SUCHE

Wirtschaft

Alternative Finanzierungsformen für deutsche Reeder

16.01.2012

Weil Privatanleger derzeit Schiffsbeteiligungen meiden, suchen deutsche Reeder nach alternativen Finanzierungsformen. Zu den Optionen gehören Partnerschaften mit Family Offices, Pensionskassen und Private-Equity-Gesellschaften. Neues Kapital für die Schiffsfinanzierung könnte dabei in Zukunft vermehrt aus Amerika und Asien kommen.

Private Equity: Kapital aus Amerika und Asien für deutsche Reeder. (Foto: picture alliance/YPS collection)

Private Equity: Kapital aus Amerika und Asien für deutsche Reeder. (Foto: picture alliance/YPS collection)

Investoren aus dem amerikanischen und dem asiatischen Raum zeigen ein verstärktes Interesse an der hiesigen Containerschifffahrt und bewerten die Fundamentaldaten als grundsätzlich attraktiv. Private Equity und die maritime Wirtschaft sind einerseits zwar keine selbstverständliche Verbindung, doch das Engagement von Private-Equity-Gesellschaften im Schiffsmarkt ist andererseits auch nicht ungewöhnlich.

Amerikanisches Kapital für deutsche Reeder

So sind hohe Summen amerikanischen, aber auch arabischen und asiatischen Geldes in vielerlei Hinsicht bereits in Schiffen investiert, meist über gemeinsam mit Reedern betriebene Asset-Plattformen, die zum Teil auch börsengelistet sind. Der Fokus lag dabei bisher vor allem auf den Asset-Klassen Dry Bulk und Tanker. Mittlerweile engagiert sich Private Equity jedoch auch zunehmend im Containersegment.

Ausführliches Reporting gefordert

Und gerade in diesem Bereich werden auch deutsche Reeder verstärkt als attraktive Partner gehandelt. Zu bedenken ist bei dieser Option allerdings, dass Private-Equity-Gesellschaften großen Wert auf ein meist monatliches, klar strukturiertes sowie ausführliches Reporting legen. Und immer sind sie nur Investoren auf Zeit: Der Investmenthorizont liegt üblicherweise zwischen drei und sieben Jahren, wobei die Investoren den Exit-Zeitraum zwecks Gewinnmaximierung gern selbst bestimmen.

KG-Modell hat an Attraktivität verloren

Trotzdem dürfte dies eine interessante Kapitalquelle für viele Reedereien sein, denn die alten Modelle haben zuletzt an Wettbewerbsfähigkeit verloren: Jahrelang dominierte in Deutschland das sogenannte KG-Modell zur Schiffsfinanzierung – rund 440.000 Privatanleger sind über geschlossene Fonds als Kommanditisten an Schiffen beteiligt. Seit Ausbruch der Finanzkrise sind allerdings immer weniger Investoren bereit, das Risiko dieser unternehmerischen Beteiligung noch einzugehen.

Neue Partnerschaften

Deutsche Reeder stehen also vor der Herausforderung, neue Eigenkapitalquellen zu gewinnen, um Marktanteile zu verteidigen oder durch neue Projekte sogar auszubauen. Neben der Zusammenarbeit mit Private-Equity-Gesellschaften aus den USA oder Asien kann dies auch den gezielten Einbezug von Family Offices und Pensionskassen bedeuten: neue Partnerschaften, die den Reedern große Chancen eröffnen.

Dr. Dirk Lammerskötter, Head of Shipping, Mitglied der Geschäftsleitung HSH Corporate Finance

Nach oben