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27.04.2012

Für den Pressefokus zum Thema Mittelstand wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftsschwerpunkt aus. Auf einen Blick erhalten Sie hier eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen aus aktuellen Artikeln der deutschen Presselandschaft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Chinas Premierminister Wen Jiabao eröffnen gemeinsam die Hannover Messe 2012. China spielt dort nicht nur als Partnerland eine zentrale Rolle. (Foto: picture alliance / dpa)

Deutschlands Unternehmen rechnen weiterhin mit Wirtschaftswachstum – trotz oder gerade wegen der mächtigen Konkurrenz aus China. Einerseits bereiten die chinesischen Handels- und Ausfuhrbeschränkungen den deutschen Konzernen Probleme, berichtet Ulrich Grillo, Vizepräsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie und Vorstandsvorsitzender der Grillo-Werke. Andererseits profitiere Deutschland vom Außenhandel mit Asien, erklärt Anton Börner, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen. Auf der ganzen Welt führe wirtschaftlich kein Weg mehr an China vorbei – auch wenn das Wirtschaftswachstum der Volksrepublik an Kraft verliere. Europa und China messen daher immer mehr ihre Kräfte, fasst das Handelsblatt die Situation zusammen.

So gut war die Einschätzung der eigenen wirtschaftlichen Lage deutscher Unternehmer seit der Wende nicht mehr, berichtet die WELT auf Basis aktueller Einschätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Allerdings stehe diesen optimistischen Einschätzungen eine Vielzahl von Risiken entgegen. Kleine und mittelständische Unternehmen machten sich derzeit erhebliche Sorgen um die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise. Laut WELT sind die Befürchtungen im Verkehrsgewerbe und im Chemiebereich extrem hoch, dass zusätzliche Kosten die eigene wirtschaftliche Entwicklung gefährden könnten.

Einem Bericht des Handelsblatts zufolge beuteln steigende Rohstoffpreise Unternehmen in allen Branchen. „Dies wird über kurz oder lang zu existenziellen Problemen bei einer Vielzahl mittelständischer Unternehmen führen“, sagt Hermann Bühlbecker, Inhaber der Lambertz-Gruppe, der Zeitung. Viele hätten zudem erheblichen Nachholbedarf bei der Absicherung von Risiken. Entscheidend sei, die eigenen Risiken nicht nur genau zu kennen, sondern sie bewusst in das Geschäftsmodell einzubauen, rät Lars Immerthal, Rohstoff- und Risikoexperte der Einkaufsberatung Brainnet Supply Management Group.

„Der Rohstoffhandel ist gestört“, meint der Vizepräsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ). Man müsse sich nur die Liste der Handelsbeschränkungen anschauen. Rohstoffe würden immer mehr zu einem Politikum – nicht nur weil China seine Ausfuhren beschränke. „Zuletzt wurden weltweit mehr als 1.200 Exportbeschränkungen gezählt“, weiß Grillo.

Unternehmer setzen auf Rohstoffeffizienz

Die begrenzte Rohstoffausfuhr aus China ist laut dem Magazin impulse eine Gefahr für Wirtschaft, Wachstum und Wertzuwachs in Deutschland. Und dies, obwohl zum Beispiel seltene Metalle auch ersetzbar und recycelbar seien und mittlerweile effektiver verarbeitet würden. Wegen knapper Rohstoffe und dem kostspieligen Strom versuche die deutsche Industrie, effizienter zu wirtschaften, berichtet auch die SZ. Doch die dazu nötigen Investitionen schreckten viele Firmen ab. Denn die meisten Einkaufsabteilungen wollten die Zusatzkosten für sogenannte grüne Anlagen in nur drei Jahren wieder hereinbekommen, weiß Naemi Denz, Geschäftsführerin beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Dennoch könnten sich die Unternehmen dem Thema nicht verschließen. „Weniger Verbrauch von Material, Wasser und Schmierstoffen – diese drei Themen kommen gerade“, so Denz.

Der effiziente Umgang mit Ressourcen ist auch ein Entscheidungskriterium für professionelle Investoren – zum Beispiel für Fondsmanager, so die Financial Times Deutschland (FTD). „Je besser Unternehmen ihre Rohstoffkreisläufe schließen, desto weniger Geld müssen sie für neue Rohstoffe ausgeben“, zitiert die Zeitung dazu Erol Bilecen, Leiter Kundenservice der Bank Sarasin.

Neben den direkten Vorteilen einer ressourcenschonenden Produktion kann die Energie- und Umwelttechnik auch für fachfremde Unternehmen ein lohnendes zweites Standbein werden. So produziert die Familie Ritter nicht nur Schokolade, sondern ist auch Pionier in der Solarthermie, berichtet die FTD. Ritter habe bereits 1988 ein eigenes Unternehmen für erneuerbare Energien gegründet. In der zersplitterten Solarthermiebranche zähle Ritter mit rund drei Prozent Weltmarktanteil zu den größten Playern. In Europa seien außerdem noch die Heizungsbauer Vaillant und Bosch aktiv, denen Ritter zum Teil Technik zuliefere.  

