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Rohstoffpreise

Die trüben Konjunkturaussichten drücken auf den Preis für Öl und viele Industriemetalle sowie für Agrarprodukte. Weil die Rohstoffmärkte teils stark schwanken, sollten Unternehmer nicht nur den Markt im Blick behalten, sondern auch entsprechende Absicherungsinstrumente nutzen.

Rohstoffhändler an der New York Mercantile Exchange: Viele Rohstoffpreise sind im Oktober 2014 im Keller. (Foto: picture-alliance / dpa / dpaweb)

Von einem Superzyklus der Rohstoffe spricht kaum noch ein Experte. Der Grund: Rohstoffe sind im Oktober 2014 so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Der wohl wichtigste Rohstoffindex der Welt, der  Bloomberg Commodity Index, notiert auf dem niedrigsten Niveau seit 2010. Ein Barrel WTI-Rohöl, umgerechnet rund 159 Liter, kostet an den internationalen Rohstoffbörsen im Oktober 2014 weniger als 97 US-Dollar – ein Zweijahrestief. Die Preise für Kupfer, Nickel und Eisenerz sinken seit Monaten. Und nicht nur Energie- und Industrierohstoffe sind vom Preisverfall betroffen: Auch Agrarrohstoffe wie Mais und Sojabohnen verbilligten sich seit Jahresanfang deutlich.

Die aktuellen Entwicklungen der Rohstoffpreise fassen die Beiträge über den Rohstoffindex des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts zusammen.

10 Tipps für den Rohstoffmarkt

Wie mittelständische Unternehmen die Kosten beim Rohstoffkauf senken können und was die Einkaufsabteilung besser vermeiden sollte:

Fünf Tipps, um Kosten zu senken

  1. Einsatz eines Rohstoffrechners: Softwaretools ermöglichen eine genaue Preiskalkulation für jedes Produkt im Einkauf. Darin werden die Preisentwicklungen von Produkten und Dienstleistungen erfasst, die das Produkt beeinflussen.

  2. Rohstoffeinsatz kontinuierlich prüfen: Die Dicke von Materialien lässt sich oft vermindern, ohne dass dies der Qualität schadet.

  3. Lieferantenbesuch: Vor Ort lässt sich ein anderes Verständnis für die Verarbeitung der Rohstoffe generieren. Manche Lieferanten führen keine klare Chargen-Trennung der Rohstoffe durch, so dass der bestellte Rohstoff aus Vorprodukten unterschiedlicher Qualität stammt.

  4. Bei der Preiskalkulation für die Kunden die Preisvolatilitäten auf den Rohstoffmärkten berücksichtigen: Katalogpreise werden oftmals ohne Einbeziehung der flexiblen Rohstoffpreise festgelegt.

  5. Frühzeitig neue Produkte entwickeln: Um Substitute für stark nachgefragte Rohstoffe einsetzen zu können.

Fünf Don'ts beim Einkauf von Rohstoffen

  1. Vorsicht bei der Kalkulation mit Spot-Preisen: Auf Spot-Märkten bieten Lieferanten Überschüsse aus den Ernten an. Mitunter kalkuliert der Einkauf 80 Prozent fixe Bestellmenge, 20 Prozent über dem Spot-Markt. Dieses Vorgehen bietet ein hohes Risiko. Nicht immer kommt es zu günstigen Chargen auf dem Spot-Markt.

  2. Von kurzfristigen Verträgen profitieren in erster Linie die Händler, weil sie mehr Margen realisieren können.

  3. Vorsicht bei stark nachgefragten Waren. Oft sind Märkte leer gefegt und Produkte ausverkauft. Daher nicht zu lange mit der Bestellung warten.

  4. Die regelmäßigen Preiserhöhungen der Lieferanten mit der Begründung „Aufgrund gestiegener Rohstoffpreise müssen wir unsere Preise erhöhen“ nicht ungeprüft annehmen. Einkäufer sollten Kostentransparenz anfragen.

  5. Rohstoffpreise nicht nur über Verhandlungen beeinflussen. Wenn eingesetzte Produkte nicht substituiert werden, lassen sich größere Einsparungen nicht realisieren.

