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13.10.2015

Nach dem Höhenflug im Sommer sind die Börsen abgerutscht. Oliver Neckel, Leiter Wealth Management bei der HSH Nordbank, erklärt, was die Märkte derzeit bewegt - und rät zur Vorsicht.

Oliver Neckel, Abteilungsleiter Wealth Management der HSH Nordbank (Foto: Marco Grundt)

Nach einer Börsenrallye bis in den Sommer sind die Aktienindices zuletzt gefallen. Der DAX hat in der Spitze bis zu 30 Prozent eingebüßt. Sind das nun Einstiegskurse?
Oliver Neckel: Zuerst lohnt es sich zu analysieren, was die Gründe für die Entwicklungen an den Börsen sind: Weshalb ging es aufwärts, was hat den Abschwung ausgelöst?

Und, weshalb haben die Kurse nachgegeben?  
Oliver Neckel: Zum einen hat sich das Wirtschaftswachstum in China verlangsamt. Die dortigen Börsen sind eingebrochen. Das hat viele Investoren aufgeschreckt, weil sie sich Sorgen machen, wie es in China, einer der Lokomotiven der Weltwirtschaft, weitergeht. Dazu kommt beispielsweise in Deutschland, dass einige Werte oder Bereiche aus aktuellem Anlass unter Druck geraten sind.

Und was raten Sie ihren Kunden?
Oliver Neckel: Wir raten derzeit eher zur Vorsicht. Wer dicht an Märkten dran ist, kann sich überlegen, wieder erste Positionen aufzubauen. Das könnte sich für langfristig orientierte Anleger auszahlen. Man sollte aber sehr wachsam sein. Wir erwarten, dass die Börsen weiterhin schwankungsanfällig bleiben.

Wieso?
Oliver Neckel: Es gibt verschiedene Unsicherheitsfaktoren: Dazu zählen geopolitische Risiken im Nahen Osten, das Thema China ist ungeklärt, in den USA könnte eine Zinserhöhung kommen und in Europa stehen einige Wachstumsprognosen auf dem Prüfstand. Aber auch wenn ich im Moment vorsichtig wäre, muss man eins wissen: Anleger mit einem gut ausgerichteten, auch international orientiertem Aktienportfolio sind langfristig immer am besten gefahren. Durch ihren Anteil am Produktivkapital sichern sich die Investoren die Chance auf eine Wertentwicklung. Der Nachteil: Man muss mögliche Verluste aushalten können.

Gerade das fällt deutschen Anlegern schwer.

Oliver Neckel: Ja, in Deutschland hat nur ein kleiner Teil der Sparer Aktien. Jahrzehntelang gab es für sichere Anleihen wie Bundesschatzbriefe vier oder fünf Prozent Zinsen. Wegen einer etwas höheren Verzinsung sind deshalb nur wenige in Aktien eingestiegen. Jetzt hat an den Märkten ein Paradigmenwechsel stattgefunden – bei den Anlegern ist das jedoch noch nicht angekommen.

Neben fundamentalen Daten beeinflussen zunehmend technische Faktoren die Märkte. Wie wichtig ist der Handel der Computer geworden?
Oliver Neckel: Mir sind keine empirischen Studien bekannt. Ich glaube aber, dass der Roboterhandel, wie ich das gern nenne, heute eine nennenswerte Rolle spielt. Es gibt auch immer mehr Anleger, die sich an markanten Punkten im Rahmen von Chartanalysen orientieren.

Aktien sind schwankungsanfällig, auf Anleihen gibt es nur geringe Zinsen. Ist Bargeld eine Alternative?
Oliver Neckel: Bargeld in der Tasche zu haben ist schön, als Geldanlage ist cash aber nicht gut geeignet. Denn darauf gibt es null Zinsen. Das bedeutet, das Vermögen schmilzt real. Deshalb gehören Anleihen für mich zu einer ausgewogenen Anlagestrategie. Mit ihnen lässt sich immerhin ein gewisser Grundzins erreichen.

Aber gerade bei etwas höher verzinsten Anleihen steigt das Ausfallrisiko. Lohnt sich das?
Oliver Neckel: Auch in diesem Bereich brauchen Anleger Fachleute an ihrer Seite, die sich auf dem Anleihemarkt genau auskennen und dieses Risiko gut managen können. Fonds sind da oft eine gute Möglichkeit.  

Zum Jahresanfang haben Sie einen Dax-Schlussstand Ende 2015 bei 10100 Punkten vorhergesagt. Bleiben Sie dabei?
Oliver Neckel: Dabei bleibe ich im Prinzip. Es kann allerdings gut sein, dass der Dax etwas höher schließt. Allerdings werden wir auch in den letzten Monaten des Jahres eine hohe Volatilität erleben.