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Wirtschaft

Neues Gesetz für berufliche Abschlüsse aus dem Ausland

08.05.2012

Angesichts des demografischen Wandels und fehlender Fachkräfte in einigen Segmenten des Arbeitsmarkts rücken für viele deutsche Unternehmen Arbeitnehmer mit im Ausland erworbenen Ausbildungen und Abschlüssen in den Fokus. Bisher waren die Regelungen für die Anerkennung solcher internationaler Prüfungen jedoch oft nur schwer zu überwindende Hürden. Vor diesem Hintergrund haben unter anderem Politik, Bildungsexpertinnen und -experten sowie Kammern und Verbände lange miteinander darüber gestritten, wie und in welchem Umfang im Ausland erworbene berufliche Ausbildungs- und Bildungsabschlüsse in Deutschland anerkannt werden können und sollen. Das bisweilen zähe Ringen ist vorerst zu Ende: Am 1. April 2012 trat das „Gesetz zur Verbesserung der Feststellung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen“ in Kraft. – Was verbirgt sich hinter diesem sperrigen Namen?

Abschlussfeier der Central European University in Budapest: Das neue Gesetz will mehr Transparenz für die Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüsse schaffen. (Foto: picture alliance / JOKER)

Viele Deutsche und nach Deutschland zugewanderte Menschen haben ihre beruflichen Qualifikationen und Abschlüsse, die am hiesigen Arbeitsmarkt häufig dringend gesucht werden, in anderen Ländern erworben. Die Bundesregierung geht davon aus, dass allein knapp drei Millionen Menschen mit Migrationshintergrund ihre berufliche Ausbildung und die entsprechende Abschlussprüfung im Ausland absolviert haben. Bislang war es für diese Menschen, aber auch für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, äußerst schwierig, derartige Qualifikationen und Abschlüsse durch die „deutsche Brille“ zu beurteilen. Denn vielfach konnten Fähigkeiten und formale Abschlüsse mit bundesdeutschen Berufskategorien und Ausbildungsstufen nicht in Einklang gebracht werden oder längst überholte gesetzliche Regelungen standen pragmatischen Lösungen im Wege. In der Folge konnten beispielsweise Dreher (Zerspanungsmechaniker), die ihren Beruf in der Türkei gelernt hatten, oft lediglich als Hilfskräfte eingesetzt werden und manch ein Arzt, der in Ungarn studiert hatte, verdingte sich in Deutschland als Taxifahrer. Der Grund: Ein immer noch geltendes Gesetz aus dem Jahre 1935 koppelte dessen Approbation in unserem Lande an die deutsche Staatsbürgerschaft.

Das Dickicht lichten

Durch die mit dem „Anerkennungsgesetz“ verbundene Neuregelung von mehr als 60 Gesetzen und Verordnungen stehen den betroffenen Menschen sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern jetzt erstmals nachvollziehbare und bundesweit weitestgehend einheitliche Kriterien zur Verfügung, mit denen berufliche Auslandsqualifikationen bewertet werden können. Erstmals haben Betroffene einen Rechtsanspruch, ihre ausländischen Berufsabschlüsse daraufhin prüfen zu lassen, inwieweit sie mit den 350 Ausbildungsberufen des bundesdesdeutschen dualen Ausbildungssystems gleichwertig sind.

Fällt diese Überprüfung, die ab dem 1. Dezember 2012 innerhalb von drei Monaten nach dem Antrag stattgefunden haben muss, positiv aus, werden im Ausland erworbene mit deutschen Abschlüssen – beispielsweise Gesellen- oder IHK-Prüfungen – gleichgesetzt. Ergibt die Überprüfung, die sich primär an erworbenen Qualifikationen und nicht mehr an formalen Bezeichnungen orientiert, dass ein „Umschreiben“ nicht möglich ist, soll den Antragstellern detailliert aufgezeigt werden, welche Qualifikationen sie zusätzlich benötigen, um Defizite auszugleichen und den deutschen Abschluss erhalten zu können. Neu ist auch, dass künftig Berufserfahrungen weitaus stärker in die Bewertung der Gleichwertigkeit einfließen, als es heute der Fall ist.

Keinen Flop riskieren

Damit das Verfahren nicht zu einem bürokratischen Monstrum wird, sollen die bereits bestehenden und funktionierenden Strukturen – also Kammern und entsprechende Behörden – zur Bewertung von im Ausland erworbenen beruflichen Qualifikationen genutzt werden. Speziell für die rund 300.000 erwarteten Antragstellerinnen und Antragsteller sowie für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber wurde das Internetportal „Anerkennung in Deutschland“ geschaffen (www.anerkennung-in-deutschland.de), auf dem unter anderem aktuelle Informationen, rechtliche Grundlagen und Verfahren sowie wichtige Ansprechpartner zu finden sind. Eine Telefonhotline (+49 30-1815-1111) sowie mehrsprachige Informationsmaterialien und regionale Anlaufstellen ergänzen dieses Angebot.

„Das Anerkennungsgesetz ist nicht nur ein wichtiger Baustein, um dem Fachkräftemangel zu begegnen“, so Bundesbildungsministerin Annette Schavan. „Für mich ist das auch eine Frage der Gerechtigkeit und des Respekts vor der Qualifikation eines Menschen.“