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25.07.2012

Autor: Anja Ettel

Die Euro-Krise belastet die Stimmung. Der Ifo-Index fällt zum dritten Mal in Folge. Die Vergangenheit lehrt: Nach einem dreifachen Rückgang des Ifo kippt die deutsche Konjunktur.

Die Euro-Krise lehrt die deutschen Unternehmer immer stärker das Fürchten. Der Ifo-Index, der die Stimmung von gut 7000 Managern erfasst, fiel im Juli zum dritten Mal in Folge – in der Welt der Wirtschaft gilt das als schlechtes Omen. In der Vergangenheit war es häufig so, dass nach einem dreifachen Rückgang des Ifo-Index die deutsche Konjunktur kippte.

Mit einem Rückgang von 1,9 Punkten auf 103,3 Zähler notiert das Stimmungsbarometer nun so schlecht wie seit März 2010 nicht mehr. Besonders auffällig ist zudem, dass die Unternehmenslenker nicht nur die aktuelle Geschäftslage, sondern auch die Aussichten für die kommenden drei Monate erneut pessimistischer einschätzen.

"Die Euro-Krise belastet zunehmend die Konjunktur in Deutschland", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Sein Institut rechnet daher damit, dass sich Deutschland bereits am Rande der Stagnation bewegt.

Wichtige Branchen pessimistischer

Als Warnzeichen gilt zudem, dass die pessimistischeren Einschätzungen über fast alle Branchen hinweg zunahmen: Dienstleister, Baufirmen, Großhändler und vor allem Industrie-Unternehmen schätzen ihre Aussichten deutlich skeptischer ein als noch vor ein paar Wochen.

Lediglich der Einzelhandel konnte sich dem Abwärtstrend bisher entziehen, dank Lohnzuwächsen und sinkender Arbeitslosigkeit brummt der Binnenkonsum. Hingegen bekommt gerade die wichtige deutsche Exportwirtschaft die Rezession in vielen Euro-Ländern immer stärker zu spüren.

Und auch die Weltkonjunktur schwächelt mehr als angenommen. "Es sieht so aus, als ob die deutschen Unternehmen endlich in der Krisen-Wirklichkeit angekommen sind", sagt ING-Ökonom Carsten Brzeski. "Die Immunität gegenüber der Euro-Krise schwindet definitiv – der Ifo-Index ist da nur ein Vorbote."

Harte Konjunkturdaten noch stabil

Allerdings sind es bisher nur die sogenannten weichen Konjunkturindikatoren, die sich rückläufig entwickeln: Dazu zählen Umfragewerte wie das Ifo-Barometer oder der Einkaufsmanager-Index, der in dieser Woche auf den tiefsten Stand seit drei Jahren fiel. Harte Konjunkturdaten wie Industrieproduktion, Nettoexporte oder das Neugeschäft in der Industrie entwickelten sich zuletzt hingegen stabil.

Doch eine wachsende Zahl von Ökonomen ist skeptisch, ob dieser Trend angesichts der sich verschärfenden Euro-Krise noch lange anhalten kann. "Das Risiko ist deutlich gestiegen, dass das deutsche Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal fallen wird", warnt etwa Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank.

Ähnlich äußert sich Konjunkturexperte Andreas Scheuerle von der Deka Bank:"Bis vor kurzem konnten die deutschen Unternehmen darauf vertrauen, Absatzprobleme auf dem Heimatmarkt Europa durch Exporte in den Rest der Welt aufzufangen. Mit den rückläufigen globalen Frühindikatoren müssen sie dies nun zumindest mit einem Fragezeichen versehen."

Ifo traut Deutschland noch Mini-Wachstum zu

Angesichts der schwierigen Lage traut das Ifo-Institut der deutschen Wirtschaft nur noch ein Mini-Wachstum zu. Sowohl im zweiten als auch im dritten Quartal werde das Bruttoinlandsprodukt nur um etwa 0,1 Prozent zulegen, hieß es. Anfang des Jahres lag das Wachstum in Deutschland noch bei 0,5 Prozent.

Trotz der sich verdüsternden Stimmung sieht die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose von 0,7 Prozent für dieses Jahr aber nicht in Gefahr. Der Ifo-Index zeige, dass die Unsicherheit im Euroraum gestiegen sei, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums.

Gleichwohl verfüge die deutsche Wirtschaft strukturell über eine hohe Wachstums- und Widerstandsfähigkeit. "Unsere Lage ist robust." Deshalb stünden die Chancen gut, dass sich die vorsichtige Wachstumseinschätzung der Bundesregierung aus dem Frühjahr bestätige.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer sind Ökonomen zufolge vor allem die Exporterwartungen, die sich zuletzt nur noch leicht eintrübten. Wichtigster Grund dafür ist der schwache Euro: Sinkt er, werden die deutschen Exporte in Übersee billiger.