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Wirtschaft

Deutschlands Wirtschaft stemmt sich gegen die Krise

02.03.2012

Für den Pressefokus zum Thema Mittelstand wertet Unternehmer Positionen Nord regelmäßig meinungsbildende Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportale mit Wirtschaftshintergrund aus. Auf einen Blick erhalten Sie hier eine Auswahl fundierter Expertenmeinungen und konträrer Einschätzungen aus aktuellen Artikeln der deutschen Presselandschaft.

Handwerker auf der Hannover Messe: Die Nachfrage nach Erzeugnissen „Made in Germany“ ist zuletzt wieder gestiegen. (Foto: picture alliance / dpa)

Die mittelständischen Unternehmer erleben derzeit eine leichte Schwächephase auf sehr hohem Niveau. Peter Englisch, Mittelstandsexperte bei Ernst & Young, spricht gegenüber der Nachrichtenagentur dpa auch von „Krise light“. Mit ihren qualitativ hochwertigen, innovativen Produkten und Dienstleistungen kann sich die deutsche Wirtschaft den Rezessionstendenzen in vielen Teilen Europas entziehen.

„Die Euro-Zone steckt in der Rezession – doch Deutschland trotzt dem Abschwung mit starken Exportzahlen“, berichtet Spiegel-Online auf Basis einer Datenerhebung des Bundeswirtschaftsministeriums. Die hohe Nachfrage aus dem Ausland habe der heimischen Industrie im Dezember 2011 ein unerwartet kräftiges Auftragsplus beschert. Die Bestellungen aus dem Ausland im Dezember legten demnach um 4,3 Prozent gegenüber dem Vormonat zu, während Aufträge aus dem Inland um 1,4 Prozent fielen. „Gefragt waren vor allem Investitionsgüter, zu denen die klassischen deutschen Exportschlager Maschinen und Fahrzeuge gehören“, so Spiegel-Online. Deutschlands Mittelständler sind einer Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young zufolge mit ihrer Geschäftslage so zufrieden wie seit vielen Jahren nicht mehr, meldet die Nachrichtenagentur dpa. „Die europäische Schuldenkrise ist bislang nicht im deutschen Mittelstand angekommen“, wird Peter Englisch, Leiter des Expertenteams Mittelstand bei Ernst & Young, von dpa zitiert. Wenn überhaupt erlebten wir derzeit eine „Krise light“, also eine leichte Schwächephase auf sehr hohem Niveau.

Wachstumschancen liegen im Export

Die Deutsche Welle berichtet über neue Exportmärkte für den deutschen Mittelstand. Sie zitiert Michael Pfeiffer, Chef von Germany Trade & Invest, mit der Einschätzung, vor allem Indonesien biete „tolle Einstiegschancen“. Das rohstoffreiche Land habe dreimal so viele Einwohner wie Deutschland – „ein riesiger Binnenmarkt“, fügt die Deutsche Welle im Bericht hinzu. Gefragt seien Maschinen, Anlagen, chemische Produkte, Nahrungsmittel, Autos, Autoteile und umwelttechnische Ausrüstungen aus Deutschland, so Pfeiffer. 

Doch was wird aus „Made in Germany“? Diese Frage stellt eine Reportage im Tagesspiegel. Die Europäische Union diskutiere derzeit strengere Regeln für das Siegel, das für Langlebigkeit, Qualität und Innovation stehe. EU-Kommissar Algirdas Šemeta wolle es nur noch für Produkte zulassen, bei denen mindestens 45 Prozent der Wertschöpfung in Deutschland erfolgt. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Hans-Heinrich Driftmann, warnt laut Tagesspiegel vor immensen Schäden für die deutsche Wirtschaft, sollte die EU damit Ernst machen. Einen Grund nennt Justus Haupt, Leiter des Instituts für Wettbewerbsökonomie der Universität Düsseldorf: Die Zahlungsbereitschaft der Kunden für Produkte „Made in Germany“ sei durchweg höher. 

