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03.03.2015

Für die europäische Schifffahrtsbranche gewinnt Asien ungebrochen an Bedeutung. Das ist das Ergebnis der aktuellen Umfrage der HSH Nordbank. Was das für Shipping-Unternehmen und dessen Finanzierung bedeutet, erklären die Experten der HSH Nordbank, Christian Nieswandt, Leiter Shipping Clients Domestic, und Ingmar Loges, Leiter Shipping Clients International, im Interview.

Schiffschraube.

Diese Rekord-Schiffsschraube, mit einem Gewicht von 113 Tonnen, wurde letztes Jahr in Waren (Mecklenburg-Vorpommern) gefertigt und nach Asien transportiert. Dort wurde das dazugehörige 400 Meter lange Containerschiff auf einer südkoreanischen Werft gebaut. (Foto: picture alliance / dpa)

Der Schiffbau hat sich bereits zu großen Teilen nach China verlagert, der Warenverkehr wächst dort ebenfalls. Wie können nicht-asiatische Shipping-Unternehmen von diesem Aufschwung profitieren?
Christian Nieswandt: Zuerst einmal haben sie schon stark von dem Wachstum in Asien profitiert, indem sie am Boom in den Schifffahrtsmärkten zwischen 2002 und 2008 partizipiert haben. Dieser Boom war von der Entwicklung Chinas, den dadurch stark angestiegenen Warenströmen und der damit verbundenen Nachfrage nach weiterem Laderaum getrieben. Auch künftig werden die Shipping-Unternehmen am Wachstum in Asien teilhaben, denn sie richten ihre Strategie mehr auf diesen Teil der Welt aus – genau das ist ein Ergebnis unserer Marktstudie. 

Christian Nieswandt, Leiter Shipping Clients Domestic der HSH Nordbank.

Christian Nieswandt, Leiter Shipping Clients Domestic der HSH Nordbank. (Foto: HSH Nordbank)

Welche Herausforderungen müssen Unternehmen meistern, um in Asien erfolgreich zu sein?
Christian Nieswandt: Sie müssen vor allem organisatorische Hürden nehmen. Dazu kommen ein anderes Werteverständnis, eine andere Mentalität und sprachliche Barrieren. Aber all das sind keine unüberwindbaren Herausforderungen. Diese Hürden wirken auf die Unternehmen nicht abschreckend.

Die HSH Nordbank ist ein großer Player im Shipping. Wie sind Ihre Erfahrungen in Asien?
Ingmar Loges: Die Asiaten sind aufgeschlossen bezüglich Neuansiedlungen internationaler Unternehmen, die Administrationen sind in der Regel offen und hilfsbereit. Bestes Beispiel dafür sind die Anstrengungen des Stadtstaates Singapur, der eine Hauptdestination für Reedereien ist, die sich in Asien ansiedeln wollen. Singapur ist ein global ausgerichteter Standort, in dem sich viele internationale Unternehmen angesiedelt haben. Daneben ist Hongkong ein weiterer wichtiger Shipping-Standort, an dem sich viele Reedereien ansiedeln.

Ingmar Loges, Leiter Shipping Clients International der HSH Nordbank.

Ingmar Loges, Leiter Shipping Clients International der HSH Nordbank. (Foto: HSH Nordbank)

Der Schiffbau hat sich schon nach Asien verlagert. Verlagern sich auch die Finanzierungen dorthin?   
Ingmar Loges: Wir beobachten, dass es bei Fragen der Finanzierung ebenfalls einen Trend nach Asien gibt. Fast 80 Prozent der für unsere Studie befragten Reedereien glauben, dass asiatische Kapitalgeber künftig bedeutender werden. Ein Blick auf die Liste der Top 40 schiffsfinanzierenden Banken in der Welt zeigt, wie viel sich schon viel getan hat. Von ihnen kommen etwa 15 aus Asien, vor zehn Jahren waren es deutlich weniger.

Was bedeutet das für die europäischen Banken?
Christian Nieswandt: Zum einen sind europäische Banken in Asien heute schon aktiv. Diese Region haben die meisten als Wachstumsmarkt identifiziert. Dort finden sie attraktives Finanzierungsvolumen, von dem es auf dem europäischen Markt derzeit etwas weniger gibt. Sofern es sich bei den Kunden um nicht-asiatische Reedereien handelt, kommt es darauf an, dort Shipping-Expertise anzubieten, wo die Entscheidungsträger der Unternehmen sitzen. Deshalb sind wir sowohl in Europa als auch in Asien mit Schiffsfinanzierern vor Ort.

Kommen die asiatischen Banken auch nach Europa?
Ingmar Loges: Große asiatische Banken bemühen sich durchaus um große europäische Reedereien. Allerdings finanzieren sie derzeit vor allem Bestellungen, die auf asiatischen Werften gebaut werden. Aber das kann sich auch so entwickeln, dass asiatische Banken Schiffe finanzieren, die nicht dort gebaut werden.