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16.01.2012

Das Durchschnittsalter der Bevölkerung in Deutschland steigt zunehmend. Der Gesundheitsmarkt entwickelt sich daher zu einer Wachstumsbranche. Nicht ganz so positiv sieht es allerdings bei den Akutkliniken aus, wie eine Studie des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts zeigt.

Branche Gesundheitswirtschaft: Experten rechnen mit hohem Stellenzuwachs. (Foto: picture alliance / Photo Alto)

Branche Gesundheitswirtschaft: Experten rechnen mit hohem Stellenzuwachs. (Foto: picture alliance / Photo Alto)

In Zeiten der weltweiten Finanzkrise und der anhaltenden Misere um die verschuldeten Länder der Eurozone fallen die Wachstumsaussichten in den meisten Branchen eher verhalten aus. Die Gesundheitswirtschaft könnte jedoch bedingt durch den demografischen Wandel in Zukunft stärker zulegen als in den Jahren zuvor.

70.000 zusätzliche Arbeitsplätze 2012

Für Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), ist klar: „Die Gesundheitswirtschaft boomt.“ Laut einer aktuellen DIHK-Umfrage plant der Gesundheitszweig im laufenden Jahr mit etwa 70.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen – nach Angaben Driftmanns der höchste Stellenzuwachs im Vergleich zu allen anderen deutschen Branchen. Mehr als jeder vierte zusätzliche Job bundesweit wird demnach 2012 in der Gesundheitswirtschaft entstehen.

Die Ergebnisse der Umfrage machen zudem deutlich, dass die Branche weitgehend unbeeinflusst von konjunkturellen Entwicklungen und den in vielen anderen Bereichen deutlich spürbaren Auswirkungen der Krise wächst. Doch trotz dieser generell positiven Aussichten steht die Gesundheitswirtschaft derzeit vor gravierenden Veränderungen. Davon ist vor allem die Krankenhauslandschaft in Deutschland betroffen.

Akutkliniken sind bedroht

Prof. Dr. Henning Vöpel, Senior Economist am HWWI und Autor der Studie "Zukunft von Akutkliniken". (Foto: HWWI)

Prof. Dr. Henning Vöpel, Senior Economist am HWWI und Autor der Studie "Zukunft von Akutkliniken". (Foto: HWWI)

Ökonomen des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) haben im Auftrag der HSH Nordbank die „Zukunft von Akutkliniken“ untersucht. „Hier muss es künftig zu Veränderungen und einem weiteren institutionellen Wandel kommen, der insbesondere die Finanzierung und die Trägerschaft, aber auch die Organisation und die Ausrichtung von Krankenhäusern betreffen wird“, so Prof. Dr. Henning Vöpel, Senior Economist am HWWI und gemeinsam mit Jana Stöver Autor der Studie.

Derzeit seien etwa zehn Prozent der deutschen Akutkliniken mittelfristig in ihrer Existenz bedroht, vor allem in strukturschwachen Regionen. Auch Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der größten Krankenkasse Barmer GEK, forderte zu Beginn des Jahres einen Strukturwandel. „Es gibt heute zu viele Krankenhäuser und vor allem zu viele Krankenhausbetten. Wir leisten uns Strukturen, die größer und teurer sind als in anderen Ländern“, sagte er der Zeitung Die Welt. 

Eine Entwicklung, aus der sich laut Studie allerdings ein neuer Investitionstrend für Unternehmer ergeben könnte. Zwar werde die Versorgung der Bevölkerung mit Akutkliniken hierzulande durch das Krankenhausfinanzierungsgesetz geregelt. „Doch dieser öffentliche Versorgungsauftrag schließt private oder gemeinnützige Träger von Krankenhäusern und neue Formen der stationären und ambulanten Versorgung ausdrücklich nicht aus“, so Vöpel.

Akutkliniken: Mittelfristig sind zehn Prozent in ihrer Existenz bedroht. (Foto: picture alliance / dpa)

Akutkliniken: Mittelfristig sind zehn Prozent in ihrer Existenz bedroht. (Foto: picture alliance / dpa)

Private Träger übernehmen

In den vergangenen Jahren sei bereits eine steigende Anzahl von Krankenhäusern von öffentlicher in private Trägerschaft übergegangen. Laut Studie ist zu erwarten, dass grenzüberschreitende Gesundheitsdienstleistungen und ein wachsender privater Gesundheitsmarkt zu weiteren Veränderungen im Bereich der stationären Versorgung führen werden. „Wir haben in der Studie deshalb auch untersucht, wie sich der künftige Investitionsbedarf für Krankenhäuser und ihre Ausstattung mit Medizintechnik entwickeln könnte“, berichtet Vöpel.