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Wirtschaft
19.04.2012

Im Frühjahr beginnt wieder die Saison der Volks- und Firmenläufe. Und
auch Marathonläufe erfreuen sich großer Beliebtheit: So findet Ende April
zum 27. Mal der Hamburg-Marathon mit Zehntausenden Läufern statt.
Unternehmer Positionen Nord sprach mit Prof. Dr. Christoph M. Bamberger,
dem Direktor des Medizinischen PräventionsCentrum Hamburg des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, über Sport, Bewegung und Gesundheit und warum immer mehr Unternehmer ihre Mitarbeiter zum Gesundheitscheck anmelden. 

Prof. Dr. Christoph M. Bamberger: „Ein guter Gesundheitscheck steht bei Mitarbeitern heute schon fast höher im Kurs als der Dienstwagen.“ (Foto: MPCH)

Wie beurteilen Sie solche sportlichen Aktivitäten aus medizinischer Sicht?

Rein medizinisch gesehen ist die Teilnahme an einem Marathonlauf eine Übertreibung. Es kommt zu einer Hemmung des Immunsystems und zu einem Abbau von Muskulatur, was sehr erfolgreichen Marathonläufern ja auch ohne Weiteres anzusehen ist. Andererseits kann so ein Marathon auch eine enorme Motivation sein, sportlich aktiv zu werden oder zu bleiben. Das muss jeder für sich selbst abwägen. Wenn man so etwas allerdings noch nie gemacht hat, ist eine medizinische Untersuchung vorher Pflicht.

Doch nicht nur Sport spielt eine große Rolle für die Gesundheit. Sie setzen verstärkt auf Prävention. Erklären Sie uns kurz, was Ihr Institut leistet?

Wir haben ein Vier-Stufen-Modell moderner Prävention entwickelt. Die erste Stufe und damit das Fundament sind umfangreiche Vorsorgeuntersuchungen, wie wir sie im Medizinischen PräventionsCentrum Hamburg in gehobenem Ambiente und mit maximaler Zeiteffizienz durchführen – ein kompletter Check-up dauert etwa fünf Stunden. Denn nur wenn man die individuellen Stärken und Schwächen eines Menschen identifiziert hat, kann man ihn individuell bezüglich Lebensstil (zweite Stufe), Medikamenteneinnahme (dritte Stufe) und Stressmanagement (vierte Stufe) beraten.

In welchem Alter sollte man sich das erste Mal durchchecken lassen?

Idealerweise mit 30 Jahren, um einen gesunden und normalen Ausgangsstatus zu erheben. Spätestens ab 40 sollte allerdings jeder einmal im Jahr zur Vorsorge gehen.

Viele Betriebe lassen ganze Abteilungen bei Ihnen untersuchen. Was erhoffen sich die Unternehmen davon?

Es geht darum, das allgemeine Gesundheitsbewusstsein im Betrieb zu stärken und den krankheitsbedingten Ausfall wichtiger Mitarbeiter zu vermeiden. Zudem kommt der Incentive-Gedanke ins Spiel: Die Unternehmen möchten wertvolle Mitarbeiter gewinnen und an sich binden. Ein guter Gesundheitscheck steht heute schon fast höher im Kurs als der Dienstwagen.

Was können Unternehmen darüber hinaus für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun?

Zusätzlich zu den Vorsorgeuntersuchungen sollte ein innerbetriebliches Gesundheitsmanagement etabliert werden, das zu gesünderem Verhalten motiviert. Die Förderung von regelmäßiger Bewegung, vielleicht sogar durch einen eigenen Fitnessraum im Betrieb, gehört ebenso dazu wie Raucherentwöhnungskurse oder Angebote für ein Entspannungstraining.

Das Thema Burn-out ist in aller Munde. Beobachten Sie in Ihrer Arbeit bestimmte Branchen, in denen solche Probleme gehäuft vorkommen?

Nein, die Zunahme dieses Phänomens ist quer durch alle Branchen zu beobachten. In Krisenzeiten sehen wir natürlich häufiger Patienten mit Burn-out, da hier neben dem chronischen Stress auch noch existenzielle Ängste hinzukommen.

Sind Führungskräfte besonders gefährdet?

Ganz eindeutig ja. Denn neben harter Arbeit, die ja auf allen Ebenen geleistet wird, kommt bei Führungskräften noch das Verantwortungsgefühl als chronischer Stressor hinzu. Und das ist durch bessere Bezahlung erfahrungsgemäß nicht vollständig zu kompensieren.

Viele Bereiche in unserem Leben werden immer individueller. Ein Trend, der sich auch in der Medizin bemerkbar macht?

Ja, man spricht sogar ganz explizit von individualisierter Medizin. Inzwischen haben sich auch bereits entsprechende Fachgesellschaften gebildet. Damit sind wir auch wieder bei unserem Vier-Stufen-Modell: erst die Diagnostik, dann die Entscheidung darüber, wie cholesterinarm jemand wirklich leben soll. Oder wie viel Alkohol er trinken darf. Oder ob er Vitamin D einnehmen muss.

Das Thema Gesundheit spielt in den Medien eine immer stärkere Rolle. Entwickelt sich unser Wohlbefinden zu einem neuen Statussymbol?

Ganz eindeutig ja, und das ist auch zu begrüßen. Denn nur was sich zu einem Statussymbol entwickelt, wird sich schließlich auch auf breiter Ebene gesellschaftlich durchsetzen, siehe Auto und Handy. Als eine alternde Gesellschaft brauchen wir dringend ein ausgeprägteres Gesundheitsbewusstsein, andernfalls droht unseren Sozialsystemen der Kollaps. Gleichzeitig muss es uns natürlich gelingen, Kranke nicht zu diskriminieren – hierin liegt eine große Herausforderung.

Was sind Ihre Tipps für ein langes und möglichst beschwerdefreies Leben?

Bewegung, Bewegung und nochmals Bewegung. Denn was ich gerne als „toxisches Sitzen“ bezeichne, ist vermutlich die größte Gesundheitssünde unserer Zeit.

 

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