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Steve Wozniak will jungen Gründern Mut machen (© Getty Images)
Steve Wozniak will jungen Gründern Mut machen (© Getty Images)
Cube Tech Fair
15.05.2017

Eine neue B2B-Messe in Berlin will die Zusammenarbeit zwischen Konzernen und Start-ups fördern. Die jungen Unternehmen wollen Partner und Zulieferer sein – und bekommen prominenten Zuspruch.

Steve Wozniak kennt sich mit Start-ups aus. 1976 gründete er mit Steve Jobs selbst eines. Die Garagenfirma aus Los Altos hieß Apple. Das heute vielleicht wertvollste Unternehmen der Welt. „Denkt nicht ans Geld, sondern baut was auf“, sagte Wozniak auf der Cube Tech Fair in Berlin, bei der rund 250 Start-ups aus 38 Ländern ihre neuesten Entwicklungen präsentieren. „Ich bin in meinem Leben oft gescheitert, besonders beim Programmieren“, sagte Wozniak. Aber ich habe immer etwas daraus gelernt. Ich habe das ja aus Spaß gemacht, nicht wegen des Geldes.“ Etwas vorzeigen zu können, war für den früher extrem schüchternen Wozniak der Weg, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. „Ich war total stolz, wenn jemand zu mir meinte: Hey, dein Computerspiel ist cool.“ Wie Apple zu werden, davon träumen viele Start-ups. Wozniak nutzte einen seiner seltenen Auftritte, um ihnen Mut zu machen: „Macht das, wovon ihr überzeugt seid. Das ist das beste Marketing.“ Die Start-ups zeigen auf der Messe von Volkswagen, Bayer und Dell gesponserten Messe, die auf das B2B-Geschäft fokussiert ist, ihre Produkte. Torsten Oelke, Chef der Cube Tech Fair, ist davon überzeugt, dass es bei der Zusammenarbeit von Start-ups und Konzernen eine neue Qualität gibt. „Früher waren Start-ups die Dekoration auf dem Buffet, heute werden sie als Partner und Zulieferer ernst genommen", sagte er auf der Eröffnung.

Autos fahren nach Art der Fledermäuse

Unter den Hightech-Tüftlern aus aller Welt findet sich auch das Münchner „Warr Hyperloop Team“, das am Konzept eines Hochgeschwindigkeitszuges arbeitet, der sich mit annähernd Schallgeschwindigkeit in einer Röhre mit Teilvakuum fortbewegen soll. Kürzlich gewann das Team die von Tesla und SpaceX-Gründer Elon Musk ausgelobte „Hyperloop Pod Competition“ für den schnellsten Pod. Gleich nebenan präsentieren die Gründer von Streetscooter, einem Start-up von Deutsche Post/DHL, neue Anwendungen für eine schnellladende Batterie – erst vor kurzem konnte der Logistikkonzern 80 der Elektrofahrzeuge an den Kunden „Deutsche See“ verkaufen. Die Firma Toposens aus München wiederum entwickelte Boxen mit Sensoren, die nach dem Prinzip der Fledermäuse funktionieren, die damit ihre Umgebung mit Ultraschall erfassen. Das Start-up kann sich vorstellen, Sensoren in selbst fahrenden Autos einzusetzen, die Hindernissen ausweichen müssen. Bislang sorgten Laser und Kameras dafür – Ultraschall soll aber billiger sein. BMW, Daimler und Porsche stehen bereits auf der Kundenliste des Start-ups aus München. Bionische Gliedmaßen aus dem 3D-Drucker entwickelt Open Bionics aus Großbritannien, die US-Firma Roboterra hat Chatbots im Programm. Für Gründerin Yao Zhang ist die von Microsoft-Gründer Bill Gates ins Gespräch gebrachte Robotersteuer ein Thema. „Die Initiative von Gates ist gut gemeint“, sagt Zhang. „Wir müssen uns genau ansehen, welche Arbeiten in Zukunft von Robotern übernommen werden. Das Geld aus der Robotersteuer könnten wir für Weiterbildung brauchen.“ Von diesem Problem ist Solepower nicht betroffen. Das Start-up hat einen Schuh entwickelt, der bei jedem Auftreten Energie und Licht produziert. In der USA setzen Bauarbeiter, Polizisten und Feuerwehrleute solche Schuhe ein. Eine deutsche Entwicklung, die aus einer Masterarbeit an der Technischen Universität Berlin hervorging, ist dagegen Coolar – ein Kühlschrank, der allein mit heißem Wasser betrieben wird und keinen Stromanschluss benötigt.

Probleme mit neuen Technologien

Dass mit neuen Technologien immer auch soziale Probleme einhergehen, darauf wies auf der Cube Tech Fair US-Schauspielerin Robin Wright hin, die als Präsidentengattin an der Seite von Kevin Spacey in der TV-Serie „House of Cards“ zu sehen ist. Wright beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Konfliktmineralien und engagiert sich für Menschenrechte im Kongo. Sie kritisiert, dass in Smartphones und Laptops Kobalt zum Einsatz kommt, das im Kongo unter unmenschlichen Verhältnissen, unter anderem auch durch Kinderarbeit, gefördert wird. Auf der Cube Tech Fair wurde aber deutlich, dass junge Start-ups den sozialen Gedanken nicht nur beherzigen, sondern daraus sogar Geschäftsmodelle entwickeln. Bevor es zu einer Kooperation kommt, setzen manche Firmen wie das Agrar-Start-up „Get Leaf“, ein bestimmtes Mindset bei den Konzernen voraus, wie Gründer Jonathan Yoni Ofir bekannte. Weil beim Aufbau eines Unternehmen aber eben auch Geld zählt, konnten die auf der Cube Tech Fair versammelten Start-ups Preisgelder gewinnen. Den höchsten Scheck in Höhe von einer Million Euro nahm aus den Händen von Steve Wozniak das Start-up Enlitic entgegen, das Algorithmen entwickelt, die Ärzten bei der Diagnose von Krankheiten hilft.