Die wichtigsten Rohstoffbörsen

Chicago Mercantile Exchange (CME): Die Rohstoffbörse in Chicago zählt zu den ältesten weltweit. Im Jahr 1848 als Chicago Butter and Egg Board gegründet – werden seit 1919 an der CME nicht nur Lebensmittel und Agrarrohstoffe wie Weizen, Hafer, Reis, Mais, Sojabohnen und Sojamehl, sondern unter anderem auch Wolle und Holz sowie Optionen auf das Wetter gehandelt. Zur CME Group

New York Board of Trade (NYBOT): Durch den Zusammenschluss dreier Börsen (CSCE, NYCE und NYFE) entstand in New York die weltweit führende Börse für Agrarrohstoffe – hier werden lebende Rinder, vor allem aber Zucker, Kaffee, Kakao, Baumwolle und Orangensaft gehandelt. Seit der Übernahme durch die Intercontinental Exchange firmiert die NYBOT unter dem neuen Namen ICE Futures U.S. Zur ICE

New York Mercantile Exchange (NYME): Der Schwerpunkt der größten Terminbörse der Welt liegt im Handel mit Energierohstoffen wie Öl und Gas. Daneben werden an der NYME aber zum Beispiel auch Kaffee, Trockenfrüchte, Konserven und Geflügel sowie ausgewählte Metalle gehandelt. 2008 wurde die NYME von der CME Group übernommen. Zur CME Group

London Metal Exchange (LME): Beim weltweiten Handel mit Metallen dominiert die LME. Erstmals gehandelt wurde an der damals „Royal Exchange“ genannten Börse im Jahr 1571. Die heutige Trägergesellschaft, die „London Metal Market and Exchange Company“, wurde 1877 gegründet. Damals wurde an der LME nur Kupfer gehandelt. Bis heute kamen weitere  wichtige Rohstoffe hinzu – wie Aluminium, Blei, Kobalt, Nickel, Zink und Zinn sowie die Edelmetalle Gold und Silber. Zur LME

World Energy Outlook

Die Internationale Energieagentur veröffentlicht jährlich aktuelle Reports zum weltweiten Energiemarkt.

Die jüngste Ausgabe finden Sie hier.

Rohstoffpreise fallen

Grund für die fallenden Rohstoffpreise sind die Sorgen der Marktteilnehmer über die konjunkturelle Entwicklung in Europa aber auch in China. Zudem belastet ein starker US-Dollar die Rohstoffpreise, der den Rohstoffkauf für Kunden aus dem Euroraum trotz der sinkenden Preise vergleichsweise teuer macht. Die Internationale Energieagentur (IEA) senkte bereits ihre Nachfrageprognose für das laufende und das kommende Jahr. Welche Gründe es für die zuletzt starken Schankungen an den internationalen Ölmärkte gibt, erklärt Daniel Pax, Rohstoffexperte der HSH Nordbank, im Interview.

Energierohstoffe mit Zukunft

Erneuerbare Energien sollen in Zukunft die fossilen Rohstoffe wie Öl und Gas bei der Versorgung von Unternehmen und privaten Haushalten ablösen. Deutschland nimmt mit der Energiewende und dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) eine Vorreiterrolle bei der Entwicklung ein. Unternehmer hierzulande kritisieren jedoch die dadurch steigenden Energiepreise.

Steigen die Rohstoffpreise in Zukunft wieder, müssen Unternehmer mit erheblichen Mehrkosten rechnen, die sie aufgrund ihrer Wettbewerbssituation nicht an Kunden weitergeben können.

Hohe Rohstoffpreise haben negative Einflüsse auf den Unternehmenserfolg

Rund drei von vier mittelständischen Unternehmen gehen davon aus, dass ein Preisanstieg einen (sehr) negativen Einfluss auf ihre zukünftige Wirtschaftslage haben wird. Das ist ein Ergebnis des Mittelstandspanels, das im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und PricewaterhouseCoopers (PwC) vom Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) erstellt wurde. An der Frühjahrsumfrage, die zwischen Februar und April 2014 durchgeführt wurde, beteiligten sich knapp 800 Unternehmen. Unabhängig von Unternehmensgröße und Exportorientierung erwartet mehr als jedes zweite Unternehmen negative Folgen für die eigene wirtschaftliche Entwicklung. Welche weiteren Faktoren deutsche Unternehmer positiv, negativ oder neutral bewerten, fasst die Abbildung unten zusammen.

