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22.06.2012

Spaniens Finanzminister Cristóbal Montoro: Die Rezession im Land belastet nicht nur die Banken, sondern auch die Zahlungsfähigkeit des Staates. (Foto: picture alliance / dpa)

„Nachdem ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone erst einmal vom Tisch ist, dürften die Märkte in den nächsten Wochen ihr Augenmerk vor allem auf Spanien legen. Die Hoffnung auf einen Befreiungsschlag durch die Zusage von Hilfen zur Rekapitalisierung des spanischen Bankensektors hat sich nicht erfüllt“, schreibt Kathrin Clasen aus dem volkswirtschaftlichen Research der HSH Nordbank im Wochenbarometer vom 21. Juni.

Verunsichert seien die Anleger zum einen, da der Finanzbedarf im Bankensektor noch nicht endgültig geklärt sei, zum anderen, weil sich das Risiko für die bisherigen Gläubiger im Falle einer Mittelvergabe durch den Rettungsschirm ESM tendenziell erhöhe. Auch belaste die Rezession die Zahlungsfähigkeit des spanischen Staates. Gingen die von Spanien zu zahlenden Staatsanleiherenditen nicht zurück, müsse das Land wohl spätestens 2013 weitere Hilfen beantragen.

Der jüngste Anstieg der Renditen für zehnjährige Bundesanleihen sei bedingt durch eine Mischung aus Gewinnmitnahmen, Erleichterung über den – zumindest zunächst gesicherten – Verbleib Griechenlands in der Eurozone, weitere geldpolitische Maßnahmen der Notenbanken sowie Hoffnung auf Entscheidungen bei den anstehenden EU-Gipfeltreffen, so die Volkswirte der HSH Nordbank. „Für die kommende Woche rechnen wir angesichts der Vielzahl der politischen und konjunkturseitigen Baustellen nicht damit, dass sich der Renditeanstieg bei Bunds in dem zuletzt beobachteten Tempo fortsetzt“, so Kathrin Clasen. Mit den jüngsten schwachen Wirtschaftsdaten wie den Einkaufsmanagerindizes sei die Wahrscheinlichkeit für eine baldige Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank weiter gestiegen. Auch zusätzliche Maßnahmen der US-Notenbank wie neuerliche Anleihekäufe (Quantitative Easing, QE 3) seien mit der gestrigen Entscheidung zur Verlängerung der „Operation Twist“ nicht vom Tisch.

Der Euro habe zwar von dem Wahlausgang in Griechenland profitiert. Viel Luft für eine weitere Aufwertung gegenüber dem US-Dollar gebe es aber nicht, da die anstehenden Verhandlungen zwischen der neuen griechischen Regierung und der Troika kein Selbstgänger seien. Auch könne dabei deutlich werden, dass die zugrunde liegenden Probleme Griechenlands keinesfalls gelöst seien, auch wenn mit dem Wahlergebnis einmal mehr Zeit gewonnen wurde. Zudem zeichne sich bislang bezüglich der Einführung von Eurobonds/Eurobills, dem weiteren Vorgehen in Spanien und der Schaffung einer Bankenunion in der Eurozone noch keine Einigkeit ab. Die Unsicherheit werde daher hoch und der US-Dollar gesucht bleiben, so Kathrin Clasen von der HSH Nordbank.

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