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Wirtschaft

Ist das zweite Rettungspaket für Griechenland der Wendepunkt der Schuldenkrise?

28.02.2012

Obwohl Skepsis über das Griechenlandpaket angebracht ist, sind die Vereinbarungen und insbesondere der Schuldenschnitt ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung der Eurozone, meint Cyrus de la Rubia.

Protest in Athen: Grafitti am Gebäude der Bank of Greece. (Foto: picture alliance / dpa)

Protest in Athen: Grafitti am Gebäude der Bank of Greece. (Foto: picture alliance / dpa)

Man kann eigentlich nur reserviert auf die Verabschiedung des zweiten Rettungspakets für Griechenland reagieren. Die eklatanten Zielverfehlungen, die die Troika seit dem ersten Rettungspaket beobachten musste, lassen keinerlei Euphorie über die Beschlüsse vom 21. Februar zu. Die gleich im Anschluss an die Veröffentlichung des Abkommens erfolgte Bekanntgabe, dass Hellas das vereinbarte Budgetdefizit nicht wird einhalten können, sorgte auch durchaus für Ernüchterung. Und dennoch sehen wir in den Beschlüssen ganz wesentliche Fortschritte auf dem Weg zu einer Stabilisierung der Eurozone.

Erstens zeigt die Fähigkeit, diese Vereinbarung zu treffen, dass die Entschlossenheit und der Wille zur Einheit der Eurozone größer sind, als man dies gemeinhin noch annehmen konnte. Zwar werden noch einige nationale Parlamente dem Paket zustimmen müssen. Hier deutet sich zum jetzigen Zeitpunkt aber kein Sperrfeuer an.

Zweitens ist mit der Vereinbarung endlich die Umschuldung der von privaten Anlegern gehaltenen Griechenlandanleihen auf den Weg gebracht worden, ohne dass hier mit größeren Verwerfungen gerechnet werden muss. Einige Marktbeobachter sind der Meinung, dass sich durch die Ankündigung eines Schuldenschnitts Mitte letzten Jahres die Krise verschärft hätte. Diese Ansicht blendet aber vollkommen aus, dass es der Öffentlichkeit schlichtweg nicht hätte vermittelt werden können, weitere Milliarden an Griechenland zu gewähren, ohne den privaten Sektor signifikant an den Verlusten zu beteiligen.

Und drittens wird durch die Beschlüsse auf die positive Marktdynamik der letzten Wochen aufgesetzt, die durch das langfristige Tendergeschäft der Europäischen Zentralbank (EZB) im Dezember letzten Jahres in Gang gebracht wurde (am 29. Februar folgt das zweite Dreijahresgeschäft der EZB). Die Bewertungen für italienische und spanische Anleihen sind seit den Beschlüssen weiter gestiegen. So wie sich negative Marktdynamiken verstärken und in eine länger anhaltende Abwärtsbewegung münden können, kann dies mit umgekehrten Vorzeichen auch bei positiven Marktdynamiken der Fall sein. Das gilt vor allem dann, wenn die Entwicklung noch durch fundamentale Entwicklungen wie etwa den Schuldenschnitt, die radikale Arbeitsmarktreform in Spanien und wichtige Strukturreformen in anderen Ländern der Eurozone unterstützt wird.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank