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13.08.2015

Der wahre Sinn des Textes auf der Postkarte erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Und zwar dann, wenn man den rot durchgestrichenen Text mit den vielen Einwänden gegen die Entscheidung, Unternehmer zu werden, einfach weglässt. Am Schluss bleiben nur zwei Worte stehen – sie sind das Credo von „Impulse“ Chefredakteur und Verleger Nikolaus Förster: „Mach es!“

Nikolaus Förster, Journalist und impulse-Chef (Foto: Christian Irrgang)

Anfang 2013 hat Förster, Mitte vierzig, Dreitagebart, Brille mit sachlichem Metallgestell, das Wirtschaftsmagazin „Impulse“ im Rahmen eines Management Buy out von Gruner+Jahr übernommen. Der Medienkonzern hatte beschlossen, seine Wirtschaftstitel zu schließen beziehungsweise zusammenzulegen. „Impulse“, 1980 gegründet und durchaus profitabel, sollte dichtgemacht werden. Eine Entscheidung, die Förster, damals bereits Chefredakteur des Titels, nicht akzeptieren wollte. „Wir hatten ein tolles Team und eine neue Ausrichtung. Ich war von dem Potential des Titels überzeugt.“ Zusammen mit dem Hamburger Kaufmann Dirk Möhrle gelang es Förster, „Impulse“ von Gruner+Jahr zu übernehmen – unter anderem verzichteten er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dafür auf ihre Abfindungen. So wurde aus dem angestellten Redaktionsleiter ein selbstständiger Unternehmer. Eine Entscheidung, die er nie bereut hat: „Ich hätte mir nie verziehen, wenn ich diesen Schritt nicht gemacht hätte.“

Das Unternehmermagazin übernahm Nikolaus Förster 2013 von Gruner+Jahr. Es erreicht 119.000 Entscheider bei einer Auflage von 73.934 Exemplaren.

Mit seinem persönlichen Seitenwechsel verband Förster eine konsequente Schärfung des Profils seines Blattes. „Wir berichten aus der Perspektive des Chefs und nicht aus der Sicht des Angestellten wie andere Wirtschaftsmagazine.“ Ein Firmenlenker müsse zwar im Betrieb nicht mehr aufsteigen, da er schon ganz oben sei, aber er verbinde mit dem Erfolg seines Unternehmens auch seinen persönlichen Erfolg. „Das ist eine existenzielle Perspektive.“

Um möglichst genau den Blickwinkel der Firmenlenker abzubilden, versuchen Förster und sein Team bei ihren Recherchen ausschließlich mit der obersten Führungsebene zu sprechen. „Wir wollen echten Mehrwert schaffen“, sagt Förster. „Wir wollen erreichen, dass Unternehmer, die uns lesen, einen spürbaren Gewinn für ihre Firma haben.“ Gleichzeitig setzt er auf mutige journalistische Ideen: So lässt „Impulse“ in jeder Ausgabe einen Unternehmer zu Wort kommen, der über seinen größten Fehler spricht – und erklärt, was er daraus gelernt hat.

Der Mehrwert für die „Impulse“ lesenden Unternehmer soll aber nicht nur durch die Tipps und Ideen in den Artikeln zustande kommen, sondern auch durch enge Vernetzung. „Wir sehen uns als wissensbasiertes Netzwerk“, sagt Förster. Deshalb gibt es neben dem Magazin eine Impulse-Akademie, in der regelmäßig Seminare stattfinden. Daneben organisiert der Verlag Besuche bei Unternehmen, Diskussionen und Treffen, die dazu beitragen sollen, dass sich Unternehmer untereinander austauschen – und dadurch voneinander profitieren. Förster: „Wir sprechen deshalb nicht von Abonnenten, sondern von Mitgliedern in unserem Netzwerk.“

Um dieses Netzwerk gut zu informieren, hat „Impulse“ in den vergangenen beiden Jahren etwa 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingestellt, die in einem über 100 Jahre alten, stilvoll renovierten Fabrikgebäude in Hamburg arbeiten. „Andere Magazine bauen Personal ab“, sagt Förster. „Wir sind davon überzeugt, dass sich hohe  journalistische Qualität durchsetzt.“

Nach gut zwei Jahren als Unternehmer hat Förster die Höhen und Tiefen des Unternehmertums erlebt. Während der Verlag im ersten Jahr mit einem Gewinn abschloss, gab es 2014 ein Minus zu vermelden. Beunruhigt hat das Förster nicht. „Wir sind im Umbruch. Wir investieren jetzt, um langfristig erfolgreich zu sein.“ Klar: eine Unternehmerperspektive.