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20.02.2012

Die Geldpolitik in Europa und in den USA verfolgt zwei verschiedene Strategien – beide sollen die Konjunktur im jeweiligen Währungsraum ankurbeln.

Ben Bernanke, Chef der US-Zentralbank, steht wegen seiner Geldpolitik in der Kritik. (Foto: picture alliance / dpa)

Die Europäische Zentralbank (EZB) habe bis jetzt alles richtig gemacht, ist in der Publikation „Rententrends“ der HSH Nordbank nachzulesen. Durch ihre großzügige Liquiditätsversorgung hätten sich die Finanzierungsbedingungen für Länder der Eurozone und die Banken signifikant verbessert. Allerdings sei die Griechenland-Problematik weiterhin ungelöst und Rückschläge daher vorprogrammiert. In den USA sei dagegen eine moderate konjunkturelle Erholung zu beobachten. Sorge bereitet den Analysten der HSH Nordbank allerdings die aggressive Geldpolitik der US-Notenbank. Letztere dürfe dazu beitragen, dass der Euro gegenüber dem US-Dollar in den nächsten Monaten tendenziell freundlich tendiere.

Quelle: HSH Nordbank Volkswirtschaft & Research

Grund zur Besorgnis gibt derzeit die Kreditentwicklung, schreibt HSH-Analystin Kathrin Clasen. „Umfragen deuten auf eine merkliche Verschärfung der Kreditvergabebedingungen hin“, so Clasen. Die EZB dürfte daher ihr Hauptaugenmerk in nächster Zeit darauf richten, eine Kreditklemme in der Eurozone zu verhindern. Die jüngsten Lockerungen ihrer Standards für Notenbanksicherheiten sowie der Ende Februar anstehende zweite Drei-Jahres-Tender zielen nach der Analyse von Frau Clasen bereits darauf ab. In diesem Umfeld sollten die Renditen der Bunds nur moderat steigen.

In den USA könnten Preisblasen platzen

Die Notenbankpolitik der USA erinnere an einen Arzt, der einem bereits genesenden Patienten eine immer höhere Medikation verabreiche, legt HSH-Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia dar. Preisblasen an den Vermögensmärkten seien grundsätzlich vorprogrammiert, der Zeitpunkt ihres Platzens aber nur schwer vorherzubestimmen. Damit bleibe Unsicherheit im Markt und die Anleger dürften sich nur relativ vorsichtig von US-Staatsanleihen verabschieden, wodurch die Renditen nur langsam steigen sollten, so die Prognose von de la Rubia.

HSH-Analystin Sintje Boie sieht den Euro gegenüber dem US-Dollar durchaus im Aufwind, weist aber auf signifikante Rückschlagrisiken im Zusammenhang mit Griechenland hin. Unterstützt werden solle der Euro dadurch, dass die EZB vermutlich früher als die US-Notenbank ihre Geldpolitik wieder normalisiere. Auch beim Britischen Pfund verweist Boie auf die Zentralbankpolitik, die in Großbritannien im Zuge neuer Staatsanleiheankäufe erneut gelockert wurde und die wahrscheinlich länger als die EZB überaus expansiv bleiben wird. Das Britische Pfund sollte daher leicht abwerten.