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Städtepartnerschaften
28.05.2015

Wolfgang Schmidt, Staatsrat der Freien und Hansestadt Hamburg, spricht mit Unternehmer Positionen Nord über die Bedeutung von Städtepartnerschaften. Was Hamburg von seinen Städtepartnern Prag, Dresden und St. Petersburg lernen kann, wird auf dem Urban Partnership Forum am 4. Juni diskutiert.

In Prag, eine der ältesten Kulturmetropolen Europas und seit 25 Jahren Partnerstadt Hamburgs, entsteht derzeit mit dem CITY WEST-Projekt ein Paradebeispiel für moderne Stadtplanung. Es ist das größte Stadtentwicklungsprojekt der Tschechischen Republik und schafft seit 2007 in mehreren Phasen modernen Büro- und Wohnraum. Auch Dresden und St. Petersburg erfahren derzeit einen Wandel: Die sächsische Hauptstadt ist auf dem Weg bis 2025 Kulturhauptstadt Europas zu werden und St. Petersburg, Hamburgs längste Partnerstadt seit 1957, plant eine Multifunktionsarena für die kommende Fußballweltmeisterschaft in 2018. Das Urban Partnership Forum wird zeigen, wie jede der drei Partnerstädte Hamburgs Großprojekte angeht. Auch die Hansestadt selbst kann da mitreden: Denn die HafenCity, die Elbphilharmonie und der Bau des Olympiageländes sind vergleichbare Großprojekte. 

Wolfgang Schmidt, Staatsrat der Freien und Hansestadt Hamburg.

Wolfgang Schmidt, Staatsrat der Freien und Hansestadt Hamburg (Foto: Pep Avila)

Beim Urban Partnership Forum kommen mit Hamburg, Dresden, Prag und Sankt Petersburg ganz unterschiedliche Städte zusammen. Was können diese Metropolen voneinander lernen? 
Wolfgang Schmidt: Städte können immer viel voneinander lernen. Die meisten Bürgermeister und Verwaltungen stehen doch vor der gleichen Aufgabe: Sie wollen ganz konkret die Voraussetzungen für ein gutes Leben ihrer Bürgerinnen und Bürger schaffen.

Was bedeutet das?
Wolfgang Schmidt: Dazu gehört beispielsweise, dass es in der Stadt genügend bezahlbaren Wohnraum gibt, dass die Infrastruktur gut funktioniert, also beispielsweise der Verkehr gut fließt und für die Kinder Kitaplätze und gute Schulen vorhanden sind. Natürlich geht es auch um genügend Grünflächen zur Erholung und gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft, so dass die Unternehmen erfolgreich sein und genügend Arbeitsplätze zur Verfügung stellen können. Bürgermeister sind in der Regel sehr pragmatisch und lösungsorientiert. Deshalb kommen sie unabhängig vom Parteibuch schnell ins Gespräch miteinander.

Jede Stadt existiert unter ganz spezifischen Voraussetzungen, topographischen, baulichen, klimatischen – erschwert das die Übertragung von Lösungen nicht?  
Wolfgang Schmidt: Natürlich funktioniert das Motto „one size fits all“ nicht. Lösungen lassen sich nur selten eins zu eins übertragen. Aber man kann von den Erfahrungen, den Erfolgen und auch den Fehlern, die in anderen Städten gemacht wurden, lernen. Das gibt gute Denkanstöße. Daher wird die Zusammenarbeit immer wichtiger, denn die Städte wachsen überall. Viele Menschen ziehen aus dem Umland in die Zentren. Und je größer die Städte, desto mehr Herausforderungen müssen gemeistert werden. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute bereits in Städten, Tendenz steigend. Wir in Hamburg haben enge Kontakte zu Metropolen, die ähnliche Voraussetzungen wie wir haben: die Handel treiben, die wachsen, die groß, aber nicht Hauptstadt sind. Häufig sind es Hafenstädte. Das erleichtert den Austausch.

Finden zwischen diesen Städten auch Treffen auf der Arbeitsebene statt?
Wolfgang Schmidt: Ja, da gibt es einen regen Austausch, bei vielen Themen stehen die Spezialisten in engem Kontakt. In der Hamburger Verwaltung haben wir viele Sprachtalente – das erleichtert die Kommunikation.

Das Urban Partnership Forum steht unter dem Motto „Großstadt braucht Großprojekt“. Aber sind viele Großprojekte zuletzt nicht gescheitert? Streben die Städte nicht eher eine nachhaltige Entwicklung an?
Wolfgang Schmidt: Beides gehört zusammen. Eine große Stadt kann auch von großen Projekten profitieren. Bei der Elbphilharmonie in Hamburg wurden erhebliche Fehler gemacht und die enormen Kostensteigerungen sind nicht in Ordnung. Trotzdem wird die Eröffnung im Januar 2017 weltweit für Aufmerksamkeit sorgen: Ein Konzerthaus mit herausragender Akustik, das Tradition und Moderne verbindet und am Wasser liegt, ist sehr spektakulär und wird zur internationalen Bekanntheit der Stadt beitragen. Es wird eines der Bauwerke sein, das für das moderne Deutschland steht.

Urban Partnership Forum

Die HSH Nordbank und das Hamburger Abendblatt haben das Urban Partnership Forum ins Leben gerufen, das am 4. Juni erstmalig in Hamburg stattfindet. Hochrangige Vertreter Hamburgs und der Partnerstädte diskutieren zum Thema „Stadtbild im Wandel – Großstadt braucht Großprojekt“.

Die Teilnahme am Diskussionsforum ist für geladene Gäste.