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Städtepartnerschaften
05.06.2015

Miteinander reden, voneinander lernen – beim ersten „Urban Partnership Forum“ diskutierten Vertreter aus Hamburg, Dresden, Prag und St. Petersburg über das Thema „Stadtbild im Wandel: Großstadt braucht Großprojekt“.

Diskussionsrunde auf dem „Urban Partnership Forum“.

Wolfgang Schmidt (l.), Dr. Ralf Lunau (2. v. l.), Tomáš Pardubický (2. v. r.), Kai-Uwe Reitmann (r.) und Moderatorin Julia-Niharika Sen. (Fotos: Sven Wied)

Veranstaltet wird die in Hamburg stattfindende Diskussionsreihe vom Hamburger Abendblatt und der HSH Nordbank. Deren Vorstandschef, Constantin von Oesterreich, unterstrich in seiner Begrüßung die Bedeutung des Meinungsaustausches zwischen den Städten. „Das ist eine gute Gelegenheit voneinander zu lernen und voneinander zu profitieren.“ Lars Haider, der Chefredakteur des Hamburger Abendblatts, begrüßte, dass sich die Stadt Hamburg, die „mit Großprojekten lange gefremdelt hat“, sich nun etwas traue. Bestes Beispiel: die Olympia-Bewerbung. 

Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, stellte in seiner Rede klar, dass „große Städte etwas Besonderes sind“. Zwar werde es immer komplexer, die verschiedenen Aspekte des städtischen Lebens wie beispielsweise Wohnen, Infrastruktur, Umweltschutz und Erholung unter einen Hut zu bringen, aber an diesen steigenden Anforderungen wachse „der optimistische Zukunftsgeist“ weiter.    

Hamburgs Partnerstädte im Überblick

St. Petersburg, Russland (1957)
Marseille, Frankreich (1958)
Shanghai, China (1986)
Dresden, Deutschland (1987)
Leon, Nicaragua (1989)
Osaka, Japan (1989)
Prag, Tschechische Republik (1990)
Chicago, USA (1994)
Dar Es Salaam, Tansania (2010)

Für Hamburg bezeichnete Olaf Scholz die Olympia-Bewerbung und gegebenenfalls die Ausrichtung des größten Sportereignisses der Welt als Chance. „Wir können nur gewinnen.“ Die Gefahr einer Kostenexplosion sehe er nicht, die Stadt habe aus den Fehlern bei der Elbphilharmonie gelernt. Es gebe einen klaren Fahrplan: „Erst planen, dann entscheiden, dann bauen.“

Bei der anschließenden Diskussion mit Vertretern aus Hamburg, Dresden, Prag und St. Petersburg wurde deutlich, dass die Städte alle vor ähnlichen Herausforderungen stehen. So wurde beispielsweise in Prag mit der „City West“ ein neuer Stadtteil errichtet, der genau wie die Hamburger Hafencity auf dem Reißbrett entstanden ist. Auch in Prag sei es schwierig gewesen, den neuen Stadtteil zu beleben, sagte Tomáš Pardubický, Generaldirektor der tschechischen Immobilien-Gesellschaft FINEP. Anfangs hätte beispielsweise kaum ein Pächter eins der Restaurants übernehmen wollen – heute seien diese Flächen nachgefragt. „Man braucht einen langen Atem.“

Diskutiert wurde auch über die Bedeutung von Bürgerbeteiligungen an Großprojekten. Während in Hamburg ein Referendum zum Thema Olympia geplant ist, um die Meinung der Bevölkerung zu berücksichtigen, und in Dresden über eine Elbbrücke abgestimmt wurde, sprach sich Tomáš Pardubický gegen zu viel Bürgerbeteiligung aus. Zu stark würden damit kurzfristige Einzelinteressen gewichtet. Bei dem Bau der „City West“ habe es mehr als ein Dutzend Bürgerinitiativen gegeben: Eine habe gefordert, das Trocknen von Wäsche auf den Balkonen zu verbieten, eine andere hätte Hunde untersagen wollen. „Viele der Bauwerke, die Prag berühmt gemacht haben, wurden von Karl dem Vierten im 14. Jahrhundert gebaut – und der hat niemand gefragt.“

Kai-Uwe Reitmann, Projektpartner und Bereichsleiter St. Petersburg bei der Entwicklungsgesellschaft Drees & Sommer, berichtete von den Fortschritten und den Schwierigkeiten bei der Umgestaltung einer Militärbrache in ein Freizeitgelände am Hafen von St. Petersburg. „Die Gebäude sind teilweise 300 Jahre alt, der Baugrund ist sumpfig. Während des Projekts lernen wir, wie wir es am besten machen.“   

Generell, da waren sich alle Teilnehmer einig, brauchen große Städte große Projekte, die ihre Entwicklung langfristig vorantreiben. Auch wenn deren Realisierung bisweilen eine Herausforderung sei, wie der Dresdner Bürgermeister für Kultur, Dr. Ralf Lunau, sagte, der den Umbau des „Kulturpalastes“ in seiner Stadt managt. Stillstand gebe es in einer Großstadt gar nicht, bemerkte Wolfgang Schmidt, Staatsrat der Senatskanzlei Hamburg. Er meint: „Es muss immer etwas geschehen.“

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