Deutschland steht auch für Innovationskraft

Im sogenannten Innovationsindikator 2011 ist die Bundesrepublik laut einem Artikel in der Börsen-Zeitung (BöZ) auf den vierten Platz geklettert. Vor zwei Jahren stand Deutschland noch auf Platz neun. „Das sind gute Nachrichten, denn Innovationen sind einer der wichtigsten Treiber unserer Wirtschaft“, so Klaus Helmrich, Chief Technology Officer und Vorstandsmitglied der Siemens AG in der BöZ. „Die deutsche Industrie ist die leistungsfähigste der Welt“, sagt auch der Wirtschaftsexperte Bert Rürup im Interview mit dem Magazin Stern. „Unsere Ökonomie ist bestens aufgestellt. Der Economist lobt uns als ‚Motor Europas‘, der Italiener Romano Prodi glaubt sogar, das wirtschaftlich wiedererstarkte Deutschland sei das ‚neue China‘.“ Laut Rürup sei Deutschland Gewinner einer neuen Phase der Globalisierung.

Immer mehr kapitalstarke chinesische Investoren wollen laut Stuttgarter Zeitung auf dem deutschen Markt aktiv werden. Allerdings gebe es keine offiziellen Zahlen, da viele der Beteiligungen, vor allem im deutschen Mittelstand, sich auf eine Minderheit beschränkten und daher nicht gemeldet würden, so das Blatt. Besonders beliebt bei den Einkäufern aus Fernost seien deutsche Autozulieferer. „Chinas wirtschaftlicher Aufstieg ist eine Chance und keine Bedrohung für die deutsche Wirtschaft“, wird dazu DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben von der Tageszeitung zitiert.

Der europäische Arbeitsmarkt soll flexibler werden

Eine Pressemitteilung der Jobbörse Monster zitiert die durch das Unternehmen selbst in Auftrag gegebene Studie „Recruiting Trends im Mittelstand 2012“. Danach haben deutsche Unternehmen derzeit auch mit dem demografischen Wandel und einem daraus resultierenden Fachkräftemangel zu kämpfen. „Neun von zehn Unternehmen erwarten, dass es in diesem Jahr noch schwieriger sein wird, geeignetes Personal zu finden“, so die Pressemitteilung. „Unternehmen müssen neue Wege gehen, um die richtigen Kandidaten zu finden“, so Bernd Kraft, Vice President General Manager CE bei Monster. 

„Der demografische Wandel wird zum akuten Risikofaktor“, titelt die DVZ Deutsche Logistik-Zeitung. Zum Beispiel im Speditionsgewerbe mangele es nicht nur an Fahrern, auch Auszubildende seien inzwischen schwer zu gewinnen. Als einen Grund nennt Timo Conrad, Geschäftsführer der Spedition ERA, den Wegfall der Wehrpflicht: Immer weniger Menschen legten sich den Führerschein zu, denn der koste 7.000 bis 8.000 Euro, zitiert ihn die DVZ. 

Die deutsche Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen will flexiblere Arbeitsmärkte in Europa, meldet ZEIT-online. Während Deutschland die Leute ausgingen, kämpfe Spanien mit einer Jugendarbeitslosigkeit von rund 50 Prozent. „Es liegt auf der Hand, dass wir die Probleme auf dem europäischen Arbeitsmarkt gemeinsam lösen müssen“, sagt die Ministerin im Interview mit der ZEIT. „Europa muss mobiler werden“, steht im Hamburger Abendblatt über einer Kolumne von Professor Klaus F. Zimmermann, Direktor des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit. Um den Wirtschaftsraum und den Euro an die Spitze zu bringen, sei ein gemeinsamer Arbeitsmarkt Voraussetzung. So sollten zum Beispiel die Arbeitsagenturen in den Ländern des Währungsraums stärker kooperieren und eine europäische Jobbörse schaffen. „Wir brauchen mehr Servicestellen, die Wanderungswillige frühzeitig beraten und bei der beruflichen Neuorientierung begleiten“, so Zimmermann. 

Gleichzeitig steigt die Zahl der Ingenieurstudenten, so die WELT am Sonntag (WamS). Dennoch könnten viele Stellen nicht besetzt werden. Der Bundesverband Deutscher Ingenieure (VDI) zähle in Deutschland insgesamt 99.000 offene Stellen. In Hamburg seien aktuell 6.400 Stellen nicht besetzt. „Der größte Bedarf herrscht in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen“, wird Peter Dibowski, Vorstand des Hamburger VDI-Bezirksvereins, von der WamS zitiert. 

