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Wirtschaft
13.04.2012

IWF-Managing Director Christine Lagarde: Eine aktuelle Analyse des Internationalen Währungsfonds widmet Asset-Preisblasen ein ganzes Kapitel. (Foto: picture alliance / dpa)

Die rekordtiefen Zinsen, welche die Bunds in den letzten Tagen erreichten, sind vor allem auf die Flut an Zentralbankliquidität zurückzuführen. Die EZB muss aufpassen, dass dieser Liquiditätstsunami die Finanzmärkte am Ende nicht destabilisiert, meint der Chefvolkswirt der HSH Nordbank im Wochenbarometer.

Asset-Preisblasen, das war bislang für den Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Phänomen, das – ganz in der angelsächsischen Tradition – tunlichst kleingeredet wurde. Umso überraschender, dass der IWF diesem Thema – wenn auch etwas verklausuliert – in seinem jüngsten Finanzmarktstabilitätsbericht ein ganzes Kapitel widmet. Schade nur, dass die IWF-Analyse die falschen Schwerpunkte setzt und die Schlussfolgerungen am Kern der Problematik vorbeilaufen.

Die Kernaussage des IWF-Berichts ist folgende: Während immer mehr Anleger auf der Suche nach dem sicheren Hafen sind und entsprechende Wertpapiere in ihr Portfolio nehmen wollen, sinkt das Angebot ebensolcher Wertpapiere. Wozu das führt, kann man beispielsweise bei den deutschen Bunds beobachten: In der vergangenen Woche rentierten die zehnjährigen Bunds zeitweise bei unglaublich niedrigen 1,65 Prozent. Diese Konzentration der Anleger auf die wenigen sicheren Assets gefährde die Finanzmarktstabilität, sagt der IWF. Das ist vollkommen richtig. Aber warum fordert der IWF vor allem von den Regulierungsbehörden – Stichwort Basel III und verschärfte Liquiditätsanforderungen – ein Umdenken und nicht von den Zentralbanken?

Denn ein entscheidender Grund für die extrem hohe Bewertung von deutschen Bunds, US-Treasuries und britischen Gilts – also den wenigen verbliebenen vermeintlich sicheren Staatsanleihen – ist der durch die Zentralbanken ausgelöste Liquiditätstsunami. Die entsprechenden Wellen suchen sich ihren Weg und drängen in die sicheren Häfen – bis diese gemessen an den Realitäten völlig überbewertet beziehungsweise nicht mehr sicher sind. Auf die Idee, von den Zentralbanken zu fordern, diesen Wellen Nahrung zu entziehen, kommt der IWF nicht. Er will es wohl auch nicht und bleibt sich und seiner angelsächsischen Tradition damit letztlich doch treu.