Quelle: BDI-PwC-Mittelstandspanel April 2014

Mit speziellen Absicherungsinstrumenten können Unternehmen gegen die Folgen schwankender Rohstoffpreise steuern, versäumen dies jedoch meist, wie die Tageszeitung Die Welt berichtet: „Während eine Absicherung gegen Zins- und Währungsrisiken bei vielen mittelständischen Firmen längst zum Standard gehört, regiert im Mittelstand bei den Rohstoffpreisen oft noch das Prinzip Hoffnung.“ Dabei sei auch bei Rohstoffen eine Absicherung, das sogenannte Hedging, möglich und angesichts der Unsicherheiten auch dringend geboten.

„Mit Hilfe verschiedener Finanzinstrumente können Unternehmen Hedging betreiben und sich auf diesem Weg eine feste Kalkulationsbasis für den Rohstoffkauf schaffen“, so die Welt. Beispielsweise mit einem Termingeschäft, bei dem mit einer Bank für einen ausgewählten Rohstoff ein Festpreis in der Zukunft vereinbart wird. Weitere Instrumente zur Absicherung von Rohstoffpreisen sind Swaps und Optionen. Alle diese Lösungen lassen sich je nach Bedarf des Unternehmens auch miteinander kombinieren, so die Welt.

Schutz vor schwankenden Rohstoffpreisen

Wie kann sich ein Unternehmen gegen steigende Preise von Rohstoffen absichern kann, erläutern Experten der HSH Nordbank anhand eines Beispiels aus der Lebensmittelbranche.  Konkret lassen sich die Risiken mittels Termingeschäften minimieren.

„Schuster, bleib bei deinem Leisten“ – ein zeitloser Tipp: Verdiene dein Geld mit dem, was du am besten kannst. Buchautoren zum Beispiel sind nicht automatisch gute Buchverkäufer und überlassen diese Aufgabe deshalb gern den Verlagen, die darauf spezialisiert sind. Von geschäftlichen Verbindungen zum gegenseitigen Nutzen lebt die Wirtschaft seit Jahrhunderten – neue Produkte und spezielles Know-how von Dienstleistern ermöglichen Unternehmern heute weitere effiziente Lösungen.

Ein Beispiel aus der Wirtschaft findet sich in der Lebensmittelbranche. Die Anbieter haben zwar Produktion und Qualitätssicherung ihrer Ware bestens im Griff, vernachlässigen aber manchmal das Drumherum – zum Beispiel im Einkauf die Kalkulation für die Verpackungen. „Die Kunststoffpreise haben auf das Ergebnis vieler Unternehmen der Lebensmittelbranche einen erheblichen und leider häufig unterschätzten Einfluss“, sagt Daniel Pax, Rohstoffexperte der HSH Nordbank.

Verpackungsrohstoffe nicht vergessen

Verpackungsfolien, Flaschen oder Kunststoffbehälter als Randthema zu behandeln, drückt nicht selten stark auf das Unternehmensergebnis. Die Preise etwa für Kunststoffverpackungen richten sich nach dem Granulat, aus dem sie hergestellt werden – wie beispielsweise Low-Density-Polyethylen, kurz LDPE. Die Preise für diesen Grundstoff schwanken, da sie täglich an den Waren- und Terminbörsen gehandelt werden. Für die Unternehmer der Lebensmittel- und Verpackungsindustrie sind diese Kosten ein wichtiger Faktor, da sie direkten Einfluss auf die Gewinnmarge haben.

