SUCHE

24.11.2015

Dr. Jürgen Mantell, Präsident des Hamburger Sportbundes, zur Olympiabewerbung seiner Heimatstadt.

Dr. Jürgen Mantell, Präsident des Hamburger Sportbundes, auf einer Informationsveranstaltung, bei der er das Konzept für die Olympischen Spiele 2024 vorstellte. (Foto: picture alliance / dpa)

Was spricht für Hamburg als Olympiastadt?
Dr. Jürgen Mantell: Hamburg wollte schon zweimal Olympiastadt werden. 1990 hat die Stadt zugunsten Berlins auf eine Kandidatur verzichtet. Als es um die Bewerbung für die Spiele 2012 ging, war Hamburg in Deutschland gegen Leipzig unterlegen. Die bereits guten Konzepte von damals hat die Stadt noch weiter ausgearbeitet und verbessert. Sie passen genau zur Agenda 2020, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) vergangenes Jahr verabschiedet hat.

Was heißt das?
Dr. Jürgen Mantell: Das IOC will weg vom Gigantismus. Die Spiele sollen eine Einladung an die Jugend der Welt sein und hohen sozialen sowie ökologischen Ansprüchen genügen. Olympische Spiele sollen nachhaltig sein. Für all das steht Hamburg.

Zuletzt gab es Kritik an der Bewerbung: Die Kosten seien unkalkulierbar, es drohe dadurch in Hamburg eine Gentrifizierung, also eine Verdrängung sozial Schwächerer.
Dr. Jürgen Mantell: In Hamburg würde ein neuer Stadtteil mit 6.000 Wohnungen entstehen, die zuerst für Olympia genutzt werden und dann je zu einem Drittel als Sozial-, Miet- und Eigentumswohnungen auf den Markt kommen. Wenn neue Wohnungen an einem Ort gebaut werden, an dem bislang keine Wohnungen sind, kann gar keine Verdrängung stattfinden. Das ist zusätzlicher Wohnraum. Zudem würde mit Olympia der Sprung über die Elbe gelingen, was für die Stadtentwicklung wichtig wäre.

Bei der Elbphilharmonie sind die Kosten komplett aus dem Ruder gelaufen. Droht das bei Olympia auch?

Dr. Jürgen Mantell: Gerade aus der Elbphilharmonie hat die Stadt sehr viel gelernt. Heute wird ganz anders geplant. Es gelten die Regeln für kostenstabiles Bauen. Das heißt, es werden jetzt schon Risiken und etwaige Erhöhungen berücksichtigt. Das Olympiastadion würde beispielsweise aktuell für knapp 300 Millionen Euro ausgeschrieben. In den Planungen steht es mit 600 Millionen – um einen entsprechenden Sicherheitspuffer zu haben. So wurde mit allen fast 700 Einzelprojekten verfahren.

Hat sich nach den Attentaten von Paris Ihr Blick auf Olympia verändert?
Dr. Jürgen Mantell: Die Terroristen wollen, dass wir unseren Lebensstil ändern. Sie wollen, dass wir Angst haben. Natürlich müssen wir aufpassen und uns schützen – aber wir dürfen uns nicht diesem Diktat unterwerfen. Zudem: Niemand kann heute sagen, wie die Sicherheitslage 2024 sein wird.

Wie sind die Chancen von Hamburg gegenüber den anderen, namhaften Bewerbern?
Dr. Jürgen Mantell: Zu den Konzepten der anderen Städte möchte ich nichts sagen. Wir konzentrieren uns ganz auf uns. Wenn das Internationale Olympische Komitee seine eigenen Beschlüsse aus dem vergangenen Jahr jedoch ernst nimmt, müsste Hamburg sehr gute Chancen haben.