von schlechteren Bedingungen. Fast 23 Prozent der Befragten gaben an, mittlerweile überhaupt keine externe Finanzierung für Innovationen mehr zu erhalten, 56 Prozent der Firmen finanzieren entsprechende Projekte überwiegend aus dem Eigenkapital. Wesentliche Verbesserungen dieser angespannten Situation versprechen sich Unternehmen vor allem von einer Wiedereinführung der degressiven Abschreibungen (AfA).

  • Gute Noten gibt es für nationale Programme zur Förderung der Forschung. Ein knappes Drittel der Unternehmen haben in den vergangenen drei Jahren solche Programme genutzt, gut 80 Prozent dieser Firmen haben damit gute bis sehr gute Erfahrungen gemacht. Förderprogrammen der EU kommen hingegen nicht allzu gut an – 30 Prozent der Befragten beurteilen die Maßnahmen der EU als negativ oder gar als sehr negativ. Hier liegt augenscheinlich großes Verbesserungspotenzial.

  • Ein wesentlicher Bremsschuh für Innovationen ist für viele Betriebe die mangelnde Technologiefreundlichkeit in Deutschland. 31 Prozent der Befragten räumen darum der Förderung einer technologieoffenen Gesellschaft eine hohe Priorität ein. Bei größeren Unternehmen fällt dieser Wert mit 47 Prozent sogar noch deutlicher aus als bei KMU. Unternehmen sehen besonders in gemeinsamen Projekten -– unter anderem mit Schulen und Universitäten – gute Chancen, die Akzeptanz von Technik in unserer Gesellschaft zu verbessern.

Auch wenn die Unternehmer Handlungsbedarf bei diesen genannten Problemfeldern sehen, so zeugen die weiterhin expansiven Innovationspläne von der immer noch vorherrschenden Geschäftszuversicht und den insgesamt noch als gut eingeschätzten Rahmenbedingungen für Forschung, Entwicklung und Innovation am Standort Deutschland.