SUCHE

Wirtschaft

Alternativen für auslaufende Mezzanine-Finanzierungen

14.02.2012

Viele mittelständische Unternehmen haben sich über Standard-Mezzanine mit günstigem Kapital versorgt. Diese Programme laufen nun aus – Finanzierungsalternativen sind gefragt.

Zu sehen ist eine Mezzanine: Der Begriff steht in der Architektur für ein Zwischengeschoss und im Bankgeschäft für eine Finanzierungsalternative.

Mezzanine: Der Begriff steht in der Architektur für ein Zwischengeschoss und im Bankgeschäft für eine Finanzierungsalternative. (Foto: picture-alliance/ akg-images/ Tristan Lafranchis)

Der deutsche Mittelstand erwirtschaftet mehr als die Hälfte der deutschen Bruttowertschöpfung, mit steigender Tendenz. Doch um weiter zu wachsen, sind Ressourcen gefragt. Zahlreiche Unternehmen suchen daher aktuell verstärkt nach Finanzierungsalternativen, zum Beispiel zur Wachstumsfinanzierung oder für den Aufbau neuer Geschäftsfelder. Doch gerade jetzt laufen die Standard-Mezzanine-Programme ersatzlos aus. Für viele mittelständische Unternehmen kommt das zur Unzeit.

Bei Mezzanine-Kapital kann es sich um Genussrechte, stille Beteiligungen, Nachrangdarlehen oder Wandelanleihen handeln. Gegenüber herkömmlichen Krediten hat es den Vorteil, dass es zum Teil als Eigenkapital gilt und damit häufig das Rating eines Unternehmens verbessert. Durchschnittlich verlangten die Anbieterbanken günstige sieben bis zehn Prozent Zinsen pro Jahr bei einer meist siebenjährigen Laufzeit. Möglich wurde dies durch eine starke Standardisierung der Programme – und weil die Banken die Risiken dieser Geschäfte an Investoren weitergaben.

Bis zu fünf Milliarden Euro Finanzierungsbedarf

In den Jahren 2004 bis 2007 haben sich rund 700 deutsche Mittelständler über Standard-Mezzanine-Kapital mit günstigem Geld versorgt, das die Kapitalgeber nun zurückfordern. Eine Neuauflage der Programme gibt es nicht. – Nach Pleiten bei mehreren Portfoliounternehmen, Betrugsfällen sowie der Finanz- und Wirtschaftskrise ist dieser Markt heute so gut wie ausgetrocknet.

Nachfrage besteht jedoch durchaus, wie eine Umfrage der Deutschen Industriebank (IKB) zeigte: Von 200 befragten deutschen Mittelständlern gaben 60 Prozent an, eine Anschlussfinanzierung zu benötigen. Der Bedarf wird von Experten auf 3,7 bis fünf Milliarden Euro geschätzt – die Hälfte davon wird schon während 2012 benötigt. Insgesamt laufen 2012 zwölf Standard-Mezzanine-Programme aus. Einige Beobachter fürchten deshalb eine Welle von Pleiten und sprechen von einem „Damoklesschwert“ über dem deutschen Mittelstand. Auch wenn die Situation nicht unlösbar ist, sollte das Auslaufen der Mezzanine-Programme nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Finanzierungsalternativen zum Mezzanine-Kapital

Die Ablösung aus eigenem Mitteln wäre der Idealfall für betroffene Unternehmen, doch das liegt für viele Marktteilnehmer außerhalb der eigenen Möglichkeiten. In der Regel muss jedes Unternehmen eine individuelle Lösung finden – je nach Strategie, Verschuldungsgrad, Rating und Cashflow-Situation. So ist meist ein ganzes Bündel von Maßnahmen nötig, um beispielsweise eine Mezzanine-Finanzierung von 20 Millionen Euro zu ersetzen.

Die erste Option ist ein klassisches Bank- beziehungsweise Konsortialdarlehen. Vorausgesetzt werden hier immer positive Geschäftsaussichten, nachhaltige Profitabilität und ein hoher Cashflow. Da die Banken ihre Anforderungen an die Dokumentation von Investitionsvorhaben gesteigert haben, müssen diese Rahmendaten überzeugend präsentiert werden. Dazu kommt, dass Kredite klassisches Fremdkapital sind und deshalb die Bonität des Unternehmens belasten. Gleiches gilt für Schuldscheindarlehen oder Unternehmensanleihen, die dennoch eine Überlegung wert sein können, da diese Instrumente sich sehr gut zur Erweiterung des Kreises der Fremdkapitalgeber und zur Entlastung der Bankenforderungen eignen.

Eine weitere Option ist die Inanspruchnahme von Individual-Mezzanine, bei dem der Eigenkapitalcharakter erhalten bleibt. Jedoch haben sich die Konditionen im Vergleich zu den Standardprogrammen deutlich verschlechtert. So verlangen Kapitalgeber für individuelles Mezzanine-Kapital heute Zinsen zwischen zwölf und 18 Prozent und weitgehende Rechte. Banken stehen für Mezzanine-Kapital heute nicht mehr zur Verfügung. Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten, das Eigenkapital zu stärken wie etwa Gesellschaftsdarlehen, die Aufnahme eines strategischen Partners im Zuge einer Kapitalerhöhung oder Sale-and-lease-back-Transaktionen. Dabei verkaufen Unternehmen Maschinen oder Immobilien, um Kapital freizusetzen; die Leasingraten können teilweise auch steuerlich berücksichtigt werden. Einen Königsweg gibt es nicht, jedes Unternehmen hat eigene Anforderungen an eine individuell zugeschnittene Finanzierungslösung. Die Spezialisten der HSH Corporate Finance GmbH analysieren alle Möglichkeiten und unterstützen bei der Umsetzung, um so nachhaltiges Wachstum und Stabilität des Unternehmens sicherzustellen.

Werner Warthorst, Head of M & A – Corporates, Mitglied der Geschäftsleitung HSH Corporate Finance

Eine Tabelle zur Mezzanine-Finanzierung der HSH corporate finance mit Werten zu Volumen, Auflagejahr, Laufzeitende und Anzahl der finanzierten Unternehmen.