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Auf einen Espresso mit …

Cyrus de la Rubia zu den Schwankungen an den Rentenmärkten

10.06.2015

Die Zinswende ist vollzogen, aber die Vergangenheit mahnt zur Vorsicht, meint Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, bei einem Espresso.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank (Foto: HSH Nordbank)

Die Renditen an den Rentenmärkten schwanken sehr. Was ist da los?
Cyrus de la Rubia: Ja, das stimmt. Noch vor wenigen Wochen rentierten zehnjährige Bundesanleihen bei gerade einmal 0,05 Prozent. Seitdem sind sie auf fast ein Prozent geklettert, das sind ungewöhnliche Schwankungen.

Wie ist es dazu gekommen?
Cyrus de la Rubia: Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen sind viele Marktteilnehmer davon ausgegangen, dass die Kurse bei den Bundesanleihen eher steigen und die Renditen damit fallen, weil das große Ankaufprogramm der Europäischen Zentralbank läuft. Diese Wette haben alle gespielt – am Schluss war sie überreizt. Dazu kommt, und auch da spielt die EZB eine Rolle, dass die Anleihemärkte relativ illiquide geworden sind.

Weshalb?
Cyrus de la Rubia: Die EZB kauft viel auf und die Banken und Versicherungen müssen aus regulatorischen Gründen relativ viele Anleihen behalten, während Herr Schäuble per Saldo keine neuen Anleihen verkauft. Das verknappt das Angebot.

Gibt es fundamentale Gründe für den Anstieg der Renditen?
Cyrus de la Rubia: Natürlich spielt es eine Rolle, dass die amerikanische Zentralbank, die Fed, wahrscheinlich noch in diesem Jahr die Leitzinsen in den USA erhöhen wird. Außerdem verschwindet in der Eurozone allmählich das Deflationsgespenst und die Konjunktur erholt sich. Das beeinflusst die internationalen Finanzmärkte stark.

Ist damit die Zinswende vollzogen?
Cyrus de la Rubia: Die letzten 35 Jahre waren eine Abfolge von Zinswenden, die sich als nicht nachhaltig erwiesen haben. Ich bin daher vorsichtig. Für die nächsten 12 bis 18 Monate gehe ich allerdings tatsächlich von steigenden Renditen aus.

Wie geht es weiter – bleibt es bei der hohen Volatilität?
Cyrus de la Rubia: Davon müssen wir wohl ausgehen. EZB-Präsident Mario Draghi hat gesagt, dass ihn Volatilität nicht stört. Das probieren die Märkte jetzt mal aus. Zudem ist durch die extreme Niedrigzinspolitik der vergangenen Jahre sehr viel Liquidität in die Märkte gepumpt worden. Die schwappt jetzt von Assetklasse zu Assetklasse und sorgt für große Schwankungen an den Finanzmärkten.

Haben die gestiegenen Renditen Auswirkungen für Unternehmen?
Cyrus de la Rubia: Ja, denn sie färben auf das allgemeine Zinsniveau ab. Ein Unternehmen, das jetzt eine Anleihe begibt muss dafür höhere Zinsen anbieten. Aber auch der Privatmann, der sein Haus finanziert, wird höhere Zinsen bezahlen müssen. Historisch gesehen sind diese jedoch immer noch extrem niedrig.