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Gesundheitswirtschaft

„Deutliche Verbesserung der medizinischen Leistungen“

24.09.2015

Markus Rosenbaum, Leiter Gesundheitswirtschaft bei der HSH Nordbank, über die Digitalisierung in dieser Branche und wie sich diese zu einem Megatrend entwickeln wird.

Markus Rosenbaum

Markus Rosenbaum, Leiter Gesundheitswirtschaft bei der HSH Nordbank. (Foto: Sven Wied)

Beim 11. Gesundheitswirtschaftskongress haben Sie kürzlich an einer Podiumsdiskussion teilgenommen, die unter dem Provokanten Motto stand: „Sind Menschen doch Autos?“ Wie weit ist die Digitalisierung in der Branche? 
Markus Rosenbaum: Die technische Entwicklung, die andere Branchen schon hinter sich haben, liegt noch vor der Gesundheitswirtschaft. Ich glaube, die Digitalisierung wird für Krankenkassen, Krankenhäuser, Ärzte und alle anderen Beteiligten ein Megatrend der nächsten Jahre. Aber keine Sorge: Menschen werden nicht zu Autos und nicht von Maschinen gewartet. In der Medizin wird der Mensch immer im Vordergrund stehen. Das ist auch das Verständnis der Ärzte, mit denen ich zu tun habe.  

Genug Apparate gibt es bereits in Krankenhäusern. Was ist denn genau mit Digitalisierung gemeint?
Markus Rosenbaum: Digitalisierung bedeutet vor allem die elektronische Erfassung und Weiterverarbeitung von Patientendaten. Sie betrifft aber ebenfalls Dokumente wie den Entlassungsbrief aus dem Krankenhaus. In Krankenhäusern wird vieles noch per Hand gemacht, klassisch auf Papier ausgedruckt und dann abgelegt. Durch eine Digitalisierung beispielsweise der Patientendaten sind diese viel leichter austauschbar. Das erleichtert die Zusammenarbeit von Ärzten und Krankenhäusern enorm. 

…und der Mensch wird dadurch zwar nicht zum Auto, aber zum gläsernen Patienten. Wie groß ist diese Gefahr? 
Markus Rosenbaum: Die Fragen des Datenschutzes sind bislang noch nicht vollständig geklärt, das stimmt. Bei aller gebotenen Vorsicht dürfen wir aber die Vorteile eines reibungslosen Datenaustausches nicht vergessen: Wenn die Daten zuverlässig und leicht transferierbar sind, kann beispielsweise ein Hausarzt problemlos die Meinung eines Spezialisten einholen, indem er ihm die elektronische Krankenakte zukommen lässt. Gerade in ländlichen Gebieten, in denen oft Facharztmangel herrscht, ist das ein großer Vorteil. So trägt die Digitalisierung zu einer deutlichen Verbesserung der medizinischen Leistungen bei.

Wenn zusätzlich ein Facharzt auf die Akten schaut, wird es teurer, oder?
Markus Rosenbaum: Natürlich entstehen durch die Einbindung der Fachärzte Kosten. Aber abgesehen von dem hohen Nutzen für die Patienten, die von einer besseren Behandlung profitieren, muss man eins wissen: Am teuersten sind in der Gesundheitswirtschaft falsche Behandlungsansätze, die dann mühevoll korrigiert werden müssen. Wenn Patienten statt einmal richtig, aus Unwissenheit zweimal falsch behandelt werden, ist das nicht nur sehr unangenehm, sondern auch kostspielig. Auf der anderen Seite, wird es durch die Digitalisierung klare Effizienzfortschritte geben, die dazu beitragen, die Kosten zu senken. Viele Prozesse werden einfach schneller und damit günstiger.  

Welche Chancen ergeben sich durch die Digitalisierung für Unternehmen?
Markus Rosenbaum: Vor allem Unternehmen, die Hardware und Software für die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft bereitstellen, haben gute Chancen, von diesem Wandel zu profitieren.

Wie wichtig ist es für Krankenhäuser und Ärzte, die Digitalisierung schnell umzusetzen?
Markus Rosenbaum: Ich denke, es ist für den langfristigen Erfolg wichtig, bei technischen Entwicklungen auf dem aktuellen Stand zu sein. Die Digitalisierung ermöglicht ein effizienteres Arbeiten und eine besser Qualität – das sind zwei wichtige Aspekte, um im Wettbewerb erfolgreich zu sein.