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(© Getty Images)
100 Tage Donald Trump
02.05.2017

UP-Nord-Experte und Makroökonom Prof. Dr. Thomas Straubhaar sieht die Zwischenbilanz des US-Präsidenten positiv. Sämtliche Wirtschaftsdaten deutschen auf einen Konjunkturaufschwung hin, die Fed scheint Vertrauen in Trumps Pläne zu haben.

Trump-Bashing ist in Mode. Was immer der US-Präsident tut oder sein lässt, wird vom deutschen Publikum gierig aufgesogen. Nichts ist klein genug, nicht eine mediale Aufregung zu provozieren. Alles lässt sich mehr oder weniger bösartig kommentieren, vieles davon abschätzig, das meiste abwertend. Selten konnte man sich einer breiteren Zustimmung anderer so sicher sein wie im vereinigten Zorn gegen Trump, der alle eint und auch jene einschließt, die immer schon gegen die Amerikanisierung Europas wetterten.

Wie aber sieht die Bilanz der ersten hundert Tage aus? Das Ergebnis mag verblüffen, ist aber nicht minder faktisch. Es gibt kaum ein makroökonomischer Indikator für die US-Wirtschaft, der nicht optimistisch stimmt (siehe Statistiken U.S. Bureau of Labor Statistics). Nimmt man nicht alternative Fakten und auch nicht diffuse Gefühle, sondern das Maß aller wirtschaftlichen Dinge, das Bruttoinlandprodukt (BIP), zeigt sich Business as usual. Der Internationale Währungsfonds hat in seinem zu Mitte April veröffentlichten Wirtschaftsausblick seine optimistische Prognose für die US-Wirtschaft bestätigt (vgl. dazu International Monetary Fund). Er rechnet mit einem realen Wachstum von rund zweieinhalb Prozent in diesem und auch im nächsten Jahr. Das entspricht ziemlich genau dem langfristigen Trend.

Top-Ökonom Jeremy Rifkin beim UP-Nord-Event Globaler Reset – digital vernetzt, politisch gespalten über die Wirtschaft der Zukunft

Ende März 2017 lag die Arbeitslosenzahl bei 4,5 Prozent, dem tiefsten Stand zu dem Jahreszeitpunkt seit Januar 2007, als ein noch schier unbegrenzter Optimismus die US-Bevölkerung beseelte – bevor die Finanzmarktkrise dem naiven durch private Verschuldung finanzierten Kaufrausch ein Ende setzte. Beschäftigung, Produktivität, Stundenlöhne – nicht eine der vom Arbeitsministerium veröffentlichten Datenreihen bietet momentan Anlass zur Sorge – im Gegenteil, alle zeigen sie in eine für die amerikanische Bevölkerung erfreuliche Richtung.

Folge des guten Laufs der Dinge ist, dass ein Anstieg der Inflationsrate zu erwarten ist. So schnellten zur Jahreswende 2016/2017 die Verbraucherpreise nach oben. Das war ein mindestens doppelt so starker Preisauftrieb als sonst im ersten Kalendermonat in den letzten zehn Jahren. Aber: vor allem der starke US-Dollar und damit verbunden billigere Importe – allen voran Benzin und Gas – so wie fallende Preise für Digitalisierungsdienstleistungen – insbesondere die Kosten für mobile Telefonie- und Datennutzung – haben im März zu insgesamt fallenden Verbraucherpreisen geführt. Nicht zuletzt dürfte sich auch der Anstieg der Leitzinsen von Mitte März entspannend auswirken.

Die Politik der Trump-kritischen US-Notenbank FED ist ohnehin der beste Tatbeweis dafür, dass die konjunkturelle Situation optimistisch zu beurteilen ist. Denn obwohl es nicht im unmittelbaren Interesse des US-Präsidenten ist, beurteilt die Fed die Lage so positiv und damit den Druck auf steigende Preise und Löhne derart stark, dass sie weitere Leitzinserhöhungen in Aussicht stellt. Nicht ob, sondern nur noch wann und in welchem Ausmaß die Kreditkosten verteuert werden, bleibt offen. Gerade im Vergleich zu Europa und der EZB zeigt sich, dass die USA und die FED Vorreiter sind. Sie haben die für den Kapitalismus langfristig tödliche Nullzinswelt verlassen und befinden sich auf dem noch langen Weg zurück zur Normalität. Dafür wäre es auch in Europa an sich höchste Zeit, aber noch sind die Risiken zu groß mit steigenden Zinsen die Schuldenkrise zu befeuern und damit auch wieder eine Krise des Euro aufflammen zu lassen.

Nicht ob, sondern nur noch wann und in welchem Ausmaß die Kreditkosten verteuert werden, bleibt offen.

Prof. Dr. Thomas Straubhaar

Die sich mehr und mehr entspannende politische Stimmung in den USA auf der einen, die durchaus positive makroökonomische Entwicklung auf der anderen Seite, zeigen zusammen somit eher viel (deutsche) Aufregung, um wenig, was den Großteil der US-Bevölkerung wirklich in Wallung bringt. Es wäre deshalb ratsam, sich auch hierzulande etwas zu beruhigen. Offenbar sind Rechtsstaat und Demokratie, das Gleichgewicht der institutionellen Kräfte sowie der Pragmatismus der Bevölkerung in USA so gefestigt, dass sie selbst den Erschütterungen eines diplomatischen Trampeltiers standhalten.

Man muss Donald Trump nicht lieben, aber es hilft deutschen Interessen nicht weiter, sich den Tatsachen zu verschließen. Er ist gewählt und wird wohl – ob es in Deutschland passt oder nicht – Präsident bleiben und seiner Politik des „Amerika first“ treu bleiben. Auf ein Amtsenthebungsverfahren zu hoffen folgt eher einem Wunschdenken als politischer Realität. Kritiker werden anmerken, dass man den Anfängen wehren müsse und dass viele der Folgekosten erst langfristig spürbar würden. So korrekt die Einwände sein mögen, so sehr ist Vorsicht geboten, wie weit alte Gesetzmäßigkeiten auch tatsächlich für die Zukunft ihre Gültigkeit behalten.

Man muss weder Donald Trumps Art und Weise des Auftretens, noch seine Politik mögen, um eine Banalität in Erinnerung zu rufen. Er ist gewählt worden, um zuallererst amerikanischen Interessen zu dienen, und nicht um Deutschland oder der Welt zu gefallen. Deshalb ist es redlich nach 100 Tagen zunächst einmal zu prüfen, ob er der Erwartung der US-Amerikaner gerecht wird. Dafür sollten nicht alternative Fakten und auch nicht diffuse Gefühle, sondern ein paar harte makroökonomische Daten dienen. Sie zeigen, dass die US-Wirtschaft boomt, nicht darbt.

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