Rohstoffe mit Zeithorizont handeln

Langfristige Preisvereinbarungen für Kunststoffe mit Zulieferern oder Herstellern sind in der Regel nicht üblich, daher erfolgt der Einkauf von Kunststoffgranulaten oder fertigen Kunststoffverpackungen häufig zu tagesaktuellen Preisen. „Der Absatz von Lebensmitteln an den Einzelhandel erfolgt jedoch üblicherweise zu Festpreisen, die sechs bis zwölf Monate Gültigkeit haben. Das Auseinanderklaffen der beiden Zeithorizonte birgt also für das Unternehmen Ertragsrisiken“, so Marret Struck, Expertin der HSH Nordbank für Marktpreisrisiken.

Fallen die Preise für Kunststoff während einer laufenden Festpreisvereinbarung auf der Verkaufsseite, profitiert der Unternehmer von einem geringeren Aufwand für die Verpackungen. Steigen die Preise für das Granulat, wirkt sich dies negativ auf den Ertrag aus. Einige Verträge zwischen Hersteller und Lebensmittelproduzent erlauben zwar zwischenzeitliche Preisanpassungen. Diese sind allerdings häufig mit Hürden verbunden, sodass der Lebensmittelproduzent erst beim Erreichen einer festen, vorher definierten Preisgrenze vor Schaden bewahrt wird. Bis zu dieser Grenze muss er Verluste aufgrund ungünstiger Preisentwicklungen selbst tragen.

Der Swap fixiert das Risiko

Wie kann sich ein Unternehmen effektiver gegen steigende Einkaufspreise für Kunststoffe absichern? Eine mögliche Lösung ist schnell skizziert: Sobald die Produktpreise auf der Verkaufsseite festgelegt sind, werden die Kunststoffbezugspreise für die Dauer der Verkaufspreisbindung fixiert. Die Verträge mit den Zulieferern bleiben davon unberührt.

So funktioniert die Preisabsicherung

Quelle: HSH Nordbank

Die Preissicherung für den Kunststoff erfolgt über ein Finanztermingeschäft mit einer Bank, dem Swap. Dabei wird der Preis für den Kunststoff fixiert auf das Swapniveau. Die Bank und der Kunde vereinbaren zu einem bestimmten Zeitpunkt, dass für die kommenden Monate der Einkaufspreis per Termingeschäft für den Kunden gesichert ist.

Die Verrechnung erfolgt dann in Form von Ausgleichzahlungen. Immer dann, wenn der Kunststoffpreis über dem vereinbarten Swappreis liegt, bekommt das Unternehmen eine Auszahlung aus dem Swap – und zwar in Höhe der Differenz zu dem ursprünglich festgelegten Niveau. Liegt hingegen der aktuelle Marktpreis unter dem Swappreis, so zahlt das Unternehmen der Bank den entsprechenden Differenzbetrag.

So funktioniert die Ausgleichszahlung

Quelle: HSH Nordbank

Klarer Trend bei Unternehmern, Risiken zu minimieren

„Durch die Kombination der physischen Beschaffung mit dem Finanztermingeschäft sichert sich das Unternehmen einen fixen Rohstoffpreis für zukünftige Perioden“, erklärt Pax, der ein steigendes Interesse für derivative Lösungen bei seinen Kunden feststellt. „Es ist ein klarer Trend bei den Unternehmern, Risiken an vielen Stellen zu minimieren und allgemein konservativer und vorausschauender zu agieren.“

In der Praxis sichern viele Kunden nur einen gewissen Anteil der Granulatmenge ab. Teilsicherungen haben den Vorteil, dass mit dem Rest des Volumens an Preissenkungen partizipiert werden kann und für den Fall, dass weniger Verpackungsmaterial benötigt wird, ein Mengenproblem ausgeschlossen wird. Welchen Anteil das Unternehmen sichern sollte, ist stark abhängig von seiner individuellen Risikotoleranz. Hier unterstützen und beraten Finanzinstitute.

Natürlich ist die Marge des Unternehmers neben den schwankenden Kunststoffpreisen noch vielen anderen Faktoren ausgesetzt. Aber mit der (Teil-)Sicherung dieser Preise können Unternehmen sich mehr auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und eliminieren das Risiko, dass sich ein vermeintliches Randthema – wie etwa steigende Kunststoffpreise – zu einer Gefahr für ihre Ertrags- und Wettbewerbsfähigkeit entwickelt.