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10.04.2012

Für den Pressefokus „Unternehmensfinanzierung“ wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie hier eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen aus aktuellen Artikeln der deutschen Presselandschaft.

Blick auf Basels Innenstadt.

Blick auf Basel: Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (Hochhaus rechts im Bild) reformiert mit Basel III ab 2013 die Bankenregulierung. (Foto: Picture-Alliance/KEYSTONE)

Die strengeren Eigenkapitalregeln für Banken, wie sie Basel III vorsieht, werden Unternehmenskredite verteuern. Darin sind sich die von der WELT, dem Handelsblatt und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung befragten Experten einig. Anlass zur Spekulation liefert aber noch die konkrete Wirkung – ganz besonders auf den deutschen Mittelstand.

Das Handelsblatt hält den deutschen Mittelstand derzeit für „eigenkapitalmäßig gut gerüstet“. Das zeige ein Blick auf die jüngsten Erhebungen des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) auf Basis von 110.000 ausgewerteten Firmenbilanzen. „Die stetige Verbesserung der Eigenkapitalquoten ist der auffälligste Langzeittrend in den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen des deutschen Mittelstands“, zitiert die Zeitung aus der Untersuchung. Die derzeit gute Ertragslage nutzten viele Firmen, um Gewinne einzubehalten. Der überwiegend kreditfinanzierte Mittelstand sorge mit den Rücklagen für schlechtere Zeiten vor und nehme offensichtlich schon die härteren Eigenkapitalanforderungen für Banken nach Basel III vorweg, schätzt das Handelsblatt. 

Basel III verteuert Firmenkredite

Der Präsident des Verbandes „Die Familienunternehmer“, Lutz Goebel, sagt gegenüber dem Handelsblatt voraus, dass einige Unternehmen aufgrund von Basel-III-Regeln finanzielle Probleme bekommen werden. „Basel III wird dazu führen, dass der Firmenkredit durch die höhere Eigenkapitalunterlegung für einen größeren Teil von Unternehmen deutlich teurer wird“, glaubt Goebel. Betroffen seien „tendenziell Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als 20 Millionen Euro, wenn sie eine Eigenkapitalquote von weniger als 20 Prozent haben“, schätzt er. Größere Familienunternehmen mit ausreichend Eigenkapital sollten aber keine Probleme bekommen.  

Im Zuge der Basel-III-Einführung weist die WELT in einem Artikel darauf hin, wie wichtig die Qualität der Berichterstattung von Unternehmen gegenüber der Bank ist. Die Risikoeinschätzung hängt laut WELT auch davon ab, wie gut der Mittelständler sie informiert. Peter Bartels, Vorstandsmitglied und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand bei PricewaterhouseCoopers, rät in dem Artikel, der Bank jedes Quartal die Vergangenheitsdaten und Planzahlen vorzulegen. „Zusätzlich sollte die Geschäftsführung ihr Unternehmen, den Finanz- und Investitionsplan einmal im Jahr vor der finanzierenden Bank präsentieren“, sagt er der Zeitung. 

Das Regelwerk geht manchen zu weit

Nach Meinung von Alexander Wüerst, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Köln und Landesobmann der rheinischen Sparkassen, enthält Basel III allerdings noch so manche „Fehlsteuerungsimpulse“. Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagt er, noch immer würden die Risiken bei der Kreditvergabe an kleinere und mittlere Unternehmen überzeichnet. „Die Regulierung geht weit über jedes realistische Ausfallrisiko hinaus“, so Wüerst. Aufgrund der geltenden Vorschriften binde der klassische Mittelstandskredit heute schon mehr Eigenkapital, als tatsächlich nötig sei.

Auch die Solvency-II-Regeln, die ab 2014 das Risikomanagement der Versicherungsbranche verschärfen, haben „weitreichende Folgen für Unternehmen“. Das berichtet das Magazin Impulse auf der Basis einer Umfrage der Investmentgesellschaft Blackrock unter 220 europäischen Assekuranzhäusern. Solvency II wird laut dem Magazinartikel den Zugang zu Krediten für Firmen erschweren. Dabei soll ein Drittel der von Blackrock befragten Versicherer angegeben haben, sie würden künftig mehr in Unternehmensanleihen investieren. Doch in die von Mittelständlern wohl kaum, so Björn Stubinger, Partner und Leiter Corporate Finance der Unternehmensberatung Rödl & Partner. „Der Mittelstand wird zu den Verlierern von Solvency II zählen“, glaubt er.

Finanzierungsalternativen locken am Bondmarkt

Eine günstige Refinanzierung für Firmen ermöglichen Unternehmensanleihen, berichtet die Börsen-Zeitung. „Sie nutzen den Markt zur Sicherung von Liquidität.“ Laut dem Datendienstleister Dealogic hätten europäische Unternehmen bisher Bonds im Volumen von 165 Milliarden Dollar begeben, davon entfielen 22,7 Prozent auf Deutschland. Die Anleiheerlöse fließen nach Angaben der Zeitung vor allem in Investitionen und die Expansion in Asien. Es geht gerade in der Autoindustrie, so der Zeitungsbericht, auch um Refinanzierung und Absatzfinanzierung. Dabei seien längere Laufzeiten mit niedrigeren Coupons möglich. Diese Perspektiven sollten auch größere Mittelständler anlocken, die bisher vor dem Kapitalmarkt zurückschreckten. Die Süddeutsche Zeitung nennt auch einen Grund, warum immer mehr Unternehmen Anleihen emittieren: „Wir beobachten am Markt eine rückläufige Anzahl von Kreditinstituten gepaart mit rigiderer Kreditvergabe“, zitiert das Blatt Lutz Weiler, Vorstandschef der Investmentbank Equinet. Das erhöhe den Druck auf Unternehmen, sich alternative Finanzierungsinstrumente zu suchen. Börsengänge und Private-Equity-Finanzierungen ständen jedoch bei den Familienbetrieben derzeit nicht hoch im Kurs, was den Trend zum Bondmarkt verstärke. 

Private-Equity-Unternehmen müssen harte Nüsse knacken

Für Beteiligungsgesellschaften sei der deutsche Mittelstand jedenfalls kein reich gedeckter Tisch, auf dem man nur zugreifen müsse, schreibt das Handelsblatt nach einem Gespräch mit Hanns Ostmeier, Präsident des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Vielmehr finde man dort „harte Nüsse“, sagt er. Im laufenden Jahr werde das Geschäft nach Ostmeiers Meinung eher schwieriger werden, denn die Ausläufer der Finanzkrise hätten den Beteiligungsmarkt längst erreicht. Außerdem, so Torsten Krumm, Partner und Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft Odewald & Compagnie, schlage sich die Unsicherheit über die konjunkturellen Aussichten in den Unternehmensbewertungen nieder. 

Zur Methode

Der vorliegende Meinungsüberblick verschiedener Pressetitel beschreibt die Lage am Markt für Unternehmenskredite und alternative Finanzierungsformen für die Monate März und April (beobachteter Zeitraum: 9. März 2012 bis 5. April 2012). Unternehmer Positionen Nord wertet meinungsbildende Artikel von Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportalen mit Wirtschaftshintergrund aus und fasst diese für Sie zusammen. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung der Unternehmensfinanzierung zulassen. Im Überblick besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen. Insgesamt wurden 20 Artikel zwischen März und April 2012 aus folgenden Quellen ausgewertet: Börsen-Zeitung, Handelsblatt, Die WELT, WELT am Sonntag, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Financial Times Deutschland, Süddeutsche Zeitung, Impulse, VDI Nachrichten und FINANCE.

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