SUCHE

17.03.2016

Kreditkarte, Paypal und mobile payment – wer braucht eigentlich noch Cash? Henning Vöpel, Leiter des HWWI, kommentiert den Wunsch der Politik, Bargeldzahlungen zu beschränken.

Prof. Dr. Henning Vöpel, Direktor und Geschäftsführer des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), steht der Abschaffung der 500er kritisch gegenüber.

Prof. Dr. Henning Vöpel, Direktor und Geschäftsführer des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI), steht der Abschaffung der 500er kritisch gegenüber. (Foto: picture alliance / dpa)

Weshalb soll die Bezahlung mit Bargeld beschränkt werden?
Im Vordergrund steht die Trockenlegung von Schwarzgeld. Damit soll Kriminalität enttarnt werden, weil Finanztransaktionen so besser nachvollzogen werden können.

Ist die Eindämmung von Schwarzgeld der einzige Grund?
Nein. Wenn Bargeld abgeschafft wird, können die Zentralbanken stärker auf digitales Geld zugreifen. Beispielsweise können sie dadurch Negativzinsen leichter durchsetzen. Im Endeffekt wird der Spielraum der Geldpolitik damit auch breiter. Auch der Zugriff der Finanzpolitik wird größer.

Bargeld-Zahlungsströme werden nicht erfasst. Gibt es sie nicht mehr, geht ein Stück Freiheit verloren. Wie kann diese verteidigt werden?
Der Mensch wird gläsern, weil nun auch seine Finanztransaktionen überwacht werden können. Dabei sollten wir eines nicht vergessen: Freiheit bedeutet immer auch Schutz vor dem Zugriff des Staates, auch und gerade wenn es ums Geld geht. Die Menge an personengebundenen Informationen und Daten, die wir mit unseren Zahlungsvorgängen hinterlassen, ist enorm. Insoweit ist die Bewahrung des Bargelds auch ein Schutz der Privatsphäre und der Freiheit.

Kommt mit elektronischen Bezahlsystemen die totale Überwachung?
Technisch wäre das sicher möglich. Doch im Rechtsstaat braucht es einen begründeten Anfangsverdacht, um Transaktionen zu überwachen und nachzuvollziehen. Mit den Möglichkeiten des Nachvollzugs steigen in gleicher Weise die Möglichkeiten des Missbrauchs. 

Gerade in Deutschland ist Bargeld sehr beliebt – wieso?
Im Laufe des letzten Jahrhunderts erlebten wir in Deutschland mehr als vier Währungsreformen und Phasen der Hyperinflation. Insoweit besitzt Bargeld, das haptisch ist, ein hohes Identifikationsmotiv und fast schon eine mythische Bedeutung.

Geht mit dem Abschied vom Bargeld weiteres Vertrauen in die Währungen verloren?
Nicht zwingendermaßen. Geld ist immer "legal tender", also vom Staat gewährtes, gesetzlich festgelegtes und damit offizielles Zahlungsmittel. Stabilität hängt nicht vom Bargeld ab. In unserem modernen Geldwesen wird Geld als Buchungsvorgang geschaffen und durch eine (hoffentlich) unabhängige Zentralbank gesteuert. Aber Bargeld veranschaulicht eine Währung, macht sie gegenständlich.

In anderen Ländern wie in Schweden ist Bargeld bereits auf dem Rückzug. Wie sind dort die Erfahrungen? Gibt es dort kein Schwarzgeld mehr?
Doch. Es wäre ein Irrglaube zu denken, man könne allein über die Abschaffung oder Einschränkung des Bargelds Schwarzgeld bekämpfen. Da macht es sich die Politik zu leicht. Denn die Entstehung von Schwarzgeld ist manchmal auch ein Problem falscher Anreizwirkungen der Steuerpolitik.  

Ihre Prognose: Wird die Bargeldgrenze in Deutschland eingeführt? Gibt es bald keine 500er mehr?
Ja, davon gehe ich aus. Zunächst mit einer technischen Begründung. Denn der Trend geht ohnehin in Richtung elektronischer Zahlmittel. Man denke nur an „mobile payment“. Wichtig ist, dass die Politik daraus keine falschen Schlüsse zieht und die persönliche Freiheit durch mehr Überwachung einschränkt, sondern im Gegenteil die Sicherheit dieser Bezahlsysteme vor Missbrauch und auch vor staatlichem Zugriff schützt.