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Erbschaftssteuer
30.08.2016

Familienunternehmer Martin Schoeller nennt Lösung im Streit um Gesetzesreform

Martin Schoeller, 61, führt in siebter Generation gemeinsam mit seinem Bruder die Schoeller Holding GmbH in Pullach bei München. ©privat

Martin Schoeller sieht in der vom Bundesrat gestoppten Erbschaftssteuer-Reform „ganz klar eine Gefahr für die Arbeitsplätze“. Für den Unternehmer, der in siebter Generation gemeinsam mit seinem Bruder die Schoeller Holding GmbH in Pullach bei München führt, ist die bisherige Fassung „vor allem ungerecht, unangemessen und unsensibel“. Ende September wird sich auch das Bundesverfassungsgericht mit dem Gesetz beschäftigen. In seiner bisherigen Form soll geprüft werden, ob Erben großer Unternehmen ab einem Übertragungswert in Höhe von 26 Millionen Euro für einen Teil der Steuer aus ihrem Privatvermögen zahlen müssen. „Das ist so, als wenn man in einem DAX-Konzern bei einem Vorstandswechsel das Eigenkapital abgeben muss“, stellt Schoeller einen Vergleich zu privat geführten Firmen her. Der 61jährige ist zugleich Vorsitzender des Landesverbandes Bayern der Familienunternehmer. Seine Holding ist Arbeitgeber von rund 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Schoeller schlägt als Lösung vor, dass die Abgaben für Betriebe aus einem Teil der Dividende der ersten zehn Jahre nach Übergabe gezahlt werden könnten: „Dies ist meiner Meinung nach der einzige Weg, damit die Erbschaftssteuer nicht zu Unternehmensverkäufen führt.“ Würde zehn Jahre lang keine Dividende ausgeschüttet, könnte die Frist entsprechend verlängert werden. „So bleibt die Substanz eines Unternehmens unangetastet“, betont Schoeller. Erst wenn „etwas ausgeschüttet wird, verlässt es die Sphäre des Unternehmens und erst dann sollte sich der Staat etwas ausdenken, dabei aber auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit im Auge behalten“. In der Debatte um die Reform sei der Politik „zu wenig bewusst, dass nur ein ganz kleiner Teil des Vermögens in einem Unternehmen liquide ist. Das Kapital ist in Maschinen und Anlagen investiert und nicht cash vorhanden.“

Grafik: Handelsblatt (16.08.2016) © Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten

Grafik: Handelsblatt (16.08.2016) © Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten

Jene neun Länder in Europa, die keine Erbschaftssteuer erheben, fahren nach Meinung des Unternehmers „sehr gut damit“. Schoeller: „Diejenigen, die ein Unternehmen vererben, haben ihr Leben lang Steuern gezahlt und 70% des Staatshaushaltes bezahlt.“ Aus seiner Sicht könne eine Familie einem Betrieb viel mehr bieten als Private Equity oder anonyme Formen von Kapitalgesellschaften. „Die Interessen eines Käufers sind nicht die Interessen des heimischen Unternehmers. Meist geht nach einem Verkauf einer familiengeführten Firma dann die Hauptverwaltung woanders hin, die Werke werden zusammengelegt, der Name verschwindet“, schildert Martin Schoeller den Weg, den beispielsweise der Roboterhersteller Kuka gegangen sei.

Für seine Holding hat Schoeller gemeinsam mit der Familie vorgesorgt und eine verbindliche Governance für alle festgelegt. „Unsere nächste Generation ist bereits in die Unternehmen eingebunden. Erneuern und Durchhalten nennen wir das.“ Eine Verknüpfung von Familien im Unternehmen sei die einzige Form, kurzfristigen Egoismus durch langfristige Vorsorge zu ersetzen. „Unsere Familie hat sechs verschiedene Zweige, die Unternehmen betreiben“ schildert Martin Schoeller und ergänzt: „Unter uns sind Neugründer, Pioniere, aber auch Bewahrer. Das macht viel Spaß!“