Chinas Wirtschaftswunder verliert an Kraft

Aus dem unternehmerischen Fokus rückt laut Börsen-Zeitung hingegen das Wirtschaftswachstum in den Schwellenländern. „Viele Unternehmen sehen nach der Krise […] Nachholbedarf in ihren Heimatmärkten“, zitiert das Blatt Sascha Haghani, Partner und Leiter Corporate Finance bei der Unternehmensberatung Roland Berger. Außerdem setze sich bei vielen Unternehmen die Erkenntnis durch, dass auch in den Schwellenländern ein permanenter Aufwärtstrend nicht nachzuhalten sei. „Abschwung nach Plan“, titelt anlässlich der Konjunkturdämpfung in China das Handelsblatt. In den Bilanzen deutscher Unternehmen könnte dies Bremsspuren hinterlassen, sagt der frühere Siemens-Chef Heinrich von Pierer der Zeitung. „Unsere Autohersteller sind noch auf dem Vormarsch, andere Branchen werden sich vielleicht mehr nach Amerika wenden.“

Deutschlands Exporte stehen vor Allzeithoch

Ungeachtet der gedämpften Wachstumsaussichten für China ist aber auch Deutschland laut Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) wieder auf dem Vormarsch. Einer Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zufolge erreicht das Stimmungsbarometer im deutschen Mittelstand trotz Euroschuldenkrise einen neuen Höchstwert, berichtet die Zeitung. Ein Artikel des Magazins Capital stellt dazu folgende These auf: „Anders als etwa Briten und Amerikaner haben die Deutschen noch ein gesundes verarbeitendes Gewerbe, mit wettbewerbsfähigen Kernbranchen und starken Marken.“ Auch deshalb könnte Deutschlands Außenhandel vor einem Rekord stehen. Noch in diesem Jahr sollen die Exporte auf ein Allzeithoch steigen, schätzt Anton Börner, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), laut FAZ. Da auch die Importe kräftig anziehen sollen, werde Deutschland 2012 erstmals in seiner Geschichte ein Außenhandelsvolumen von circa zwei Billionen Euro erzielen. Deutschland gehöre damit zu den größten Profiteuren des Asienbooms und wachse in dessen Windschatten.

Kräftemessen mit China

Die Wirtschaftsmacht Asiens bereitet Unternehmern aber auch Sorgen. Europa und China messen immer mehr ihre Kräfte, schreibt zum Beispiel das Handelsblatt. Die deutschen Unternehmen merkten dies täglich. Und schon fordert der Maschinenbau-Verband VDMA seine Mitglieder auf, rasch auf die Wettbewerbsstärke chinesischer Konkurrenten zu reagieren. „China baut eine innovative Investitionsgüterindustrie auf, die den Wettbewerbsdruck auf deutsche Technologieführer erhöht“, wird dazu Georg Erber, Ökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, zitiert.

Probleme mit der chinesischen Wirtschaft entstehen auch durch Intransparenz, Produktpiraterie und Rechtsunsicherheit. Das geht aus einem Bericht der FTD anlässlich der Hannover Messe hervor. „Als Unternehmer in China mitzumachen ist gefährlich, aber es gibt dazu für uns keine Alternative“, wird Hans-Jochen Beilke, Chef des mittelständischen Unternehmens ebm-papst, von der FTD zitiert. Jeder Unternehmer müsse eine Strategie festlegen, wie er mit dem riesigen chinesischen Markt und der dortigen Konkurrenz umgehen wolle, rät VDMA-Präsident Thomas Lindner in einem Interview mit der FAZ. „Ich würde jedem Unternehmen empfehlen, nicht ‚learning by doing‘ zu machen“, so Lindner. Zuerst müssten der Markt und die benötigten Produkte intensiv untersucht werden. Erst danach sollten Unternehmen die individuelle Eintrittsstrategie wählen.

Zur Methode

Der vorliegende Meinungsüberblick verschiedener Pressetitel beschreibt die Lage des deutschen Mittelstands für die Monate März und April (beobachteter Zeitraum: 22. März 2012 bis 26. April 2012). Unternehmer Positionen Nord wertet meinungsbildende Artikel von Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportalen mit Wirtschaftshintergrund aus und fasst diese für Sie zusammen. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung des deutschen Mittelstands zulassen. Im Überblick besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken und Unternehmen. Insgesamt wurden 55 Artikel aus folgenden Quellen ausgewertet: Börsen-Zeitung, DIE WELT, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Handelsblatt, Financial Times Deutschland, Süddeutsche Zeitung, Spiegel-Online, impulse.