Einzelhandel: Rohstoff- und Energiepreise drücken auf die Margen

Die Lebensmittelbranche präsentiert mit einem Umsatz von 162,2 Milliarden Euro im vergangenen Geschäftsjahr 2011 Rekordzahlen, steht in der Financial Times Deutschland (FTD). Jubelstimmung komme dennoch nicht auf. „Denn die kontinuierlich steigenden Rohstoffpreise ließen nicht viel übrig von dem starken Wachstum“, ordnet der FTD-Artikel ein. Die Bedingungen auf der Beschaffungsseite sollen sich nach Aussage von Sabine Eichner, Geschäftsführerin der Bundesvereinigung der deutschen Lebensmittelhersteller (BVE), weiter verschärfen: „Die Lebensmittelpreise in Deutschland werden steigen“, wird sie von der FTD zitiert, „aber wir werden die gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise nicht eins zu eins weitergeben können.“

Die Agentur für Finanznachrichten awp International zitiert Werner Warthorst, Branchenexperte der HSH Nordbank, wonach der deutschen Lebensmittelindustrie eine Marktbereinigung bevorsteht. Dem Bericht zufolge steht jeder vierte Lebensmittelhersteller vor dem Aus.

Maschinenbau: Verschnaufpause statt Abschwung

„Die Wachstumsprognose für die Maschinenbaubranche musste nach unten angepasst werden“, heißt es im  Handelsblatt. „Wir revidieren unsere Prognose von plus vier Prozent auf null“, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Thomas Lindner, der Zeitung. Die Prognose für 2012 sei intern heftig diskutiert worden. Die Lage in den Betrieben sei weiter gut, die Unternehmer blickten optimistisch nach vorn. „Sie werten die aktuelle Situation eher als Verschnaufpause und nicht als zyklischen Abschwung“, meint Lindner daher. 

Solarbranche: Staatliche Förderung wird knapp

 Laut einem Bericht des Nordfriesland Tageblatts verunsichert die Bundesregierung die Solarbranche: Nach dem Willen von Umweltminister Norbert Röttgen und Wirtschaftsminister Philipp Rösler soll zum 9. März die staatliche Förderung von Solarenergie um bis zu 30 Prozent gekürzt werden. „Ursprünglich war eine Absenkung der staatlichen Zahlungen um 15 Prozent von Juli an geplant“, steht in dem Blatt. Sollte die Solarförderung wirklich im geplanten Umfang gekappt werden, „dann ist der Markt platt“, befürchtet Dennis Köster, Elektrotechniker aus Hattstedt.

Zur Methode

Der vorliegende Meinungsüberblick verschiedener Pressetitel beschreibt die Lage des deutschen Mittelstands in den Monaten Januar und Februar (beobachteter Zeitraum: 26. Januar 2012 bis 27. Februar 2012). Unternehmer Positionen Nord wertet für Sie meinungsbildende Artikel von Zeitungen, Fachzeitschriften und Onlineportalen mit Wirtschaftshintergrund aus und fasst diese für Sie zusammen. Dabei werden mittel- bis langfristige Trends herausgearbeitet, die Schlüsse auf die zukünftige Entwicklung im deutschen Mittelstand zulassen. Im Überblick besonders berücksichtigt werden Zitate von Experten aus Banken, Unternehmen und Verbänden. Auf Basis der zitierten Meinungen und Pressestimmen können Leser eine eigene Position zu den Themen des deutschen Mittelstands beziehen. Insgesamt wurden 26 Artikel zwischen Januar 2012 und Februar 2012 ausgewertet. Folgende Medien lieferten zum Thema deutscher Mittelstand relevante Treffer: Die WELT, WELT am Sonntag, Financial Times Deutschland, Der Tagesspiegel, Börsen-Zeitung, Handelsblatt, Stern Magazin, Hamburger Abendblatt, Süddeutsche Zeitung, Weser Kurier, Stuttgarter Zeitung, Salzburger Nachrichten, Elmshorner Nachrichten, Nordfriesland Tageblatt, Die Presse, Deutsche Welle, Spiegel-Online, ZEIT-Online, Gefahr/gut, Lebensmittel Zeitung, DVZ Deutsche Logistik-Zeitung, Industrieanzeiger, dpa-AFX, news aktuell, awp Finanznachrichten.